Einfamilienhaus in Stuttgart
Sanierung und Umnutzung eines Werkstattgebäudes
Die Werkstatt einer Metallpresserei in Stuttgart-Plieningen wurde 2009 saniert und zu einem Wohnhaus umgenutzt. Das Gebäude befindet sich im unmittelbaren Umfeld zu sehr inhomogenen Neubauten und reagiert auf die vorhandene Vielgestaltigkeit seiner Umgebung mit Zurückhaltung. Die Architekten, Manfred Lux aus Augsburg und Oliver Trump aus München, behielten beim Entwurf der Außenfassade die Schlichtheit eines Werkstattgebäudes bei. Wenige, gezielt angeordnete Öffnungen, eine einheitlich dunkle Farbgebung der vorgehängten Holzfassade und ein schmuckloser Sichtbetonanbau geben ihm nun seinen speziellen Charakter. Die in mehreren Bauepochen entstandenen unterschiedlichen Dachneigungen des Altbaus wurden zu einem lang gezogenen Satteldach umgebaut, dessen Giebel zum Landschaftspark der Universität Hohenheim ausgerichtet ist.
Im Innenbereich wird die zurückhaltende Gestaltung zwar fortgeführt, durch die besonderen Oberflächen entsteht jedoch ein verblüffender Kontrast zur dunklen, schnörkellosen Außenhülle: Alle Flächen, Decken, Wände und Fußböden wurden geglättet, geschliffen und mit weißer Seife poliert, sodass ein heller Schimmer nun die Innenräume veredelt. Die stimmungsvolle Wechselwirkung zwischen Lichteinfall und Wandoberflächen führte dazu, dass Bauherr und Architekt das Gebäude als „Genießerhaus“ bezeichneten. Die konsequent weiße, leicht schimmernde Gestaltung aller Innenräume lässt darüber hinaus jeden farbigen Einrichtungsgegenstand kontrastreich hervortreten: Die Bespielung der Räume durch die Bewohner gewinnt an Bedeutung.
Tageslicht
Das durch die 60 cm tiefen Fensterlaibungen einfallende Tageslicht wird innenräumlich mittels der leicht reflektierenden Oberflächen in seiner Wirkung hervorgehoben. Im Erdgeschoss wurden mehrere bodentiefe Holz-Aluminium-Fenster eines dänischen Herstellers eingebaut, die sich durch besonders schmale Rahmen und einen hohen Glasanteil auszeichnen. Ungewöhnlich bei den Fensterelementen ist auch, dass Festverglasung und Öffnungsflügel eine Ebene bilden und nach außen zu öffnen sind. Im Obergeschoss wird der Lichteinfall der kleineren Fenster mit tiefen, schräg angeputzten Fensterlaibungen vergrößert. Dadurch entsteht der optische Effekt eines Passepartouts: Sowohl der Ausblick als auch die jeweilige Tageslichtsituation werden dekorativ in Szene gesetzt.
Hinter dem komplett verglasten Giebel des Satteldaches befindet sich der Schlafraum. Die Glasfläche wird hier mit Fensterprofilen eingefasst, die innerhalb der Putzebene liegen und deshalb nicht sichtbar sind, so wird ein Maximum an Tageslicht und Ausblick ermöglicht. Durch die Größe der Öffnung und dadurch, dass die Putzebene bis an die Glasfläche reicht, wird das Fenster zum rahmenlosen Landschaftsbild. Im Kinderzimmer dienen zwei kleine Fenster zum Lüften und zum Hinaussehen. Der Lichteinfall wird hier im Wesentlichen durch ein zusätzliches Oberlicht bestimmt, das mit Zenitlicht für eine konstante, gleichmäßige Raumausleuchtung sorgt. Die glatten und polierten Wände erhöhen auch hier die Lichtreflexion.
Als Sonnenschutz dienen die besonders tiefen Fensterlaibungen, die sich aus dem vorhandenen Wandaufbau ergeben (Wärmedämmung, Luftschicht und Holzvorhangfassade). Bei hoch stehender Sommersonne verringern sie die Einstrahlung in den Wohn- und Aufenthaltsräumen und minimieren die Gefahr der Überhitzung. In den kalten Monaten lassen sie durch die flache Wintersonne passive solare Gewinne zu. Die flächenbündige Verglasung des Giebels ist nach Nordwesten ausgerichtet, sodass aufgrund der geringen Sonneneinstrahlung keine spezielle Verschattung notwendig ist.
Eine weitere Besonderheit des Gebäudes stellt das drei Meter hohe Zahnradgetriebe der ehemaligen Produktionsanlage dar. Es wurde als Reminiszenz an das ehemalige Werkstattgebäude freigelegt und im Fußboden mit einer Glasscheibe überdeckt. Bei Festlichkeiten dient es vor allem durch seine Beleuchtung am Abend zur atmosphärischen Bereicherung.
Bautafel
Architekt: Manfred Lux, Augsburg, in Zusammenarbeit mit Oliver Trump, München
Projektbeteiligte: Furche & Zimmermann, Köngen (Tragwerksplaner); Martin Ziesemann, Havelberg (Ausführung: Fassade, Fenster, Betonarbeiten); Glasbau Wiedemann, Augsburg (Verglasung); Fa. Gutzeit, Waldbronn (Fensterhersteller); Manfred Lux, Augsburg (Putz)
Bauherr: Bernd Sautter
Standort: Maurenstrasse 25a, Stuttgart-Plieningen
Fertigstellung: 2009
Bildnachweis: Manfred und Naciye Lux, Augsburg