Einfamilienhaus in Pullach
Sanierung und Umbau eines Wohngebäudes von 1958
Das vorhandene Wohngebäude in Pullach bei München wurde ursprünglich 1958 für den Schauspieler Beppo Brem errichtet. Nach seinem Tod wechselte es mehrfach den Besitzer, bis es im Jahr 2007 von den jetzigen Bauherren erworben, saniert und umgebaut wurde.
Bei der Sanierung kamen insbesondere ökologische Baumaterialien, zeitgemäße Dämmungen sowie heimische Hölzer zum Einsatz. Zudem wurde eine Kollektoranlage zur Warmwasserbereitung installiert, so dass die Gemeinde Pullach für das Bauvorhaben einen Zuschuss gewährte. Das Gebäude sollte jedoch nicht nur saniert, sondern die vorhandene Wohnfläche um insgesamt 30% erweitert werden, Dachneigung und Gebäudehöhe jedoch - gemäß der eigentlichen Gestalt des alten Gebäudes - unverändert bleiben. Der Flächenzugewinn ließ sich im Wesentlichen durch das Entfernen von Trennwänden und durch eine Erweiterung im Dachbereich realisieren.
Tageslicht und Sonnenschutz
Um einen großzügigen, offenen und gut belichteten Wohnbereich mit Küche und Essplatz zu erhalten, wurde die tragende Mittelwand durch einen 8 m langen, deckenintegrierten Stahlträger ersetzt. Der dadurch entstandene Raum öffnet sich nach Süden, Westen und Osten und lässt einen attraktiven Ausblick in die Außenanlagen zu.
Die großen Glasflächen sorgen sowohl für einen lichtdurchfluteten Wohnbereich als auch für solare Energiegewinne im Winter, sie benötigen jedoch auch einen wirksamen Sonnenschutz. Zur Verschattung bzw. zur Gestaltung des Gebäudes dienen konsequent außen liegende Schiebe- und Faltläden aus einem grobmaschigen Aluminium-Streckmetallgitter. Das transluzente Material erzeugt ein spannungsreiches Wechselspiel zwischen innen und außen sowie einen effektvollen Lichteinfall. Es bietet den benötigten Sonnen- und Sichtschutz von außen und verleiht dem Gebäude eine eigenwillige Ästhetik.
Die Schiebe- und Faltelemente sind eigens vom Schlosser angefertigte Sonderkonstruktionen, die mit entsprechenden Baubeschlagsteilen an der Fassade befestigt wurden. Sie bestehen aus einem Metallrahmen sowie einer Füllung aus 1,5 mm starkem Aluminiumblech, das durch eine individuelle Stanzung und unter Zugkraft zu einem Streckmetallgitter geformt wurde. Bei der Konfektionierung des Gitters wurden anhand von Modellen die winterlichen und sommerlichen Sonnenstände berücksichtigt. Die Öffnungsweiten der Maschen sind so festgelegt, dass die Räume nicht abgedunkelt, sondern nur verschattet werden. Bei der Farbe der Verschattungselemente einigten sich Bauherren und Architekten auf einen ungewöhnlichen Goldton, der zwar in der RAL-Karte vorhanden, aber nicht verfügbar war und eigens für das Projekt angefertigt werden musste.
Die Verschattungselemente der Ostfassade wurden als reine Schiebeläden konzipiert, um die Nutzfläche der vorgelagerten Holzterrasse nicht einzuschränken. Der südliche Dachbereich erhielt durchgehend aufgereihte Faltschiebeläden, die westliche Erdgeschossfassade klassische Klappläden aus dem gleichen Material. Durch das Öffnen oder Schließen der Schiebe- und Faltsysteme verändern sich die Proportionsverhältnisse zwischen Glas-, Fassaden- und Metallflächen, so dass - auch durch die Reflexionen oder Spiegelungen des goldfarbenen Metalls - ein variables und interessantes Fassadenbild entsteht.
Bautafel
Architekten: mrb architekten, München
Projektbeteiligte: Haushofer, Markt Schwaben (Statik); Spanner, Thürntenning (HLS); Meisch, Planegg (Elektro); Kaltenecker, Vilsbiburg (Zimmerer- und Dacheindeckung); Reitberger, Iggensbach und Schwarz, München (Fassadenbau); Mooshofers, Velden/Vils (Sonnenschutz); Anneser, Tegernbach (Fenster/Türen); Haerle, Ummendorf (Dachfenster); Schober, Freising (Küche); Singhammer, Rimsting (Pandomo wall / floor)
Bauherr: Iris Ortner und Manfred Vetrovec, Pullach
Standort: 82049 Pullach, Gistlstraße 86
Fertigstellung: 2008
Bildnachweis: mrb architekten, München
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