Bürogebäude in Köln

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |

Tageslichtoptimierung durch Lichtlenksysteme und Atrium

Das Kölner Bürogebäude Etrium liegt im Gewerbe- und Landschaftspark Triotop im Stadtteil Vogelsang und wurde von Benthem Crouwel Architects aus Aachen und Amsterdam geplant. Bereits vor der Planung stand der Hauptmieter fest, es ist das Unternehmen Econcern, das selbst an der Entwicklung klimafreundlicher Energieversorgungskonzepte beteiligt ist und energiesparende Produkte herstellt. Das Bürogebäude in Köln wurde dementsprechend vom Bauherren und Investor - der Friedrich Wassermann Gesellschaft - im Passivhausstandard errichtet. Der Restwärmebedarf liegt bei 11 und der Primärenergiebedarf bei 116 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Solarzellen und kleine Windturbinen auf dem Dach unterstützen das Energiekonzept. 

Das dreigeschossige, quadratische Gebäude mit einer Kantenlänge von 38 Metern, umschließt ein glasüberdecktes, bepflanztes Atrium, das sowohl allen angrenzenden Büro- und Besprechungsräumen einen optimalen Tageslichtzugang ermöglicht als auch eine Abluftfunktion ohne aufwändige Kanalsysteme erfüllt. Hinter der Büroraumebene am Atrium schließt sich eine Kombizone aus Erschließung und temporärem Aufenthalt an. An der Außenfassade, die von dreifachverglasten Fensterbändern geprägt wird, liegen weitere Büroräume, die das Gebäude wie ein Gürtel umschließen. Der Kombination aus dem Energieeffizienzanspruch und dem Atrium verdankt das Gebäude seinen Namen Etrium. Es wurde vom Institut für angewandte Energiesimulation mit dem Gütesiegel in Gold der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgezeichnet.

Tageslicht und Sonnenschutz
Bei der Planung des kompakten Bürogebäudes wurde Wert auf ein optimiertes Tageslichtkonzept gelegt. Durch die Anordnung des Atriums im Zentrum, konnten auch Büroräume mit Tageslicht versorgt werden, die nicht an einer Außenwand, sondern sehr tief im Grundriss liegen. Das Atrium verfügt ausschließlich über Glasfassaden zu den angrenzenden Büros. Dort, wo sich Terrassen zum Innenhof als Ruhebereich für Mitarbeiter befinden, wurden darüber hinaus transparente Glasgeländer vorgesehen, um den Tageslichteinfall keinesfalls einzuschränken. Auf ein spezielles Sonnenschutzsystem für das Glasdach des Atriums musste verzichtet werden, da der Bauherr hohe Wartungskosten befürchtete. Um die Wärmelasten dennoch gering zu halten, wählte man Sonnenschutzglas mit einem Gesamtenergiedurchlassgrad von 24 Prozent.

Die an das Atrium grenzenden Büroräume wurden mit einem Blendschutz in Form von individuell bedienbaren Schiebegardinen ausgerüstet. Minimierte Fensterstürze von 15 cm und geringe Raumtiefen tragen dazu bei, dass die Arbeitsplätze optimal mit Tageslicht versorgt werden. Bei direkter Sonneneinstrahlung und möglicher Blendung, werden außen vor den Fensterbändern liegende, reflektierend beschichtete Raffstores automatisch fassadenweise heruntergefahren. Der obere Behangteil der Jalousie lässt sich separat steuern: Während der untere Teil der Lamellen für den Blendschutz sorgt, dienen die konkav ausgerichteten Lamellen des oberen Behangteils dafür, dass das einfallende Licht an die weiß gestrichene Decke gelenkt und auf diese Weise in die Raumtiefe transportiert wird. Besprechungsräume, die an der Atriumzone liegen, lassen sich durch raumhohe Vorhänge vor Sonnenlicht schützen. Für die Tageslichtversorgung der mittleren Zonen sorgen gläserne Trennwände. Lediglich die seitlichen Wände zwischen den einzelnen Büroräumen wurden in geschlossener Leichtbauweise ausgeführt.
 
Die hohen Verglasungsanteile des Etriums wurden mittels dynamischer Tageslichtsimulationen untersucht und optimiert, so dass die vorgeschriebenen 500 Lux Beleuchtungsstärke an den Arbeitsplätzen in der überwiegenden Zeit im Jahr ohne den Einsatz von Kunstlicht erreicht werden. Wird der Wert unterschritten, schalten sich sensorgesteuerte Leuchten automatisch hinzu und regulieren stufenlos den Lichteinfall an den Arbeitsplätzen oder in den Kombizonen. Gleichzeitig sind die Büros mit Präsenzmeldern ausgestattet, die dafür sorgen, das Kunstlicht nur dann eingeschaltet bleibt, wenn sich eine Person im Raum befindet.

Bautafel

Architekten: Benthem Crouwel Architects, Amsterdam/N und Aachen
Projektbeteiligte: Ecofys Germany, Köln (Integrale Energieplanung); Ingenieurgesellschaft Peter Zeiler + Partner, Frechen (Technische Gebäudeausrüstung); Institut für Schalltechnik, Raumakustik, Wärmeschutz (ISRW) Klapdor, Düsseldorf (Bauphysik); Institut für angewandte Energie- und Strömungssimulation (IFES), Frechen (Gebäudesimulation)
Bauherr: Friedrich Wassermann, Köln
Fertigstellung: 2008
Standort: Am Wassermann 36, 50829 Köln
Bildnachweis: J. von Rekowsky, A. König, Siegen

Surftipps

www.benthemcrouwel.nl
http://www.baunetzwissen.de/Nachhaltig-Bauen > Firmenzentrale Etrium in Köln

Standort in Google Maps anzeigen