Schule in Saint-Denis/F
Wechselwirkung von Farbe und Licht
Der zweigeschossige Schulneubau befindet sich im Industriegebiet der Stadt Saint-Denis - einem Vorort im Norden von Paris - und bildet den Grundstein für die Revitalisierung des bislang ausschließlich industriell genutzten Stadtbezirks. Das Gebäude umfasst eine Grundschule, ein Freizeitzentrum sowie ein großzügiges Foyer und eine Cafeteria und wurde von dem Pariser Architekturbüro Mikou Design Studio entworfen und gebaut.
Die Konstruktion besteht aus einer tragenden Betonstruktur, als Fassade im Erdgeschoss dient allerdings eine massive, aus Backstein bestehende Wand mit Fensteröffnungen. Die Fortführung der Ziegelwand im Inneren bildet gleichzeitig die Einfassung einer gepflasterte Straße. Alle Funktionsbereiche - einschließlich eines Vorplatzes - werden über diese Orientierungshilfe miteinander verbunden. Die verwendeten glasierten Steine für die Außenhaut nehmen Bezug auf die Materialien der ortsüblichen Gebäude. Einen weiteren entscheidenden Baustein für den Entwurf bilden die verglasten Fassaden im Obergeschoss mit den darüber liegenden, weit auskragenden Dachüberständen und ihren mit Sperrholz verkleideten, farbigen Unterseiten. Auch die zahlreichen, bunt leuchtenden Sheddächer auf den ansonsten begrünten Dachflächen, verleihen der Schule eine besondere Ästhetik. Das ambitionierte Farbkonzept des Schweizer Designers Ruedi Baur setzt sich an zahlreichen Wänden und Decken der Innenräume fort.
Die Unterrichtsräume befinden sich auf zwei Ebenen, vorrangig in Nord-Süd-Ausrichtung. Sie liegen innerhalb von drei fingerartig angeordneten Gebäudeteilen mit leicht wellenförmig ausgebildeten Außenwänden. Die drei eng beieinanderliegenden Riegel werden bis an die dahinter liegenden Bahngleise geführt. Die geschützten, hofartigen Zwischenräume beherbergen Gärten und Grünräume und bilden gleichzeitig einen Lärmschutz. Auf der nördlichen und südlichen Seite des Haupttraktes wurden die Lehrerzimmer platziert. Sie sind durch eine zusätzliche Lärmschutzwand geschützt.
Tageslicht und Sonnenschutz
Der Entwurf des Schulgebäudes zeigt, welche ästhetischen Möglichkeiten sich durch den gezielten Einsatz von Licht- und Farbeffekten in der Raumgestaltung bieten. Das ästhetisch anspruchsvolle Konzept der Architekten reicht über die Zuordnung von Raumfunktionalitäten weit hinaus und verleiht dem Gebäude ein individuelles Ambiente. Durch die Wechselwirkung von Farbe und Licht, als elementarem Bestandteil des Farbkonzeptes, entsteht eine besonders freundliche Atmosphäre, die in der Mehrheit der bestehenden Schulen eher selten anzutreffen ist. Die farbigen Wand- und Deckenflächen werden durch das über die großzügigen Glasfassaden einfallende Tageslicht erst lebendig und korrespondieren mit den ebenso farbigen Unterseiten der spielerisch untereinander versetzt angeordneten Dachüberstände. Vom Klassenraum aus werden sie von den Kindern wie eine bunte Palette wahrgenommen. Da die Farben der jeweiligen Klassenräume mit den Unterseiten der dazugehörigen Dächer übereinstimmen, ermöglichen sie auch eine visuelle Orientierung und Zuordnung der Räumlichkeiten. Gleichzeitig soll der Blick über die Glasfassade in die Grünräume einen Bezug zur ebenso farbigen Natur herstellen.
Die mit Edelstahl eingedeckten, weit auskragenden Pultdächer wurden jedoch nicht nur wegen ihrer farbgebenden Wirkung eingesetzt. Sie schützen ebenso vor sommerlicher Sonneneinstrahlung, Blendung und möglichen Einblicken aus den benachbarten Hochhäusern. Die zahlreichen sheddachförmigen Oberlichter, die dem Gebäude eine eigenwillige, sägezahnartige Kontur verleihen, sorgen für einen weiteren gezielten Tageslichteinfall aus dem Osten. Da das Licht durch die Positionierung der Sheddächer auf die hintere Wand des Raumes fällt, entsteht keine Blendung im Sitzbereich. In den Klassenräumen wird durch die Sheds sowohl eine Anhebung der Beleuchtungsstärke in Raummitte und damit eine gleichmäßigere Lichtverteilung als auch eine mehrseitige, abwechslungsreiche Belichtungssituation erreicht.
Bautafel
Architekten: Mikou Design Studio, Paris/F
Projektbeteiligte: Ingerop, Courbevoie (Tragkonstruktion); Tribu, Paris (Energiekonzept); Michel Forgue, Paris (Kostenkalkulation); Ruedi Baur, Büro Integral Concept, Paris (Farbgestaltung)
Bauherr: Stadt Saint- Denis
Fertigstellung: 2009
Standort: Saint-Denis/F
Bildnachweis: Florian Kleinefenn, Paris (1 - 5); Mikou Design Studio, Paris/F (4 - 8)