Reihenendhaus in München-Untermenzing
Sanierung eines Wohnhauses
Ein bisher eher unspektakuläres Reihenendhaus aus dem Jahr 1962, im ruhigen Münchner Stadtteil Untermenzingen, wurde nach einem Besitzerwechsel 2008 beachtenswert modernisiert und neugestaltet. Als Schwerpunkte der Umbaumaßnahmen wählten Bauherren und Architekten die Verbesserung der Energieeffizienz und der Tagesbelichtung. Die Außenwände und das Dach wurden nachträglich gedämmt, es erfolgte ein entsprechender Austausch der Fenster - alles nach den Regeln der Energieeinsparverordnung. Die gezielte Ergänzung der vorhandenen Öffnungen wurde nach Belichtungs- und Gestaltungsaspekten vorgenommen.
Die Fassaden greifen auch nach der Umgestaltung die Proportionen der Nachbarbebauung auf. Durch die Material- und Farbwahl sollte der Bautypus „Reihenhaus“ allerdings in eine moderne Formensprache übersetzt werden. Der graue Putz bildet mit den außenbündig liegenden Holz-Aluminiumfenstern eine Einheit und stellt einen Kontrast zum Grün des Gartens und der Umgebung dar. Das Aluminiumdach wiederum nimmt die Farbe der Fenster auf und umschließt nahtlos die Dachflächen mit allen Aufbauten.
Im Inneren sind - durch die Zusammenfassung von Nutzungsbereichen - großzügige Räume entstanden. Die Innenräume folgen alle einem zurückhaltenden, klaren Material- und Farbkonzept in Kombination mit hochwertigen Oberflächen: geölte, massive Eichendielen, weiß verputzte Wände und weiße Holztüren. Auch die Detaillösungen unterliegen der reduzierten Architektursprache, z. B. die Fenster im Erdgeschoss, die von innen quasi rahmenlos in der Fassade liegen oder die bündig mit der Brüstung abschließenden Heizkörper im Obergeschoss.
Tageslicht und Sonnenschutz
Das Erdgeschoss wurde zu einem durchgängigen Raum verbunden, gegliedert durch einzelne Einbauobjekte - einem offenen Kamin und einer Kochinsel - und ist bei Bedarf durch raumhohe Schiebetüren teilbar. Über Fensteröffnungen in drei Himmelsrichtungen werden zu jeder Tageszeit unterschiedliche Lichtstimmungen eingefangen. Der multifunktionale Raum öffnet sich nach Süden über großflächige, besonders schmal profilierte Glasschiebetüren in den Garten. Die durchlaufenden Eichendielen betonen die Raumgeometrie und setzen sich in der Lärchenholzterrasse fort.
Die Treppe zu den oberen Geschossebenen ist nach dem Umbau natürlich belichtet: Im Erdgeschoss erhielt sie ein großes Fenster nach Osten, welches mit der tiefen Laibung auch als Sitzfenster dienen kann. Außerdem ergänzten die Architekten ein zusätzliches Oberlicht in der Dachfläche, um die Qualität des Zenitlichtes für die Erschießung zu nutzen. Im gesamten Obergeschoss, als Nordfenster im Erdgeschoss sowie im Treppenhaus wurden besondere Wendefenster eines dänischen Herstellers eingebaut. Sie besitzen - wie auch die Glasschiebetüren im EG, die vom gleichen Hersteller stammen - extrem schmale Profile und bilden keinen Versatz zwischen Festverglasung und Öffnungsflügeln. Über seitlich angeordnete, ausfahrbare Scheren lassen sich diese Glaselemente auf ungewöhnliche Weise aufstellen und geben dabei ein Maximum an Öffnungsmöglichkeit und Lichteinfall frei.
Die Aufteilung der Sanitärräume richtete sich nach den Fenstern und Ausblicken. Im Familienbad befindet sich die Badewanne vor dem Fenster zum Garten, sodass bei Benutzung ein Ausblick ins Freie ermöglicht wird. Die Fensterlaibung ist gefliest und schließt direkt an die Oberkante der Badewanne an. In der Toilette sitzt das Handwaschbecken auf einem Holzboard und wird optisch von dem dahinter liegenden Fenster gerahmt. Die Gestaltung der Sanitärbereiche weist insgesamt starke Kontraste auf: Schwarze, glänzende Mosaikfliesen heben sich vom weißen Putz und von den weißen Sanitärgegenständen ab, die Armaturen passen sich jedoch in ihrer Farbe dem jeweiligen Hintergrund an.
Das Dachgeschoss wurde über mehrere, nebeneinander angeordnete Dachflächenfenster unterschiedlicher Größe sowohl nach Süden als auch nach Norden verglast. Das Licht fällt streifenförmig in den Raum und verändert die Atmosphäre im Laufe des Tages. Außen liegende, elektrisch zu bedienende Rollos schützen vor direkter Sonneneinstrahlung und Überhitzung. Im Bereich der Gaube ist ein zusätzliches Bad angeordnet. Auch in diesem Aspekt löst sich das Haus von den Konventionen: Die Gaube ist allseitig geschlossen und garantiert somit absolute Privatsphäre. Über ein großes, quadratisches Oberlicht im Bereich des Waschbeckens fällt das Tageslicht ins Bad und erzeugt eine kontemplative Stimmung.
Bautafel
Architekten: Neutardschneider Architekten, München
Projektbeteiligte: Langmeier, Forstinning (Rohbau); Brummer, Vogtareuth (Dacharbeiten); Reichenberger, Göggenhofen (Fenster- und Schreinerarbeiten); A&C Malersystem, München (WDVS); Högerl, Künzing (HLS); Elektro Gibson, München (Elektroinstallation); Werkhaus Raubling/Bulthaup (Küche); Raith Ofenbau, Baldham (Heizkamin); Renauer, München (Außenanlagen)
Bauherr: Red, München
Standort: Riezlerweg 28, München
Fertigstellung: 2009
Bildnachweis: Neutardschneider Architekten, München