Kulturzentrum in Dettelbach

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Facettenreiches Lichtkonzept

Dettelbach ist eine landschaftlich reizvoll gelegene fränkische Winzerstadt in der Nähe des Mains. Das innerhalb des historisch bedeutenden Ortskerns, zwischen Rathaus und Pfarrkirche errichtete Kultur- und Kommunikationszentrum (KuK) verbindet die vorhandene alte Bausubstanz mit der zeitgenössischen Architektur eines Neubaus. Der neue Gebäudekomplex besteht aus dem eher geschlossenen „Steinhaus“ und dem transparenten „Glashaus“ und grenzt unmittelbar an ein spätgotisches Fachwerkhaus aus dem Jahr 1478 sowie an ein ehemaliges Silogebäude an. Der Entwurf, der die beiden Altbauten in das Grundriss- und Nutzungskonzept einbindet, ging aus einem europaweit ausgelobten Wettbewerb hervor, der zugunsten der Stuttgarter Architekten Sibylle Käppel-Klieber und Götz Klieber entschieden wurde.

Der langgestreckte, rechteckige Baukörper des Steinhauses steht inmitten der vielfältigen Stilepochen der Dettelbacher Altstadt auf dem Grundstück einer ehemaligen Mühle, deren giebelständige Ausrichtung zum Platz durch den Neubau wieder aufgenommen wurde. Die Gestaltung des Steinhauses orientiert sich durch das Fassadenmaterial am ortsüblichen Muschelkalk, der auch zum Teil als Straßenbelag vorzufinden ist. Vor dem Gebäude wurde ein repräsentativer, trapezförmiger Platz angelegt, der die zentrale Bedeutung des Bürgerforums unterstreichen und den Blick auf den benachbarten Rathausgiebel freihalten soll.

Das KuK beherbergt verschiedene Funktionen: Das Forum „Stadt und Region”, die städtische Touristeninformation sowie eine Vinothek befinden sich im Steinhaus. Das angrenzende Fachwerkhaus, im Volksmund „Baumannshaus“ genannt, ist mit dem Neubau räumlich verwoben und beherbergt Teile des Museums Pilger und Wallfahrer. Das ehemalige Silogebäude - unmittelbar mit dem Glashaus verbunden - wurde zu einer Stadtbibliothek und Mediathek umgestaltet: Mehrere offene, auf Stahlstützen in die Umfassungswände des ehemaligen Getreidespeichers eingestellte, Ebenen ermöglichen eine Sichtbeziehung zu den verschiedenen Leseemporen. Besondere Lesehöhlen und zusätzlich eingestellte Leselounges dienen dem Rückzug zum ungestörten Lesen.

Tageslicht und Sonnenschutz
Das Foyer des Gebäudeensembles dient als eine Art Erweiterung des Marktplatzes und soll durch seine hohe Transparenz Offenheit signalisieren. Während die Ganzglasfassade unterhalb des Steinhauses aus oben und unten eingespanntem Glas besteht, handelt es sich bei der Fassade des Glashauses um eine Pfosten-Riegel-Konstruktion. Diese Glasfassade ist im Innenraum mit horizontalen Holzlamellen untergliedert, die als Regalfläche und Buchablage dienen und sowohl Sicht- als auch Sonnenschutz bieten. Die Fassade auf der Südseite wurde aus Sonnenschutzgründen mit einer zu 50 % bedruckten Verglasung versehen. Alls Fassadenöffnungen der angrenzenden Altbauten sind in ihrer ursprünglichen Größe belassen worden. Durch die enge, innerstädtische Gassensituation erwies sich ein zusätzlicher Sonnenschutz als nicht notwendig.

Große Lichtöffnungen im Neubau ermöglichen den ungestörten Blick auf das Rathaus und die historische Umgebungsbebauung. Ein geschossübergreifendes, in die Natursteinfassade des Steinhauses integriertes Lamellenfenster auf der Südseite bewirkt durch seine sturzfreie Höhe eine gute Tageslichtausleuchtung auch in die Raumtiefe sowie eine gleichzeitige Be- und Entlüftung der Ausstellungsräume. Die horizontalen Lamellen lassen sich von zentraler Stelle aus über die Gebäudeautomation sowohl öffnen als auch schließen und dienen gleichzeitig als Rauch-Wärme-Abzug im Brandfall.

Das Glashaus und die Vinothek werden zum Teil von oben über ein Glasdach belichtet. Um eine mögliche Überhitzung zu vermeiden, wurde eine feststehende Metallkonstruktion aus Aluminium-Rechteckprofilen oberhalb der Glasfläche auf die Unterkonstruktion aufgesteckt, die für eine Minderung des Sonneneintrags sorgt. Da die Seitenfenster der Vinothek lediglich den unmittelbaren Ausblick auf eine benachbarte, geschlossene Wand freigeben, wurden sie von innen mit einer transparenten, farbigen Folie beklebt, die für einen Lichteinfall in sonnigen Grün- und Gelbtönen sorgt und die Sichtmöglichkeit nach außen verringert. Ein von Wand zu Wand gespanntes Stahlregal sorgt mit dekorativen, farbigen Flaschen für die Gestaltung des raumhohen Fensters.

Kunstlicht
Auch das Kunstlichtkonzept sieht einige gestalterische Finessen im Gebäude vor: Im Eingangsbereich wirkt ein Podest durch einen eingebauten Kunstlichtstreifen nahezu schwebend. Den Treppenstufen wurde ebenfalls durch eine integrierte Beleuchtung zu einer besonderen Leichtigkeit verholfen. Oberhalb des Eingangstresens leuchtet ein dekorativer Sternenhimmel, der aus einer Vielzahl von lichtemittierenden Dioden (LED) besteht.

In der Vinothek befindet sich eine Wand mit liegend eingebauten Plastikweinkühlern, die wirkungsvoll mit lichtemittierenden Dioden hinterleuchtet werden. Die Farbe der Beleuchtung ist je nach gewünschter Stimmung wählbar. Effektvoll beleuchtete Vitrinen unterstützen das Kunstlichtkonzept, darüber hinaus wurden in die Zwischenräume der mit einer Holzlattenkonstruktion verkleidete Decke dezente Langfeldleuchten integriert.

Bautafel

Architekten: Sibylle Käppel-Klieber, Götz Klieber, Stuttgart
Projektbeteiligte: Armin Meyer-Deyle, Crailsheim-Triensbach (Bauleitung Steinhaus/Silo); Böhm & Kuhn, Iphofen (Bauleitung Baumannsches Haus, SiGe-Koordination); Ingenieurgesellschaft Ulm, Erlangen (Brandschutz); Ing.-Büro Mittnacht, Würzburg (Tragwerksplanung, Statik); Ing.-Büro Durner, Würzburg (Haustechnikplanung, Elektroinstallation); Ing.-Büro Sattes, Seinsheim (Haustechnikplanung, WBR, GWA, GLT, ELT); Ing.-Büro Gerlinger & Merkle, Schorndorf (Bauphysik)
Bauherr: Stadt Dettelbach
Standort: Rathausplatz, Dettelbach
Fertigstellung: 2008
Bildnachweis: G. Schadel, Dettelbach (1, 3, 6, 9); H. Eichler, Dettelbach (2, 4, 5, 8); M. Weikert, Dettelbach (7)

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