Technische Fachhochschule Wildau

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Tageslicht im Hörsaal

Die denkmalgeschützte Backsteinhalle in Wildau wurde während der Gründerzeit errichtet und diente der Fabrikation von Lokomotiven. Von Kriegen weitgehend verschont, stand sie mit ihren beiden gotisch anmutenden Giebeln als Teil eines Gebäudeensembles lange Zeit ungenutzt auf dem Wildauer Industrieareal. Vor kurzem ist die zweischiffige Doppelhalle 14 zu einem Teil der Technische Fachhochschule Wildau umgewidmet worden. Mit dem Umbau erhielt das Institut für Maschinenbau und Telematik einen Hörsaal, Labor-, Seminar- und Büroräume. Das Umgestaltungskonzept stammt aus dem Berliner Büro Anderhalten Architekten, das für seinen respektvollen Umgang mit alter Bausubstanz bekannt ist.

Um so wenig wie möglich in den Bestand eingreifen zu müssen und die bestehende Gebäudehülle nahezu unverändert erhalten zu können, setzten die Architekten ein Haus-im-Haus-Prinzip um: Die alten, ungedämmten Außenwände, einschließlich der einfachverglasten Fenster, dienen nun in erster Linie als Klimapuffer zwischen der Außenhaut und den mit einigem Abstand dazu neu eingestellten zwei- und dreigeschossigen Boxen. Dadurch konnten die Dämmwerte der Einbauten reduziert und gleichzeitig das historische Bild der Fassade unverändert erhalten bleiben. In der Zwischenzone entstand ein Erschließungsbereich mit reizvollem Kontrast zwischen der alten Werkshallenatmosphäre und der reduzierten Form der Neubauten aus Stahl und Glas. Der Eingang zur Halle wird durch einen transparenten, in einen Betonrahmen eingefassten, Windfang markiert.

Tageslichtnutzung/Lichtkonzept
Belichtung der Halle
Die natürliche Belichtung der Halle erfolgt durch eine regelmäßige Reihe von hohen Seitenfenstern im Erdgeschoss. Darüber liegende seitliche Oberlichtgaden gliedern die Fassade und sorgen für den Lichteinfall im ersten und zweiten Obergeschoss der eingebauten Boxen. Ein durchgehendes, zweiseitig geneigtes Dachoberlicht im Firstbereich der beiden Hallen war zur Belichtung der Raummitte bereits vorhanden. Durch die Bewahrung und Sanierung dieses Oberlichtes blieben sowohl der freie Blick in den Himmel als auch die gleichmäßige Belichtungssituation des großen Raumes erhalten. Dadurch können auch die neuen Büros und Labore in den Boxen mitbelichtet werden.

Büroräume und Erschließungsbereiche
Als schwierig bei der Tageslichtplanung erwies sich die Belichtungssituation der Büros im dritten Obergeschoss der Neubauten. Aufgrund ihrer räumlichen Höhenlage hätten diese über die seitlich tiefer liegenden Fenster zu wenig Tageslicht erhalten. Hier sahen die Planer eine natürliche Belichtung über den restaurierten gläsernen Dachfirst vor. Eine matt verglaste Lichtdecke in den Büros verteilt das von oben einfallende natürliche Licht gleichmäßig im Raum. Zusätzlich in die Dachschräge eingebaute Oberlichtbänder über den Galerien sorgen darüber hinaus für eine gezielte Tagesbelichtung der Erschließungsgänge, Treppen und Stegverbindungen.

Hörsaal
Der von einem großzügigen Foyer im Eingangsbereich aus zu erreichende, neue Hörsaal ist allseitig mit Glas umschlossen und gibt den Blick auf eine bunte Palette farbiger Sitzmöbel frei. Auch die Seminarräume gewähren mit ihrer Transparenz einen ungehinderten Einblick, lassen aber gleichzeitig auch einen interessanten Tageslichteinfall über die alte Gebäudehülle zu. Um Vorträge und Präsentationen zu ermöglichen bzw. bei Bedarf Sichtschutz zu gewährleisten, können die gläsernen Wände jedoch umseitig mit Stores verdunkelt werden.

Sonnenschutz
Zur Vermeidung von Überhitzung und Blendung, befinden sich Blendschutzrollos aus Screenstoffen im gläsernen Dachfirstbereich und an den seitlichen Fenstern der Neubauten, die sich mithilfe einer Fernbedienung steuern lassen. Die Glasdächer der Büros im 3. Obergeschoss, die über den First belichtet werden, können nicht zusätzlich verschattet werden. Da die Büros nur über die Halle be- und entlüftet werden, lässt sich jedoch der gläserne Dachfirst zu Lüftungszwecken und zur Vermeidung von Überhitzung öffnen.

Bautafel

Architekten: Anderhalten Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Pichler Ingenieure, Berlin (Tragwerksplanung); Ingenieurbüro Dr.-Ing. Humpal & Wonneberger, Cottbus (Heizung, Lüftung, Sanitär); BWE-Ingenieurgesellschaft, Mittenwalde (Laborplanung)
Bauherr: Land Brandenburg, Ministerium der Finanzen und Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen, Frankfurt/Oder          
Standort: 15745 Wildau
Fertigstellung: 2007
Bildnachweis: Ursula Böhmer, Berlin

Architektenprofil

Anderhalten Architekten
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