Käthe-Kollwitz-Schule in Darmstadt

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70er-Jahre-Relaunch

Die Grundschule in Darmstadt entstand ursprünglich in den siebziger Jahren und wurde aus den damals üblichen Fertigteilen aus Sichtbeton errichtet. Der Grundriss des vorhandenen Gebäudes gestaltet sich klar und einfach: Die Klassenräume gruppieren sich um ein überdachtes Atrium, das über Dachflächenfenster von oben belichtet wird. Das noch heute in seiner Funktion gut nutzbare und solide detaillierte Objekt ist durch ein neues Gebäude erweitert worden. Der Neubau bietet Platz für fünf zusätzliche Klassenräume und mehrere Nebenräume, seine Anbindung an den Altbau erfolgt über eine verglaste Brücke.

Die Architekten Peter Karle und Ramona Buxbaum aus Darmstadt ergänzten das bestehende Gebäude im Sinne eines „70er-Jahre-Relaunches“. Der neue und einfache Baukörper - mit gleicher Materialität, Konstruktion und Fassadengestaltung - übersetzt die eigentlichen Gestaltungsideen des alten Gebäudes auf sensible Weise in eine zeitgemäße Architektursprache. In einen tragenden Rahmen aus Betonfertigteilen, stellten die Architekten den Baukörper aus Holz- und Glaselementen hinein. Dadurch konnte auf die neuzeitlichen Wärmedämmverbundsysteme verzichtet werden, und es entstand eine Zwischenzone zwischen Konstruktion und Außenhaut, die sowohl eine Art Loggia bildet als auch die Treppenräume aufnimmt.
 
Auch die Farbgebung der neuen Fassade orientiert sich an der Erscheinung des vorhandenen Gebäudes. Im Innenbereich wird das Konzept der Reminiszenz an die siebziger Jahre durch den Düsseldorfer Künstler Florian Baudrexel mittels großflächiger, spirographischer Wandbemalungen in ähnlicher Farbgebung fortgeführt. Auch die Klarheit des bestehenden Grundrisses findet sich im Erweiterungsbau wieder.
 
Tageslichtkonzept
Während die Ost- und Westfassaden weitgehend geschlossen sind, wirkt die nach Süden gerichtete Außenfassade von außen vollständig verglast. Die Glasflächen sind jedoch nicht alle transparent, sondern zum Teil rückseitig in verschiedenen Orangetönen bedruckt und dienen als äußere Wandverkleidung. Hinter der Südfassade liegen die Erschließungszonen und Treppenräume, in denen passive solare Gewinne für eine zusätzliche Erwärmung im Winter sorgen.
 
Der Sonnenschutz gegen die sommerliche Erwärmung des Treppenraums besteht aus fassadenintegrierten, semitransparenten Photovoltaikmodulen, die nicht nur für eine Verschattung sorgen, sondern mit etwa 600 kWh pro Jahr zur Stromerzeugung im Schulgebäude beitragen. Sie erzeugen einen gedämpften, aber ungewöhnlichen Lichteinfall und lassen nur eine eingeschränkte Durchsicht zu. Im oberen Bereich wird die zweigeschossige Glasfassade bei hochstehender Sommersonne darüber hinaus durch den Dachüberstand des tragenden Betongerüstes verschattet.

Aus Gründen des gleichmäßigen blendfreien Tageslichteinfalls sowie zur Vermeidung von unerwünschter Überhitzung im Sommer, wurden die Klassenräume konsequent in den Norden gelegt. Dies erfolgte aus der Erkenntnis heraus, dass sonnendurchflutete Klassenräume durch die starken Lichtkontraste und die Erwärmung im Sommer genauso zu Ermüdung und Konzentrationsmangel bei den Schülern führen können, wie mangelhaft belichtete Räume ohne nennenswerten Außenbezug. Wirksame Sonnenschutzsysteme an den Südfassaden hingegen brachten vielfach eine zu starke Verdunklung der Räume mit sich, so dass an Sommertagen eine künstliche Belichtung erforderlich wurde.
 
Die Klassenräume des Erweiterungsbaus werden über großflächige Fensterbänder mit normaler Brüstungshöhe belichtet. Ein zusätzlicher Sonnenschutz ist nicht erforderlich. Das Konzept der gleichmäßigen Lichtverteilung wird durch eine Tageslichtergänzungsbeleuchtung unterstützt, bei der die Leuchtenreihen getrennt geschaltet werden können, je nach Abstand zum Fenster und zunehmend geringerem Tageslichtquotienten in Raumtiefe.

Bautafel

Architekten/Landschaftsplaner: Peter Karle, Ramona Buxbaum (kabux), Darmstadt
Projektbeteiligte: Ingenieurbüro Keller, Darmstadt (Tragwerkplanung); Ingenieurbüro Binge und Berger, Darmstadt (Haustechnik - HLSE); FW Fassaden, Darmstadt (Fassadentechnik); Florian Baudrexel, Düsseldorf (Kunst am Bau)
Bauherr: Wissenschaftsstadt Darmstadt, Hochbau- und Maschinenamt       
Standort: Darmstadt
Fertigstellung: 2006
Bildnachweis: Thomas Eicken, Mühltal

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