Labor- und Institutsgebäude in Freiburg
Strikte Trennung nach Himmelsrichtung und Nutzung
Das Institut für Pathologie in Freiburg befand sich bisher in einem 1944 zerstörten und danach wieder aufgebauten Altbau. Da der Bestandsbau nicht mehr zeitgemäß erschien, war für den geplanten Neubau auf dem Universitätsgelände eine möglichst flexible Gebäudestruktur gefordert, die neben den benötigten Labor- und Büroräumen auch multifunktionale Hörsäle, Seminarräume und eine Bibliothek aufnehmen konnte. Das neue Labor- und Institutsgebäude ist das erste von insgesamt sechs, deren Realisierungen bevorstehen oder die mittlerweile bereits umgesetzt worden sind.
Der städtebauliche Entwurf des Freiburger Büros hotz + architekten sah vor, dass sich alle Gebäuderiegel zweireihig um eine zentrale Achse gruppieren, aber jedes Gebäude als Einzelbaukörper erkennbar bleibt. Das viergeschossige Institutsgebäude für Pathologie, als Teil dieses Ensembles, besteht aus zwei Gebäudeteilen, die sich in Fassade und Struktur grundlegend unterscheiden: Auf der Nordostseite befinden sich die hochinstallierten Labore und auf der Südwestseite die Büro- und Seminarräume. Beide Gebäudetrakte werden strikt durch einen zwei Meter breiten Erschließungsflur voneinander getrennt, von dem aus sowohl die Foyerzone als auch die Warte- und Ausstellungsbereiche einsehbar sind.
Tageslicht und Sonnenschutz
Der Laborbereich, für den konstante Raumtemperaturen unverzichtbar sind, wurde mit einer streng gegliederten, dem Laborraster angepassten Fassade an die nordöstliche Straßenseite gelegt. Dadurch kann eine sommerliche Überhitzung der Räume vermieden und deren Kühllast minimiert werden. Darüber hinaus wird durch die Ausrichtung der Labore eine gleichmäßige Tageslichtversorgung ohne Blendung gewährleistet.
Die quadratischen, raumhohen Fassadenmodule setzen sich aus festverglasten, undurchsichtigen Sandwichelementen und zu etwa einem Drittel aus durchsichtigen Glasflächen mit Öffnungsflügeln zusammen. Die Verglasung wurde aus Sonnen- und Sichtschutzgründen im Siebdruckverfahren mit türkisblauen Punkten bedruckt, so dass von außen lediglich Konturen des Innenraums zu erkennen sind, von innen aber nahezu ungehindert hinaus gesehen werden kann.
Die Bürozone liegt an der Parkseite nach Südwesten und ist nahezu vollständig verglast. Durch die Lage direkt am Landschaftspark der Universitätsklinik, die einen angenehmen Ausblick bietet, werden Teile der Bürofassade zu bestimmten Jahres- oder Tageszeiten von den Bäumen des Parks verschattet. Darüber hinaus wurde vor die Glasfassade als natürlicher Sonnenschutz ein Stahlgerüst gestellt, an dem eine Fassadenbegrünung empor rankt. Zusätzlich wurden Sonnenschutzlamellen mit Tageslichtlenkfunktion im Oberlichtbereich der seitlichen Fenster angebracht, die dafür sorgen, dass auch tiefere Raumzonen gleichmäßig mit Tageslicht versorgt werden. Eine Arbeitsplatzbeleuchtung kann bei Bedarf individuell hinzugeschaltet werden.
Ein ausgeglichenes Raumklima wird innerhalb der Sommermonate in den Büro- und Seminarräumen mittels einer Nachtauskühlung unterstützt, die dafür sorgt, dass sich die tagsüber aufgeheizten Gebäudemassen nachts wieder entladen. Die Fassade ist so konzipiert, dass Lüftungsklappen nachts geöffnet bleiben können. Auf abgehängte Decken wurde aufgrund der für die Nachtauskühlung notwendigen Speichermasse in den Räumen an der Südwestfassade verzichtet.
Die verglasten Treppenräume werden durch Sonnenschutzglas und über die Verschattung durch das Rankgerüst vor einer möglichen Überhitzung geschützt. Die Innenwände des Erschließungsbereiches sind von dem Salzburger Künstler Konrad Winter farbig gestaltet worden.
Bautafel
Architekten: hotz + architekten, Freiburg
Projektbeteiligte: Kienzler + Kunzelmann, Freiburg (Tragwerk); Renschler + Riedesser, Filderstadt (Gebäudetechnik); Müller & Bleher, Radolfzell (Elektroinstallation); Stahl + Weiß, Freiburg (Energiekonzept); Volker Harbauer, Emmendingen (Freianlagen)
Bauherr: Land Baden-Württemberg, Universitätsbauamt Freiburg
Standort: Freiburg, Breisacher Str. 115a
Fertigstellung: 2006
Bildnachweis: D. Haas-Arndt, Hannover (1, 2, 4 - 7); hotz + architekten, Freiburg (3, 8 - 14)