Kulturzentrum in Santa Cruz de Tenerife/E
Eindrucksvoller Lichteinfall
Das multifunktionale Kunst- und Kulturzentrum Tenerife Espacio de las Artes (TEA) liegt an einem Hang am Rande der Altstadt von Santa Cruz, dem Hauptort der kanarischen Insel Teneriffa. Die Anforderungen an den Entwurf beinhalteten die Zugänglichkeit und Nutzbarmachung eines unmittelbar angrenzenden Flussufers, des Barranco de Santos, sowie die reizvolle Unterbringung gebündelter kultureller Funktionen, wie Kunstmuseum, Hörsaal, Bibliothek, Kino, Café und Museumsshop. Das auf außergewöhnliche Weise realisierte Gebäudeensemble sollte einen neuen öffentlichen Anziehungspunkt zwischen der Altstadt und den neueren Stadtteilen darstellen.
Die Stadt Santa Cruz setzt sich im Wesentlichen aus einer heterogenen Mischung von Hochhauskomplexen, Kolonialbauten, Jugendstilgebäuden, Bauten der Moderne und erwähnenswerten Einzelobjekten des Baumeisters Santiago Calatrava, wie z. B. das spektakuläre Auditorium am Hafen, zusammen. Die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron aus der Schweiz sowie der ortsansässige Architekt Virgilio Gutiérrez, knüpften mit ihrem Entwurf eher an die landschaftliche Charakteristik Teneriffas als an die vorhandene Architektur der Stadt an. Als Baumaterial für die Fassade verwendeten sie anthrazit gefärbten Beton, der sogleich an die erstarrte Lavamasse des Inselvulkans Teide oder auch an die schwarzsandigen, felsigen Strände von Teneriffa erinnert und das Gebäude sehr erdverbunden und ursprünglich erscheinen lässt.
Der Grundriss des 160 Meter langen und an der höchsten Stelle 65 Meter hohen Gebäudes setzt sich aus geometrischen Formen, vorwiegend aus Dreiecken und Rechtecken zusammen und wird diagonal mit einer Rampe bzw. von der anderen Seite über einen dreieckigen Hof erschlossen. Im Hofbereich liegt der Haupteingang zum zweigeschossigen Museum, in dem sich das Instituto Oscar Domínguez mit Werken des kanarischen Künstlers sowie das Centro de Fotografia Isla de Tenerife befindet, in dem aber auch zeitgenössische Kunst in Form von Wanderausstellungen präsentiert wird. Auf dem Weg dorthin bieten sich durch eine Glasfassade eindrucksvolle Einblicke in die tiefer liegenden Bibliotheksräume. Von den Leseräumen aus gesehen, wird die Hof begrenzende Glasfassade zum seitlichen Oberlicht, da sie nur eingeschossig ist, die Leseräume jedoch eine wesentlich größere Raumhöhe aufweisen. Café und Bibliothek werden von der Rampe aus erschlossen.
Tageslicht und Sonnenschutz
Von der Uferzone des Barranco de Santos aus stellt sich das Gebäude als lang gestreckter, schwarzgrauer Baukörper dar, dessen massige Geschlossenheit bei näherem Hinsehen von zahllosen kleinen gläsernen Öffnungen mit abgerundeten Ecken unterbrochen wird. Die unterschiedlich variierten Formen und Ausbildungen der Glaselemente, die in die massiven Wände wie gläserne Steine eingelassen wurden, wiederholen sich an allen äußeren Längsfassaden und bestimmen damit das ungewöhnliche Erscheinungsbild sowie den dynamischen Lichteinfall im Gebäude mit.
Besonders spektakulär wirken die fassadenintegrierten Glasgebilde in den Innenräumen. Wie punktuelle Lichtelemente lassen sie das Tageslicht in die großräumige Bibliothek, aber auch in die Museumsräume einfallen und erinnern an spiegelnde Lichtreflexe auf dem Meer. Dennoch erzeugen sie eine gerade hier erwünschte Introvertiertheit des Raumes, da sie weit weniger einsehbar sind als übliche Fensteröffnungen oder gar Glasfassaden. Großflächige seitliche Oberlichtfenster zur Hofseite unterstützen in der Bibliothek durch ihre hohe Anordnung den Sichtschutzeffekt und ermöglichen einen Lichteinfall aus mehreren Himmelsrichtungen. Aus dem Dach des Gebäudes ragen von Weitem sichtbare, quadratische Lichtkanonen hervor, die mit dem eingefangenen Zenitlicht sowohl die im Obergeschoss liegenden Räume des Museums als auch einen Teil des Lesebereichs der Bibliothek auf eindrückliche Weise blendfrei von oben belichten.
Sowohl durch ihre tiefe Lage am Hang als auch die geschickt platzierten Tageslichtöffnungen erhalten die Innenräume insgesamt sehr vielseitige Lichtverhältnisse in den einzelnen Raumzonen, die auch in der Atmosphäre des Raumes spürbar werden. Schwarz bis dunkelgrau gestrichene Decken, in Kombination mit weißen Wänden und Regalen, bilden einen starken Kontrast, der in Verbindung mit den unterschiedlichen Lichtsituationen einen ausgesprochen spannungsreichen Raum herstellt. Dennoch kommt es zu keiner Blendungsproblematik, da das Licht hauptsächlich im oberen Bereich des Raumes eintritt und auf diese Weise nicht in das Blickfeld der Schauenden oder Lesenden gerät. Auch lässt sich der Hof, über den das meiste Licht in die Bibliothek einfällt, mit einem an Seilen aufgehängten, waagerechten Sonnenschutzsystem verschatten.
Während die Hauptverkehrsstraße auf einem höheren Niveau an der Bibliothek vorbeiführt, liegen die Lesebereiche - lärmgeschützt durch eine hohe bewachsene, siebbedruckte Wand - weitaus tiefer. Durch diese grabenartige Souterrainlage im Untergeschoss werden die Straße und der Verkehrslärm nicht mehr wahrgenommen. Die Belichtung der straßenseitigen Räume erfolgt wiederum über Oberlichter, die in ein weit auskragendes Vordach eingeschnitten wurden. Die vielen möglichen Durchblicke im gesamten Gebäude, z. B. in das Café, die Bibliothek oder den großen Lichthof, sowie die zahlreichen phantasievollen Maßnahmen zur Optimierung des Tageslichteinfalls verschaffen dem Gebäudeensemble ein insgesamt eindrucksvolles Ambiente.
Bautafel
Architekten: Jaques Herzog und Pierre de Meuron, Basel/CH, Virgilio Gutiérrez, Teneriffa/E
Projektbeteiligte: Astrid Peissard, Benito Blanco Avellano, Luis Jàtiva Quiroga, Alexander Franz (Projektbetreuung/Bauleitung); Dionisio Castro Perez, Martinez Segovia Pallas y Asociados, Madrid/E (Tragkonstruktion); Techne Ingieneria, Santa Cruz de Tenerife/E (Heizung, Lüftung, Elektroinstallation); Estudi Acústic Higini Arau, Barcelona/E (Akustik); Ove Arup, London/GB (Beleuchtungsberatung)
Bauherr: Cabildo Insular de Tenerife, Santa Cruz de Tenerife/E
Fertigstellung: 2008
Standort: Avenida de San Sebastian 10, Santa Cruz de Tenerife
Bildnachweis: D. Haas-Arndt, Hannover
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