Bibliothek Alexandria/ Ägypten
Einläufige Schachttreppen
Unter wesentlichem Einfluss der Unesco und unter Mithilfe einiger arabischer Länder wurde in Reminiszenz an die im Altertum weltgrößte Bibliothek in Alexandria ein Neubau in einem internationalen Wettbewerb ausgeschrieben. Eine junge Architektengruppe aus Oslo konnte 1993 den Wettbewerb für sich entscheiden. Das Raumprogramm wurde für eine Bibliothek mit acht Millionen Bände ausgelegt, in einem Land, dessen Alphabetisierungsgrad mit zu den weltweit geringsten zählt. Bislang sind es gerade einmal ein halbe Million Bände, die dort einzusehen ist. Direkt an der Uferstraße des Mittelmeers gelegen, dominiert ihr schräggestellter Zylinder mit etwa 160 Meter Durchmesser die Hafenskyline. Außen zeigt sich die Fassade mit 5000 m² Sandsteinplatten, die nach Entwürfen der norwegischen Künstlerin Jorunn Sannes mit kryptischen Schriftzeichen graviert wurden, als fast komplett geschlossene Schale, die einen riesigen Lesesaal mit fast 18.000 m² Fläche und 2000 Leseplätzen neben den entsprechend großen Bucharchiven enthält. Der große Raum wird von einem Stützenwald durchsetzt, der ein Tragraster aus Beton stützt. In diese Rasterflächen wurden gefaltete Sonderelemente eingesetzt, welche die Dachentwässerung und gleichzeitig die Hitzeabschirmung gewährleisten. Zusätzlich ermöglichen linsenförmige Fenster mit Glassheds, welche diese wie Augenlider überdecken, die Belichtung des riesigen Raums, ohne dass die starke Sonneneinstrahlung zu Blendungen führt.
Treppe
Die in mehreren Ebenen abgestuften Lesesaalflächen laufen parallel mit der Neigung des Schrägdaches nach unten. Absturzbrüstungen aus Beton, die allseits mit Holzpaneelen eingefasst sind, gehen in die zwischen den Ebenen vermittelnden Treppen als Brüstung bauartgleich über. In dem fast moscheengleichen Raum laufen auch die Bodenbeläge aus Eichenparkett über die Treppenläufe mit. Vor einer großen schwarzen Wand aus afrikanischem Granit wirken die Einbauten aus Holz, deren Gestaltung sich auch die Treppen unterwerfen, beruhigend homogen und ermöglichen trotz der riesigen Kubatur eine stimmungsvolle Atmosphäre unter den Lesesaalbesuchern.
Bildnachweis: Gerald Zugmann
Bautafel
Planung: Snohetta as, Oslo/Norwegen mit Hamza Consortium, Kairo/Ägypten
Weitere Projektbeteiligte: Christof Kapeller, Kjetil Thorsen, Craig Dykers, Mamdouh Hamza (Projktleitung); Hamza associates: Dr. Ahmed Rashed; Dr. Mansour Goneim (Statik); Multiconsult (Akustik); Warrington Fire Research (Brandschutz); Mohamed Shaker (Elektroplanung); The Arab Contractors/ Balfour Beatty Joint Venture (Generalunternehmer)
Bauherren: Republik Ägypten mit UNESCO
Standort: Alexandria, Ägypten
Planungsbeginn: 1993
Fertigstellung: 2001
Treppentyp: einläufig gerade Treppen mit seitlich geschlossenen Brüstungen