Verwaltungs- und Produktionsgebäude in Berlin

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Transparenz und Tageslicht am Arbeitsplatz

Im Wissenschafts- und Technologiepark Berlin-Adlershof wurde das Corporate Headquarter des Solarmodule-Produzenten Solon gebaut. Es besteht aus einem Verwaltungsgebäude für etwa 350 bis 400 Mitarbeiter sowie einem Produktionsareal mit unmittelbar angrenzenden weiteren Büros auf insgesamt 19.000 m² Nutzfläche. Beide Funktionsbereiche zusammen bilden einen dreieckigen Grundriss mit einer geschwungenen Rückfront und sind durch einen offenen, mit Brücken überspannten Durchgang, voneinander getrennt.

Der Anspruch des Bauherrn war ein transparentes, energiesparendes Gebäude, das über Arbeitsplätze mit optimaler Tageslichtversorgung und thermischem Raumkomfort verfügt. Die Architekten, Schulte-Frohlinde aus Berlin, planten einen dynamisch gebogenen Gebäudekomplex, der durch seine ungewöhnliche Fassaden- und Dachform sogleich ins Auge fällt. Markant ist nicht nur der Schwung des riesigen Gründaches, das sich an einem Ende fast bis ins Erdgeschoss neigt. Auch die Treppenhäuser, die - mit rostfarbenem Cortenstahl verkleidet - wie kleine Häuser aus der Dachfläche herausschauen, geben dem Gebäudekomplex eine besondere Erscheinung.

Durch ein ambitioniertes Energiekonzept unterschreitet das Verwaltungsgebäude die Anforderungen der Energieeinsparverordnung um 50 %. Die Innenräume werden über eine thermische Betonkernaktivierung in den Decken beheizt und gekühlt. Bei hohen Heizlasten im Winter kann das Gebäude mittels eines Biogas-Blockheizkraftwerkes über Unterflurkonvektoren nachgeheizt werden. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgt für die Frischluftversorgung. Das Gebäude verfügt darüber hinaus über eine der größten dachintegrierten Photovoltaikanlagen weltweit. Überall dort, wo das Dach über die Außenwände auskragt, wurden Photovoltaikelemente in die gläsernen Vordachflächen integriert. Die Außenanlagen sind durch mehrere ellipsenförmige Mulden durchgängig als Versickerungsflächen konzipiert. Das restliche Regenwasser, das nicht über die Gründachfläche verdunstet, gelangt dadurch auf natürliche Weise in das Grundwasser.

Tageslicht und Sonnenschutz
Die aus Stahl, Glas und Holz bestehende Außenhülle sorgt für eine hohe Transparenz im gesamten Gebäude, die eine optische Verzahnung der Innenräume mit der dezent gestalteten, durchgrünten Parkanlage zulässt. Mehrere unterschiedlich große und in ihrer Atmosphäre und Bepflanzung variierende, viergeschossige Atrien innerhalb des Verwaltungsgebäudes ermöglichen die Belichtung aller Büroarbeitsplätze mit Tageslicht. Die Dreifachverglasung der Fassade sorgt mit einem durchschnittlichen U-Wert von etwa 0,8 W/m²K für einen behaglichen, thermischen Komfort, auch im Winter. Zusätzlich eingesetzte Vakuumisolationspaneele mit einem U-Wert von 0,25 W/m²K reduzieren die Wärmeverluste der Glasfassade. Die relativ freie, unverbaute Lage des Standortes, ermöglicht eine im Tagesverlauf uneingeschränkte Sonneneinstrahlung, die jedoch einen hochwirksamen Sonnen- und Blendschutz unentbehrlich macht.

Der semitransparente, aus Photovoltaikmodulen bestehende Dachüberstand des Gebäudes sorgt für eine Verschattung der unmittelbar darunter liegenden Fassadenflächen bei hoch stehender Sommersonne. Insbesondere werden durch die stromerzeugenden Solarzellen jene Räume verschattet, die an der südlichen Gebäudespitze liegen, an der das gläserne Photovoltaikdach bis fast zur Erde reicht. Zusätzlich wurden außen liegende Jalousien mit 80 mm breiten Lamellen auf geschickte Weise in die Fassadenteilung integriert, sodass sie bei Nichtbenutzung hinter den horizontalen Streben verschwinden und unsichtbar bleiben. Sie werden bei Bedarf über ein Bussystem automatisch an einem Schienensystem heruntergefahren. Die Jalousien lassen sich so bedienen, dass der obere Behangteil eine Tageslichtlenkung an die reflektierende Decke ermöglicht, während sich der untere komplett schließen lässt und den Arbeitsplatz wirkungsvoll verschattet. Zusätzlich dient eine farbneutrale Sonnenschutzverglasung mit einem g-Wert von 0,32 der Reduktion des Wärmeeintrags im Sommer.

Bautafel

Architekten: Schulte-Frohlinde Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: EGS-plan Ingenieurgesellschaft für Energie-, Gebäude- und Solartechnik, Stuttgart (Energiekonzept, Gebäudetechnik); Institut für Gebäude- und Solartechnik, TU Braunschweig (Monitoring); GUD Planungsgesellschaft für Ingenieurbau, Berlin (Statik); Schlaich, Bergermann und Partner, Berlin (Prüfstatik); Halfkann und Kirchner, Berlin (Brandschutz); Büro hochC Landschaftsarchitektur, Berlin (Außenanlagen);
Bauherr:
Solon, Berlin
Fertigstellung: 2008
Standort: Im Studio 16, Berlin-Adlershof

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