Vigilius Mountain Resort in Südtirol/I
Hotel mit Tageslichtkonzept
In den Südtiroler Bergen, unweit von Meran, realisierte der italienische Architekt Matteo Thun auf 1500 m Meereshöhe ein Hotel, das schon durch seine außergewöhnliche Lage besticht: Es ist ausschließlich zu Fuß oder über eine fast hundert Jahre alte Seilbahn zu erreichen. Das zweigeschossige Gebäude besteht vorwiegend aus Holz, Glas, Naturstein und Lehm. Es zeichnet sich sowohl durch seine anspruchsvolle Gestaltung als auch durch einen sensiblen Umgang mit Tageslicht aus. Das Hotel wurde mit dem italienischen WWF-Umweltpreis für sein Niedrigenergiekonzept sowie 2005 mit dem Holzbaupreis Vorarlberg ausgezeichnet.
35 Zimmer und 6 Suiten sind nach Osten oder Westen orientiert, so dass sie entweder vor- oder nachmittags Sonne erhalten. Halb hohe Lehmwände, die im Winter beheizt werden und im Sommer zur Kühlung dienen, unterteilen die offen gehaltenen, großzügig belichteten Räume in eine Badzone und einen Schlafbereich. Die Kunstlichtbeleuchtung erfolgt ausschließlich indirekt, da die Leuchtmittel unauffällig in Möbel oder Wände integriert wurden. Der angeschlossene Wellness-Bereich mit Sauna und Schwimmbad scheint durch seine raumhohe Panoramaverglasung eine Symbiose mit dem Außenraum einzugehen.
Tageslichtkonzept
Feststehender Sonnenschutz
Die langgestreckte, leicht gebogene Fassade ist auch vor den Hotelzimmern geschosshoch verglast, so dass der Ausblick auf die atemberaubende Berglandschaft freigegeben wird. Um die Räume dennoch vor Sonne und Überhitzung zu schützen und den Lichteinfall zu dosieren, wurden feststehende horizontale Lamellen aus heimischem Holz vor die Fassade montiert. Diese werden insbesondere in den Sommermonaten bei hohen Sonnenständen wirksam und verleihen der Gebäudeform darüber hinaus eine besondere Dynamik.
Oberlichter im Erschließungsbereich
Übliche Hotelerschließungen sind in den meisten Fällen durch lange, schmale, mit Kunstlicht belichtete Flure gekennzeichnet, an denen sich die Zimmereingänge aneinanderreihen. Im Hotel Vigilius sind sie nicht nur von ungewöhnlich großzügiger Breite, sondern zusätzlich auch mit einer gezielt eingesetzten Tageslichtbeleuchtung akzentuiert. Diese Akzente entstehen durch unterschiedlich geformte Oberlichter innerhalb des Erschließungsbereichs, die eine Unterteilung in bestimmte Raumzonen bewirken. Galerien und Durchblicke machen es möglich, dass Tageslicht bis in das Erdgeschoss einfallen kann.
Lichtdurchfluteter Speiseraum
Der aus dem Holz einer 300 Jahre alten Scheune gebaute Speisesaal wirkt durch seine Transparenz und seine natürliche Materialität ausgesprochen einladend. Das sichtbar gelassene, solide Dach- und Wandtragwerk und die dazwischen liegende großzügige Verglasung ergeben einen reizvollen Kontrast. Trotz des rustikalen, massiven Holzes wirkt der Raum leicht und lichtdurchflutet.
Bautafel
Architekten: Matteo Thun & Partner, Mailand/I
Projektbeteiligte: Merz Kaufmann Partner GmbH, Dornbirn/A, Oswald Holzner, Lana/I (Tragwerksplanung); Berker GmbH & Co. KG, Schalksmühle (Elektrische Betriebsmittel); Zumtobel Staff GmbH, Dornbirn/A (Leuchten)
Bauherren: Ulrich Ladurner; Dr. Schär GmbH, Burgstall/I
Standort: Lana, Südtirol/I
Fertigstellung: 2003
Bildnachweis: Haas-Arndt, Hannover (2, 5 und 6); Vigilius Mountain Resort in Südtirol/I (1, 3, 4 und 7)
Zum Thema
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