Hörsaalgebäude der Universität in Potsdam Griebnitzsee

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Lichtdurchflutete Erschließung

Die juristische, wirtschaftliche und sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam am Standort Griebnitzsee sowie das Sprachenzentrum werden durch ein neues Seminar- und Hörsaalgebäude um über 5.000 m² erweitert. Es bietet Raum für drei große und eine Reihe kleinerer Hörsäle sowie eine Mensa. Das zentrale Auditorium bietet Platz für 800 Personen und ist durch eine ausfahrbare Trennwand in zwei Säle mit je 400 Sitzplätzen teilbar.

Der Neubau ergänzt ein vorhandenes Hochschulgebäude, das von 1939 bis 1943 errichtete ehemalige Präsidialgebäudes des Deutschen Roten Kreuzes von Norbert Demmel und Emil Fahrenkamp. Mit seinem monumentalen, neoklassizistischen Äußeren ist es typisch für den nationalsozialistischen Repräsentationsstil. Die Architekten reagierten auf die steinerne Massivität mit gläserner Transparenz. Alt- und Neubau stoßen an einigen Stellen direkt aufeinander, die gegensätzlichen Fassaden korrespondieren über die große Distanz eines V-förmigen, weiten bewaldeten Innenhofs. An die Bäume, die dem Neubau weichen mussten, erinnert eine 100 m lange Reihe leichter Stahlstützen, die sich wie Mikadostäbe im Winkel von 82° gegen die Fassade lehnen.

Eine 80 m lange Achse ist zentrales Motiv des Neubaus. Sie startet im Foyer; Seminarräume und Hörsäle werden zu beiden Seiten über die Achse erschlossen. In ihrem Zentrum sind die Treppenläufe angeordnet. Die freistehenden Wände der Achse ragen über das Gebäude hinaus. Die Oberflächen im Inneren bestehen hauptsächlich aus Sichtbeton, die Außenwände sind mit Ringofenziegeln mit einer rot-violetten, rauen Oberfläche verkleidet.

Lichtkonzept
Die Hörsäle öffnen sich im Vortragsbereich zum Tageslicht, um den Blick dorthin zu lenken und Licht zum Lesen und Schreiben zu schaffen. Die Seminarräume sind nach Westen verglast und mit steuerbaren, gläsernen Sonnenschutzlamellen versehen. Diese schützen vor Überhitzung und lenken das Tageslicht bei diffuser Strahlung in die Tiefe des Raums. Innen sind Vorhänge zur Verdunklung angebracht. Der Speisesaal der Mensa ist nach Süden hin verglast. Ein Dach aus Sichtbeton schützt vor sommerlicher Sonneneinstrahlung.

Bestimmendes Element für das Kunstlicht im gesamten Gebäude ist eine schlanke, flache Langfeldleuchte. In den Hörsälen ist sie ein lineares Element der so genannten "optischen Decke", eingebunden in Alu-Lochblechsegel. Downlights differenzieren hier die Bereiche zusätzlich. In den Seminarräumen ist sie ebenfalls linear ausgerichtet und verläuft parallel zur verglasten Fassade. In den Foyers sind die Leuchten als Lichtbänder eingebaut und unterstreichen die räumlichen Strukturen. So gestalten sie auch die Decke der Mensa, in der zusätzlich flache abgerundete Hängeleuchten eine Lichtpunktebene bilden.

Bautafel

Architekten: Architekturcontor Schagemann Schulte, Potsdam
Projektbeteiligte: HJW, Leipzig (Tragwerksplanung); ZWP, Berlin (TGA); Akustik-Ingenieurbüro Dahms, Potsdam (Bau- und Raumakustik)
Bauherr: Land Brandenburg, vertreten durch BLB Brandenburgischer Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen, Potsdam
Fertigstellung: 2007
Standort: Prof.-Dr.-Helmert-Straße 2, Potsdam
Bildnachweis: Urte Schmidt, Berlin

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