Verwaltungsgebäude in Hameln

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Neubau eines Bürohauses für den Landkreis Hameln-Pyrmont

Der Entwurf für das Verwaltungsgebäude des Landkreises Hameln-Pyrmont ging als Sieger aus einem europaweiten Wettbewerb hervor und wurde im Mai 2006, nach zweijähriger Bauzeit, als Bürogebäude im Niedrigenergiestandard fertig gestellt. Die Architekten, Rainer Hascher und Sebastian Jehle aus Berlin, realisierten ein kammartiges Gebäudeensemble, bestehend aus fünf viergeschossigen Riegeln, die durch gläserne Erschließungsräume miteinander verbunden sind.

Insgesamt wurden in dem Neubau 119 Büroräume für die verschiedenen Dienststellen des Landkreises untergebracht, von denen sich die Bereiche mit dem größten Publikumsverkehr in den unteren Geschossen befinden. Darüber hinaus sind unterschiedlich große Sitzungs- und Besprechungsräume, das Landratsbüro sowie eine Cafeteria für das Personal innerhalb einer besonders akzentuierten, vollständig verglasten Gebäuderundung angeordnet. Diese zeichnet den Straßenraum nach und lockert die ansonsten strenge Reihung der Baukörper schwungvoll auf.
 
Die Fassaden des Gebäudes bestehen, je nach Himmelsrichtung und Nutzung der dahinter liegenden Räume, entweder aus Holz-Aluminium-Glaselementen, aus Stahl-Glaselementen, aus Holz-Aluminium-Fenstern oder aus vorgehängten Terrakottaplatten. Die Hofseite orientiert sich zu einem naturnah gestalteten Landschaftsraum mit zentralem Teich für Regenwasser. Die Hauptfassade an der Straßenseite sorgt durch ihre großzügige Verglasung und unterschiedlich anwendbare Sonnenschutzsysteme für einen ganzjährig hohen Tageslichtanteil.
 
Tageslicht und Sonnenschutz
Die viergeschossige, vollständig verglaste Eingangshalle ist für den Publikumsverkehr sowohl von der Hofseite als auch vom Straßenraum aus zugänglich. Durch ihre Transparenz und die daraus resultierende Belichtungssituation signalisiert sie dem Besucher Aufenthaltsqualität und Offenheit, die bei üblichen Behördenräumen oftmals fehlt. Galerien und offene Treppen machen die Erschließung der Obergeschosse überschaubar und geben den Nutzern auf einfache Weise eine Orientierungshilfe.
 
Aufgrund des hohen Verglasungsanteils der Fassaden, legten die Architekten großen Wert auf differenzierte Sonnenschutzmaßnahmen. An allen Fassadenseiten wurde bei der Planung zunächst der Jahresverlauf von Besonnung und Verschattung mittels Gebäudesimulation untersucht. Für die Büro- und Sitzungsräume sind mehrere unterschiedliche Möglichkeiten gegen Einsehbarkeit und Blendung vorgesehen. So bestehen z. B. die Brüstungsbereiche der transparenten Fassaden aus feststehenden, siebbedruckten Glaselementen, um einen gewissen Sichtschutz von außen zu gewährleisten.
 
Die Hauptfassade des Gebäudes auf der Straßenseite wird durch Stoffsegel in verschiedenen Blau- und Grüntönen von außen verschattet. Sie wurden leicht schräg an einem markanten Metallgerüst vor die Fassade montiert und sorgen für eine außergewöhnliche Gestaltung des Gebäudes. Die gleiche Farbigkeit des Sonnenschutzes wird entlang der gesamten Straßenseite fortgeführt. Auf der Hofseite wechseln sich außen liegende Aluminiumjalousien mit feststehenden, semitransparenten, weißen Glastafeln ab, die der Fassade durch ihre regelmäßige Anordnung eine Struktur geben. Überall dort im Gebäude, wo keine wirksamen Sonnenschutzmaßnahmen notwendig erschienen, verhindert Sonnenschutzglas eine mögliche Überhitzung.
 
Um einen hohen Tageslichtanteil bei gleichzeitiger Wärmereduktion zu ermöglichen, wurde eine thermische Bauteilaktivierung eingesetzt. Dabei sorgen wasserdurchströmte Rohrleitungen in den Geschossdecken für eine Kühlung des Gebäudes in den Sommermonaten. Als Kältequelle hierfür dient das Grundwasser, das über einen Brunnen entnommen wird. Darüber hinaus soll eine gezielte Nachtlüftung zur weiteren Kühlung der tagsüber aufgeladenen Speichermassen beitragen. Räume mit besonders hohem Kühlbedarf, wie z. B. EDV-Räume oder Sitzungssäle, werden im Sommer über eine Kältemaschine versorgt.

Bautafel

Architekten:  Hascher Jehle Architektur, Berlin
Projektbeteiligte: Assmann Beraten + Planen, Braunschweig (Projektsteuerung); EGS-plan Ingenieurgesellschaft für Energie-, Gebäude- und Solartechnik, Stuttgart/Braunschweig; Reiner Eilers, Hannover (Tragwerksplanung); Norbert Fisch, Braunschweig (Heizungs- und Lüftungsanlagen, Energiekonzept); Neukirchen und Schulz, Goslar (Thermische Bauteilaktivierung); Frank Leßner, Hameln (Elektroinstallation); Sylvia Hinz, Hameln (Lichttechnik); Friedmut Wolff, Hameln (Landschaftsplanung); Zacharias Haustechnik, Hameln (Klima- und Lüftungsinstallation);
Bauherr: Landkreis Hameln-Pyrmont        
Standort: Süntelstraße 9, Hameln
Fertigstellung: 2006
Bildnachweis: D. Haas-Arndt, Hannover

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