Reihenhausgruppe in München

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Solarsiedlung mit Belichtungsqualitäten

Die dreigeschossige Wohnanlage liegt im nördlichen Teil des bekannten Münchener Stadtteils Schwabing, inmitten des neu bebauten ehemaligen Kasernenareals am Ackermannbogen. Sie besteht aus neun kompakten Reihenhäusern mit einer Grundfläche von jeweils 4,85 x 11 Metern und bildet mit drei weiteren Reihenhauszeilen ein gezielt Nord-Süd ausgerichtetes städtebauliches Ensemble. Das anspruchsvolle Bauvorhaben wurde vom Architekten Ingo Bucher-Beholz aus Gaienhofen und den zukünftigen Nutzern durch intensive Planungsgespräche gemeinsam entwickelt. Das Projektentwicklerteam BauZEIT Netzwerk aus Münsing, dem der Architekt angehört, übernahm die Moderation und Organisation des Ablaufes.

Das äußere Erscheinungsbild der minimalistisch gestalteten Reihenhauszeile zeichnet sich durch eine Kombination von filigranen Holz-, Glas- und Stahlelementen aus. Der klare, rechteckige Baukörper besteht aus einer Holz-Stahl-Konstruktion, die ohne tragende Wände auskommt sowie aus Brettschichtholzdecken und doppelten Wohnungstrennwänden aus Holzständerwerk. Während die Homogenität des äußeren Erscheinungsbildes allein vom Architekten festgelegt wurde und künftige Veränderungen in diesem Bereich nur mit dessen Zustimmung erfolgen dürfen, waren Grundrissaufteilung und Materialwahl innerhalb des vorgegebenen Stützenrasters von den Bewohnern frei wählbar. Die individuell gestaltbaren Innenräume fielen dementsprechend sehr unterschiedlich aus. Einige Wohneinheiten verfügen über eine große räumliche Offenheit mit Galerien und Durchblicken bis zum Dachgeschoss, andere wiederum bevorzugten klassische Grundrissaufteilungen mit mehreren Zimmern.

Das Energie-Konzept der Siedlung umfasst eine Dreischeibenverglasung mit ungewöhnlich schmalen Fensterrahmen sowie eine Wärmedämmung, mit dem das Gebäude etwa den KfW-40-Standard erreicht. Der hohe Kompaktheitsgrad des Baukörpers vermeidet unnötige Wärmeverluste über die Außenwände. Vakuumröhrenkollektoren zur Warmwasserbereitung auf dem Flachdach, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und ein zentraler Holzpelletkessel sorgen für eine entsprechend energieeffiziente Wärmeerzeugung. 
 
Tageslicht und Sonnenschutz
Die Nord-, West- und Ostseite wurden homogen mit einem horizontalen Raster aus Aluminiumlamellen verkleidet, das nur einen Teil der vorhandenen Glasflächen freigibt. Die eigentlich großen Fensteröffnungen der Westfassade werden durch die Metallhaut nicht einfach eingefasst, sondern in Brüstungshöhe und im Oberlichtbereich von dem Lamellenraster überspannt, sodass nur relativ kleine transparente Flächen übrig bleiben. Die Nordfassade besteht aus schmalen, stehenden Fenstern mit darüber gespannten Aluminiumlamellen. Dadurch ist ein wirksamer Sichtschutz zur benachbarten Hauszeile gegeben. Nach Süden öffnet sich das Gebäude mit einer reinen Glasfassade, die im Winter passive solare Gewinne erzielt und einen maximalen Tageslichteinfall ermöglicht. 

Zur sommerlichen Verschattung der Südseite dienen der alte Laubbaumbestand im Außenraum und die Begrünung der Fassade. Darüber hinaus wurden einheitlich weiße, aufrollbare Markisen am äußeren Rand der durchlaufenden Balkonebene installiert, die als Sonnen- bzw. Blendschutz für die dahinter liegenden Wohn- und Aufenthaltsbereiche dienen. Der Abstand von Sonnenschutz und Glasfassade sorgt dafür, dass im Sommer kein Hitzestau vor der Gebäudeaußenhaut entsteht. Durch den Einsatz äußerst filigraner Relinggeländer wurde eine Verringerung von Transparenz und Lichteinfall in den dahinter liegenden Wohnräumen vermieden. Die Balkone selbst bestehen aus transparenten Gitterrosten, die ebenfalls bewirken, dass der Tageslichteinfall durch die Auskragung nicht vermindert wird und dennoch eine Verschattungswirkung bei hoch stehender Sommersonne gegeben ist. Auch im Obergeschoss sorgt ein Dachvorsprung in Form eines Gitterrostes für eine sommerliche Verschattung und verhindert - zusätzlich zur Markise - eine Überhitzung der Dachräume.

Um eine in schmalen, langen Reihenhäusern übliche Dunkelzone zu vermeiden, wurde über dem mittig im Grundriss angeordneten Treppenhaus ein großzügiges Oberlicht angebracht. Durch das einfallende Zenitlicht entsteht eine deutliche Aufhellung der Gebäudemitte sowie eine wirksame Betonung der zentralen Erschließung. Die vollständig geöffnete Südseite und die geschlossene Nordfassade führen durch den Wechsel von lichtdurchfluteter Offenheit und schützenden Wandflächen zu einer interessanten innenräumlichen Situation. Mit Innenverglasungen und Fenstertüren wird darüber hinaus erreicht, dass die Räume an der Nordseite trotz ihrer relativen Geschlossenheit insgesamt genügend Tageslicht erhalten.

Bautafel

Architekten: Ingo Bucher-Beholz, Gaienhofen
Projektbeteiligte: BauZEIT Netzwerk, Münsing (Projektentwicklung); Helmut Fischer, Bad Endorf (Tragwerk); Mutter Bau, Deggenhausertal (Rohbau); Fa. Hawran-Vorholz, Geretsried (Holzbau); Michael Will Metallbau, Königsdorf (Stahlbau); Fa. Miller, Frohnloh (Flachdach); Fa. Weber, Ehingen (Fensterbau); Jakobs Heizungstechnik, Geltendorf (Heizung/Sanitär); Planwerkstatt Bauen Markus Dahl, München (Schreinerarbeiten); Humane Elektrotechnik, Degerndorf (Elektroinstallation)
Bauherr: Baugemeinschaft Solarreihenhäuser Am Ackermannbogen
Fertigstellung: 2007
Standort: Centa-Herker-Bogen 38-54, München
Bildnachweis: Eva Peter, Münsing (1, 3 - 8); D. Haas-Arndt, Hannover (2)

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