Villa Vauban Musée d’Art de la Ville in Luxemburg

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |

Tageslichtsystem mit integriertem Sonnenschutz

Die Villa Vauban in Luxemburg, in der bereits seit  1960 die Galerie municipale de peinture untergebracht ist, wurde innerhalb der letzten sechs Jahre aufwändig saniert und um einen Anbau erweitert. Der 140 Jahre alte, historisch wertvolle Altbau mit seiner neoklassizistischen Fassade erhielt dadurch ein modernes Pendant und eine dreimal so große Ausstellungsfläche. Das Architektenbüro, Diane Heirend & Philippe Schmit Architectes aus Luxemburg, suchte nach einer harmonischen, aber auch kontrastreichen gestalterischen Verbindung der beiden Gebäude und realisierte einen kubistischen Baukörper als Erweiterungsbau. Im Mai 2010 wurde das Gebäudeensemble, mit über 1.000 m² Ausstellungsfläche auf drei Ebenen und einem Foyer, als Musée d’Art de la Ville de Luxembourg, wiedereröffnet.

Da der Anbau zum Teil unterirdisch angelegt wurde, schließt er sich aufgrund seiner geringen sichtbaren Höhe, dezent proportioniert an die Gründerzeitvilla an. Die mit großzügigen Durchbrüchen versehene Lochblechfassade aus changierendem Rotmessing und die aufgefalteten Dachflächen sorgen für eine spannungsreiche Interaktion mit der Stuckfassade und dem geometrisch einfachen Baukörper des historischen Gebäudes. Eine schräg auskragende Deckenscheibe betont und beschattet den Haupteingang des Museums. Treppen und Erschließungswege in den beiden Untergeschossen des Neubaus werden von einer alten Festungsmauer flankiert, die als historisch bedeutsam von den Architekten in die Planung integriert wurde.

Tageslicht und Sonnenschutz
Die aus mehreren Ausstellungssälen, Galerien, Passagen und Treppen bestehende Aufteilung des Grundrisses, wird über gezielt angeordnete Dachoberlichter und seitliche Fensterbänder mit Tageslicht versorgt. Die in das leicht schräge Dach integrierten Oberlichter blenden durch eine nach Süden ausgerichtete Prismeneinlage das direkte Sonnenlicht aus und sorgen für eine Versorgung mit blendfreiem Tageslicht. Die Verteilung des Lichtes an die Bilderwände wird zusätzlich unterstützt durch eine unterseitig an den konisch ausgeformten Oberlichtraum befestigte Diffusormembran. Die auf einen Aluminiumrahmen gespannte Membran soll die besten Sehbedingungen für das Erleben der Kunst ergeben.

Die rötliche, transluzente Lochblechfassade verleiht dem Neubau eine ungewöhnliche Ästhetik und bietet tagsüber Sonnenschutz in den Erschließungsräumen und Galeriezonen. Mehrere größere Einschnitte erlauben eine Aussicht in den angrenzenden Park. Die Ausstellungsräume hingegen sind introvertiert und erhalten Tageslicht ausschließlich über die oben genannten Oberlichter. Die perforierte Fläche besteht aus unterschiedlichen Schichtfolgen: die geschlossene Wandfläche, die mit Lochblech verkleidet wurde, die Verglasung mit satiniertem Glas und davor befestigter Lochblechfassade und die offene Verglasung ohne Sonnen- und Sichtschutz. Die Kombination aus Lochblech und Verglasung vermindert zwar den Tageslichteinfall, lässt die Räume in Teilbereichen jedoch angenehm introvertiert erscheinen. Bei abendlicher künstlicher Beleuchtung kehrt sich dieser Effekt um und die Räume wirken transparent und einsehbar.

In die Ausstellungsräume im Obergeschoss des Erweiterungsbaus fällt das Tageslicht über großflächig gespannte Lichtdecken von oben ein und wird bei Bedarf durch Kunstlicht ergänzt. Die dadurch entstehende diffuse Beleuchtung sorgt für blendfreie Sehbedingungen beim Betrachten der Ausstellungsstücke. Eine umlaufende Stromschiene am Rand der Lichtdecke nimmt zusätzlich Strahler auf, um besondere Lichtakzente setzen zu können. Im Untergeschoss wurden ebenfalls Lichtdecken vorgesehen, die jedoch aufgrund ihrer Lage ausschließlich mit Kunstlicht gespeist werden können. In den Treppenräumen und im Foyer werden die Texturen der verschiedenen Wandmaterialien  - aufgerauter Sichtbeton, weißer Feinputz  - durch die gerichtete Beleuchtung der Strahler gezielt sichtbar gemacht.

Anders als im Neubau stehen in der Villa unterschiedliche Ausstellungsräume zur Verfügung, die sich jedoch alle im Stil der Gründerzeit präsentieren: Parkettböden, weiße Deckenflächen, die zum Teil mit Stuckornamenten verziert sind und farbige Wände. Lineare Kunstlichtelemente sowie zwei kronleuchterähnliche „Lichtbroschen“, die den Raum über die Stuckdecke indirekt belichten, ergänzen den Tageslichteinfall über die seitlichen Fenster. Eine Verdunklung ist über mehrlagige, weiße Vorhänge möglich, in die eine dunkle Stofflage integriert wurde.

Bautafel

Architekten: Diane Heirend & Philippe Schmit Architectes, Luxembourg
Projektbeteiligte: Licht Kunst Licht, Bonn (Tages- und Kunstlichtplanung); Rache Engineering, Aachen (Fassade); Schroeder & Associés, Luxembourg (Projektleitung); T6 – Ney & Partner, Luxembourg (Statik); Goblet Lavandier & Associés Ingénieurs-Conseils, Luxembourg (E.-Planung); Muller et Fils, Luxembourg (Elektriker).
Bauherr: Ville de Luxembourg
Fertigstellung: 2010
Standort: 18 Rue Emile Reuter, 2090 Luxembourg

Standort in Google Maps anzeigen