Umbau Speicherblock P in Hamburg
Büronutzung statt Lagerflächen
Die Hamburger Speicherstadt wurde zwischen 1885 und 1927 in drei Bauabschnitten errichtet. Der 130 m lange Speicherblock P, bestehend aus vier Häusern, entstand im zweiten Bauabschnitt von 1891 bis 1897 und steht unter Denkmalschutz. Er wurde zu einem Bürogebäude für die Hamburg Port Authority umgebaut.
Ziel der Planung war es, den Charakter des Speicherbauwerkes und die typischen konstruktiven Merkmale seiner Architektur zu bewahren und gleichzeitig eine zeitgemäße Büronutzung zu ermöglichen. Dies war aufgrund der teils niedrigen Deckenhöhen und der großen Gebäudetiefen schwierig und erforderte umfassende Eingriffe in die Gebäudestruktur; Denkmalschutz und Arbeitsstättenrichtlinien waren zusätzliche planerische Erschwernisse.
Während die Fassade des Bauwerks unverändert blieb, wurde das Gebäude im Inneren bis auf die Tragstruktur zurückgebaut und erhielt neu angelegte Lichthöfe. Durch diese fällt ab dem 2. Obergeschoss natürliches Licht in das Innere des Hauses, so dass der Anteil der künstlichen Beleuchtung verringert werden konnte.
Aufgrund des hochwassergefährdeten Standortes wurde für die Elektroinstallation im Erdgeschoss eine Sonderlösung gewählt: Die Verlegung der gesamten Leitungsführung erfolgte von der Decke aus und wurde in einer Techniksäule zusammengeführt. Dort sind Schalter, Steckdosen und Datentechnik untergebracht.
Tageslichtnutzung/Lichtkonzept
Die Anforderungen der neuen Nutzung und die für Speichergebäude typische Tiefe von 25 m machen die Belichtung zu einem Schwerpunkt: Das Tageslicht wird über drei Lichthöfe ins Gebäudeinnere geleitet; diese sind in das Gebäude eingeschnitten und 21 m hoch. Die Atrien haben eine Länge von 17 m und eine Breite von 8 m, die sich auf 4 m in der Tiefe verjüngt. Natürliches Tageslicht gelangt über die innere Glasfassade in die Bürogeschosse. Das Zusammenspiel von Atrium und Glastrennwänden im Innenraum ermöglicht eine optimale Belichtung und schafft Sichtbeziehungen über die Geschosse. Die arbeitsplatzbezogene Beleuchtung erfolgt über insgesamt 875 Stehleuchten mit drehbaren Leuchtenköpfen, die blendfreies Licht gewährleisten sollen.
Im Zuge der Umbaumaßnahmen wurden in den Bereichen der neu entstandenen Lichthöfe die alten Holzdielen entfernt und so die originale Stahlkonstruktion über vier Geschosse freigelegt. Weißer Kies auf der Bodenfläche reflektiert das durch die knapp hundert Quadratmeter große Oberlichtkonstruktion einfallende Tageslicht.
Bautafel
Projektbeteiligte: Weber Poll Ingenieurbüro für Bauwesen, Hamburg (Tragwerksplanung); TWP-Getek GmbH, Hamburg (Gebäudetechnik); Siteco Beleuchtungstechnik GmbH, Traunreut (Stehleuchten)
Bauherr: HHLA Hamburger Hafen- und Logistik-Aktiengesellschaft
Fertigstellung: 2006
Standort: Speicher Block P, Neuer Wandrahm 1-4, Hamburg
Bildnachweis: Klaus Frahm (1,3,4), Kramer Biwer Mau Architekten, Hamburg (2)