Kindertagesstätte in Hannover

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Sanierung eines Prototyps der siebziger Jahre

Anfang der siebziger Jahre wurden im Stadtgebiet Hannover siebzehn etwa baugleiche Kindertagesstätten realisiert. Sie haben alle, aufgrund ihres Alters sowie einiger damals eingebauter schadstoffbelasteter Materialien, einen mittlerweile sanierungsbedürftigen Status erreicht. Auch der winterliche und sommerliche Wärmeschutz der meist zweigeschossigen Gebäude ist für heutige Verhältnisse unzureichend, sodass auch hinsichtlich des energetischen Zustands der Räumlichkeiten akuter Handlungsbedarf besteht. Die Systembauten zeichnen sich durch eine Vielzahl von Oberlichtkuppeln aus, die auch in den zum Teil hohen Raumtiefen eine besonders gleichmäßige Tagesbelichtung erreichen. Das von oben einfallende Tageslicht betont bestimmte Zonen wesentlich wirksamer als eine Seitenbefensterung und ermöglicht eine differenzierte Wahrnehmung der Innenräume.
 
Bei der Kindertagesstätte in der Plathnerstraße handelt es sich um einen dieser Systembauten. Er besteht, wie alle anderen Kindertagesstätten dieses Typs, aus raumhohen Porenbetonfertigteilen mit einem in Stahl- und Holzskelettbauweise aufgesetztem Obergeschoss und einem Flachdach. Das Gebäude wurde 2009 von den Architekten Michael Wagner und Hindrik Vorrink aus Hannover energetisch und bautechnisch saniert. Ziel der beiden Architekten war u. a., die während der Planungszeit gültige Energieeinsparverordnung um etwa 30 % zu übertreffen, um ein zukunftsfähiges Gebäude zu erhalten.

Die wärmetechnische Sanierung umfasste das Aufbringen eines 16 cm starken Wärmedämmverbundsystems auf die vorhandenen Porenbetonwände sowie den Einbau einer wärmebrückenfreien Gefälledämmung im Bereich des Flachdaches. Da der zweite Rettungsweg im Obergeschoss nicht mehr den Anforderungen der Feuerwehr genügte und ein erheblicher Aufwand notwendig gewesen wäre, ihn entsprechend der Vorschriften nachzurüsten, sah das Sanierungskonzept der beiden Architekten vor, das Obergeschoss zurückzubauen und stattdessen einen östlich angegliederten Erweiterungsbau im Erdgeschoss vorzusehen. Dies ermöglichte eine barrierefreie Erschließung aller Bereiche und erlaubte die Bereitstellung des zusätzlich bestehenden Raumbedarfs für eine Gruppe von Kleinstkindern. Der bestehende Mehrzweckraum wurde mit einem hoch wärmegedämmten Pultdach (28 cm) überdeckt, das sich bis über den Erweiterungsbau erstreckt. 
 
Tageslicht und Sonnenschutz
Die Besonderheit und tageslichttechnische Qualität des sanierten Prototyps liegt insbesondere in der Belichtung der großen Raumtiefen durch eine beträchtliche Anzahl von rechteckigen, lichtstreuenden Einzeloberlichtern. Das einfallende Zenitlicht und die Reihung der Lichtkuppeln sorgen dafür, dass auch Räume von der gleichmäßigen Beleuchtungsstärkeverteilung profitieren, die aufgrund der ungünstigen Geometrie des Grundrisses sonst keine natürliche Belichtung erfahren würden. Selbst innen liegende Sanitärräume erhalten auf diese Weise Tageslicht. Bei guten Lichtverhältnissen können durch Oberlichter Beleuchtungsstärken im Gebäude erreicht werden, die weit über denen des Kunstlichtes liegen, sodass während der täglichen Nutzungszeit weitgehend auf die Zuschaltung von Kunstlicht verzichtet werden kann. Im gesamten Gebäude wurde durch den Einsatz hocheffizienter Leuchtmittel der Strombedarf für die Beleuchtung um etwa 10 % gesenkt.

Häufig werden die Oberlichter der Systembauten im Zuge einer Sanierung unsensibel beseitigt, obwohl sie dieser schlichten Bauweise der siebziger Jahre erst einen besonderen Wert verleihen. Da sie aufgrund ihres Wartungs- und Unterhaltungsaufwandes Mehrkosten verursachen, spielt der wirtschaftliche Aspekt oftmals eine größere Rolle als der Erhalt des sinnvollen und darüber hinaus energiesparenden Tageslichteinfalls. Die Architekten Wagner und Vorrink, die mehrere dieser Prototypen sanierten, setzten sich entschieden für die Erhaltung der Oberlichter ein und erhielten damit ein angenehm belichtetes Gebäude mit hoher Tageslichtautonomie. Das Pultdach des neuen Erweiterungsbaus ergänzt den Lichteinfall von oben durch ein Seitenoberlicht auf ganzer Breite. Ein weiterer Gruppenraum der Kindertagesstätte wird durch ein großes Übereckfenster von zwei Himmelsrichtungen belichtet und bietet Ausblick in den Gartenbereich.

Die Transparenz und Lichtverteilung innerhalb des Gebäudes wird auch dadurch hergestellt, dass zahlreiche Raumzonen durch Glastrennwände unterteilt sind. Dies ermöglicht einen weitläufigen, innenräumlichen Sichtbezug. Als Sonnenschutz befinden sich in Teilbereichen der Ost- und Südfassade semitransparente, über einen Elektromotor bedienbare, außen liegende Screenrollos, die den Lichteinfall trotz ihrer Verschattungsfunktion nicht nennenswert reduzieren. Sie lassen einen Ausblick nach außen zu und bieten andererseits wirksamen Sichtschutz von außen. Screenrollos reflektieren einen hohen Anteil der Sonneneinstrahlung und verringern auf diese Weise die Raumerwärmung. An einigen Fenstern erübrigt sich der Sonnenschutz wegen der vorhandenen Dachüberstände oder durch die Baumbeschattungen.

Bautafel

Architekten: Vorrink Wagner Architekten, Hannover
Projektbeteiligte: Drewes und Speth, Hannover (Tragwerksplanung); Polyplan, Hannover (Gebäudetechnik); Architekt Stefan Horschler, Hannover (Bauphysik); ap Elektroanlagen Planung, Hannover (Elektroinstallation); Fachbereich Umwelt und Stadtgrün, Hannover (Außenanlagen)
Bauherr: Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Gebäudemanagement
Standort: Plathnerstraße 4, Hannover-Bult
Fertigstellung: 2009
Bildnachweis: M. Wagner, Hannover (3, 6 und 8); D. Haas-Arndt, Hannover (1, 2, 4, 5 und 7)

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