Museum Brandhorst in München
Tageslichtoptimierte Ausstellungs- und Erschließungsräume
Das Museum Brandhorst liegt in unmittelbarer Nähe der Neuen und Alten Pinakothek in der Münchner Maxvorstadt. Es wurde eigens für die Kunstobjekte des Kunstsammlerpaars Udo und Anette Brandhorst von den Berliner Architekten Sauerbruch & Hutton konzipiert und im Mai 2009 eröffnet. Das Gebäude besteht aus einem erhöhten, im Grundriss trapezförmigen Kopfbau als Eckbebauung und einem flacheren, dem Straßenverlauf folgenden lang gestreckten Baukörper.
Die außergewöhnliche Fassade besteht aus einer Vielzahl von unterschiedlich farbig glasierten, vertikalen Keramikstangen, die dem Gebäude ein spielerisches, heiteres Äußeres verleihen. Zwischen den Stäben ist eine ebenfalls mehrfarbige Metalloberfläche zu erkennen, die mit ihrer Perforierung und den darunter liegenden Dämmplatten insbesondere zur Schallabsorption beiträgt. Abgesehen von einem schmalen, umlaufenden Fensterband in der großflächigen Fassade und dem transparenten Foyer- und Cafébereich, wirkt das Gebäude insgesamt geschlossen. Umso erstaunlicher ist es im Inneren, wie mithilfe von Umlenksystemen, Lichtfiltern und Oberlichtern ein gleichmäßiger und gedämpfter Tageslichteinfall entsteht, der auf geschickte Weise mit Kunstlicht ergänzt wird.
Die Museumsräume sind auf drei gleich großen, durchschnittlich etwa neun Meter hohen Ausstellungsebenen aufgeteilt, eine von ihnen befindet sich unterirdisch im Souterrain. Die durchgängig weißen, mit Eichenholzböden versehenen Ausstellungsflächen bieten einen unaufdringlichen Hintergrund für die Kunstwerke. Die Räume unterscheiden sich sowohl durch Geometrie und Größe als auch durch die jeweilige Tages- und Kunstlichtkonzeption. Eine einladende, großzügige Treppe ermöglicht die Erschließung aller Ebenen.
Tageslicht und Sonnenschutz
Durch ein raumhoch verglastes Foyer mit Buchladen im Erdgeschoss öffnet sich das Museum mit einladender Geste dem Publikumsverkehr. Ein unmittelbar angrenzender Cafébereich, der über eine schaufensterartige, breite Öffnungsfläche ebenfalls mit Tageslicht versorgt wird, erhält durch seinen dunklen Innenanstrich eine etwas intimere Atmosphäre als das hohe, repräsentative Foyer. Der großzügige Treppenraum, der die angrenzenden Ausstellungsebenen erschließt, ermöglicht den Tageslichteinfall über eine seitliche, mit vertikalen, transparenten Sonnenschutzlamellen verschattete Glasfläche.
Im Erdgeschoss lenken fassadenseitig montierte, ausgestellte Reflektoren über ein seitliches Oberlichtband Zenitlicht in die Ausstellungsräume. Blendung vermeidet eine unterhalb des Oberlichtes gespannte transluzente Textildecke, die für eine Streuung des darüber einfallenden Tageslichtes sorgt. Unterhalb des Stoffes angeordnete großformatige Lamellen, die im Inneren dieser Räume den oberen Raumabschluss bilden, mildern die natürlichen Lichtschwankungen auf eine museumstaugliche, gedämpfte Atmosphäre. Ergänzt werden die Tageslichtdecken bei Bedarf mittels Kunstlichtquellen, die sich nur ahnungsweise sichtbar oberhalb der Textildecke verbergen.
Das Obergeschoss beherbergt die größten Ausstellungssäle mit bis zu 450 Quadratmetern pro Raum. Sämtliche Flächen werden unmittelbar über Oberlichter tagesbelichtet und sind mit transluzenten, abgehängten Decken zur Lichtstreuung ausgestattet. Die dadurch entstehende Lichtverteilung sorgt für exzellente Sehbedingungen und eine optimale Farbwiedergabe. In einem eigens hierfür angefertigten, polygonal begrenzten Raum wird der 2001 entstandene Lepanto-Zyklus des Künstlers Cy Twombly in Form von zwölf großformatigen Bildern in einprägsamer Weise präsentiert.
Eine unterirdische Auskragung des Baukörpers - sie stellt gleichzeitig eine seitliche Erweiterung des Grundrisses dar - ermöglicht die problemlose Belichtung des zentralen Ausstellungsraums im Souterrain. Über Gitterroste fällt Tageslicht von oben in den Raum. Innenseitig angeordnete Lamellen dämpfen auch hier den wechselnden, natürlichen Lichteinfall und sorgen für gleichmäßige Lichtverhältnisse. Alle auf dieser Ebene anschließenden Ausstellungsräume wurden aus konservatorischen und ausstellungstechnischen Gründen ausschließlich mit Kunstlicht belichtet oder sogar als Blackbox ausgebildet.
Die gezielte Nutzung des Tageslichtes ist während einer Dauer von etwa 50 bis 75 % der Öffnungszeiten des Museums möglich. Dadurch werden nicht nur ideale Sehbedingungen geschaffen, es kann darüber hinaus ein hoher Anteil der Betriebskosten für elektrischen Strom eingespart werden.
Bautafel
Architekten: Matthias Sauerbruch & Louisa Hutton, Berlin
Projektbeteiligte: Staatliches Bauamt der Stadt München (Projektleitung); Arup Lighting, London (Tageslichtplanung); Ingenieurbüro Fink, Berlin (Tragkonstruktion); Ingenieurbüro Ottitsch, München (Lüftung/Sanitär/Heizung); Zibell, Willner und Partner, München (Elektroinstallation);
Bauherr: Freistaat Bayern; Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
Fertigstellung: Mai 2009
Standort: Türkenstraße/Ecke Theresienstraße, München
Bildnachweis: D. Haas-Arndt, Hannover
Surftipps
www.baunetzwissen.de/Heizung > Museum Brandhorst in München
www.museum-brandhorst.de