Schulgebäude in Weiterstadt
Erweiterung der Astrid-Lindgren-Grundschule
Die Astrid-Lindgren-Grundschule in Weiterstadt-Braunshardt wurde ursprünglich 1951 errichtet und bestand aus einem in der Zwischenzeit gewachsenen Konglomerat von Gebäuden verschiedener Epochen. Diese wiesen keinerlei gestalterische Homogenität auf und gruppierten sich ohne erkennbaren städtebaulichen Zusammenhang auf dem Grundstück: Zwei Container-Pavillons, ein eingeschossiger Trakt im Norden und zusätzlich ein holzverschaltes, zweigeschossiges Gebäude. Die Schule sollte gestalterisch verbessert und insgesamt um vier Klassenräume, eine Cafeteria, einen EDV-Raum sowie einige Nebenräume erweitert werden.
Um eine städtebauliche Beziehung zwischen den bestehenden Gebäuden untereinander herzustellen, erschien es den Architekten Peter Karle und Ramona Buxbaum aus Darmstadt notwendig, die beiden baufällig gewordenen Pavillons zu entfernen. Außerdem sollte ein neuer Erweiterungsbau die übergeordnete Verknüpfung zwischen den verbleibenden Gebäuden herstellen. Der Neubau wurde gezielt im Mittelpunkt des Grundstücks platziert, um mit seiner markanten Gestaltung einen neuen zentralen Bezugspunkt der Schule darzustellen. Die Freiflächenplanung unterstützt das Konzept der neu geschaffenen Ordnung.
Der Entwurf des Erweiterungsbaus folgte der konzeptionellen Idee, das Gebäude „aus einem Guss“ - in diesem Fall dem Werkstoff Holz - zu errichten, um mehr Ruhe und Klarheit in die Gestaltungsvielfalt auf dem Grundstück zu bringen. Eine weitere wichtige Grundlage des Entwurfskonzeptes stellte die Funktionalität des Gebäudes für den Schulbetrieb dar. Neben den Verbesserungen, die das überschaubare innere Erschließungskonzept mit sich bringt, verfügt die Schule nun über einen zentralen Eingangshof, der von Norden erschlossen wird. Der nahezu monolithische Baukörper des Neubaus wurde als konsequenter Holzrahmenbau mit einer Vorhangfassade aus Dreischichtplatten ausgeführt. Transparente Fassadenöffnungen wechseln sich mit geschlossenen, wärmegedämmten Holzelementen ab, deren mutige Farbgebung durch eine Dickschichtlasur erfolgte.
Tageslicht und Sonnenschutz
Den Eingangsbereich des Neubaus bildet ein zweigeschossiges, weitgehend verglastes Foyer, das in Raummitte gezielt über ein Lichtband im Dachbereich mitbelichtet wird. Die aus Polycarbonat bestehende Oberlichtkuppel, die einen Kreissegmentbogen beschreibt, stellt sicher, dass der Eingangsbereich beim Eintreten besonders hell und freundlich erscheint. Der hohe Zenitlichtanteil des Oberlichtelementes sorgt insgesamt für eine Erhöhung der Tageslichtmenge, aber auch für eine gleichmäßigere Lichtverteilung im Raum. Um den Sonnenlichteinfall jedoch zu dosieren und einer möglichen Überhitzung vorzubeugen, wurde das Oberlicht mit einem außen liegenden Sonnenschutz in Form eines Aufsatzelementes versehen, das über die ganze Länge der Öffnung reicht.
Da es sich um eine Grenzbebauung handelt, orientieren sich alle neuen Räume, einschließlich der Klassenräume, einseitig nach Westen. Sie werden auf der Ostseite über innen liegende Flure erschlossen. Die Erschließungsgänge konnten demzufolge nur von oben Tageslicht erhalten. Mehrere Oberlichtkuppeln als Flurbelichtung einzusetzen erschien etwas aufwändig zu sein, so dass stattdessen mehrere kleine Lichtkamine eingesetzt wurden, die sich als sogenannte Tageslichtspots mit eingebauten Kunstlicht-Downlights ablösen. Durch das ähnliche Aussehen der beiden Lichtquellen wurde eine Beleuchtung erreicht, die homogen wirkt, sich aber zur Hälfte aus Tageslicht speist.
Der Fassadenbereich wird - zumindest im Obergeschoss - bei hoch stehender Sommersonne über einen Dachüberstand verschattet. Sowohl die Klassenräume als auch die Cafeteria können zusätzlich durch außen liegende, bewegliche Raffstores vor Blendung und Überhitzung geschützt werden, die im Erdgeschoss bei Nichtbenutzung geschickt hinter den Dreischichtplatten verborgen liegen und im Oberschoss innerhalb des auskragenden Vordachs untergebracht sind. Dreireihig angeordnete abgependelte Reflektorleuchten mit direktem und indirektem Lichtanteil, ergänzen durch ihre getrennte Schaltbarkeit gezielt die Tagesbelichtung in den Klassenräumen.
Bautafel
Architekten: Peter Karle und Ramona Buxbaum, Darmstadt
Projektbeteiligte: Ingenieurbüro Schlechter, Albstadt-Ebingen (Tragwerkplanung Holzbau); Büro für Tragwerksplanung Diether, Oppenheim (Tragwerksplanung Massivbau); Krebs und Kiefer, Darmstadt (Prüfstatik); Da-Di-Werk, Darmstadt (Haustechnik); Wisag Garten- und Landschaftspflege Hessen, Frankfurt (Außenanlagen);
Bauherr: Kreisausschuss des Landkreises Darmstadt-Dieburg
Standort: 64331 Weiterstadt-Braunshardt, Lindenstr. 2
Fertigstellung: 2008
Bildnachweis: Thomas Eicken, Mühltal