Reihenhaus in Madrid/E
Tageslicht für den Pool
Das Büro von Manuel Ocaña Arquitectos aus Madrid baute im Erdgeschoss eines kleinen, traditionellen Reihenhauses im Zentrum der Stadt einen Swimmingpool ein und ermöglichte - trotz der beengten räumlichen Verhältnisse - eine großzügige Versorgung des gesamten Gebäudes mit Tageslicht. Die Architekten rissen das Dach auf und leiteten das einzig verfügbare Licht bis zum Becken herunter.
Der Traum der Bauherrin, die von den Architekten etwas ominös als bekannte Dame aus der Welt des spanischen Theaters beschrieben wird, war es, einen eigenen Pool zu besitzen. Dieser sollte in die Struktur ihres Hauses, einem zwischen den Nachbarhäusern eingeklemmten, zweigeschossigen Reihenhäuschens, eingebettet und in möglichst viel Tageslicht getaucht werden. Keine leichte Aufgabe, bei einem Gebäude, dessen Grundfläche gerade mal acht mal acht Meter beträgt! Schnell entstand die Idee, den bisher unausgebauten Dachboden mit in das Wohn- und Lichtkonzept einzubeziehen, dass sich über alle Geschoss bis in den Keller hineinzieht.
Doch damit war noch immer nicht die Bauaufgabe gelöst, auf einer solch kleinen Grundfläche einen 20 Kubikmeter Wasser fassenden Pool zu realisieren, der Lust macht, im Liegestuhl an seinem Rand zu sitzen, hinein zu springen, zu planschen und zu tauchen. Auch rein technische Probleme waren zu bewältigen: Der Poolbereich sollte eine konstante Temperatur von 37 Grad Celsius aufweisen und erreicht damit die Luftfeuchtigkeit und das tropische Raumklima eines Gewächshauses. Doch auch diese Herausforderungen wurden gelöst: Durch gläserne Trennwände wurde der Luftraum des Poolbereichs im ersten Obergeschoss vom Wohnbereich des Hauses getrennt. Vier Maschinen kontrollieren den Nassbereich bezüglich Temperatur und Feuchtigkeit. Die Poolebene hat man wasserdicht versiegelt, indem Fußböden, Wände und Decken weiß mit einer Chloridfarbe imprägniert wurden. Auch die Stahltreppe haben die Architekten mit einem Lack versiegelt, der bei Containerschiffen verwendet wird, um ein Rosten des Stahls zu verhindern.
Das markanteste Element des Pools bildet jedoch eine Malerei in blauen Farben auf der Unterseite des Schwimmbeckens: Blaue Menschen scheinen sich in einer blauen Landschaft zu amüsieren, in der sich die Wolken spiegeln, die durch das Dachfenster auf die Wasserfläche fallen. Mit simplen Mitteln ist im unteren Geschoss so eine heitere, fast mediterran anmutende Lichtstimmung ohne jedes Gefühl von Enge oder Kellergefühl entstanden.
Tageslichtnutzung/Lichtkonzept
Die Hauptfassade des kleinen Wohnhauses zeigt gen Norden und die Südfassade ist so stark in die benachbarte Bebauung eingebunden, dass nur im oberen Geschoss sowie im Dachgeschoss die Möglichkeit bestand, die Mauern und das Dach zu öffnen, Fenster einzubauen und Tageslicht herein zu lassen. Doch durch all diese Hindernisse ließ sich der Architekt nicht entmutigen und löste die Aufgabe, in dem er ein Stück der Deckenplatte herausschnitt, um so das Obergeschoss mit dem Attikageschoss zu verbinden und das Dach an dieser Stelle so geschickt zu öffnen, das eine Art Patio mit Glasboden entsteht.
Unter der schrägen Decke des Daches befindet sich nun ein Schlafzimmer, in dessen Mitte ein Lichtschlitz geschnitten wurde, der auf drei Seiten verglast ist. So ist vielleicht der schönste Raum des Gebäudes entstanden, denn die großen Fensterflächen geben den Blick über die kleinteiligen Dächer der Altstadt Madrids frei. Auch der Boden dieses Schlitzes besteht aus einer Glasfläche, die das Licht in das darunter liegende Geschoss und weiter durch einen Geschossdeckendurchbruch bis ins Erdgeschoss und damit bis in den Pool weiterleitet. Alle Ebenen werden durch an Frachtschiffe erinnernde, schmale Wendeltreppen aus gebürstetem Stahl miteinander verbunden. (Autor: Uli Meyer, Berlin)
Bautafel
Architekten: Manuel Ocaña Arquitectos, Madrid
Bauherr: Privat
Fertigstellung: 2006
Standort: Madrid
Bildnachweis: Miguel de Guzman, Madrid