Bürogebäude in Hamburg

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Gebäudeplanung mittels Tageslichtsimulation

Zwei im Grundriss bumerangförmige Baukörper bilden den Abschluss eines städtebaulichen Ensembles, das sich aus mehreren orthogonalen Wohngebäuden und der eigenständigen geometrischen Form des Bürogebäudes LTD_1 zusammenfügt. Der Entwurf des neuen Bürogebäudes im Hamburger Stadtteil St.Georg stammt aus dem Berliner Architekturbüro von Justus Pysall und Peter Ruge.

Auf die beiden separaten Gebäudeflügel wurden zwei weitere dreigeschossige Baukörper als Verbindungselemente quer aufgesetzt, sodass eine umschlossene Freifläche entsteht, die auch als Passage dient. Der dadurch entstandene lärmgeschützte Innenhof ist so konzipiert, dass er sich nahezu übergangslos mit dem Grünraum der dahinter liegenden Wohngebäude verbindet. Trennendes Element sind lediglich mehrere viergeschossige, drehbare Glastore, die sich bei Bedarf elektronisch steuern und aufstellen oder bei höheren Windlasten schließen lassen. Durch ihre Transparenz treten sie optisch nur geringfügig in Erscheinung.
 
Der Grundriss des Gebäudekomplexes wurde von den Architekten mit einer höchstmöglichen Flexibilität konzipiert und ermöglicht die Anordnung von Großraum-, Kombi- und Zellenbüros, die sich mit Einzelhandels- und Gewerbeflächen sowie einem Gesundheitszentrum abwechseln. Die Fassade, zum Teil doppelschalig oder aber mit Sandwichpaneelen konstruiert, unterschreitet in ihrer Dämmwirkung die Forderung der derzeitigen Energieeinsparverordnung um etwa 40 Prozent. Das Gebäude wird im Wesentlichen über eine Bauteilaktivierung beheizt und gekühlt. Sommerliche Nachtlüftung über die Doppelfassade sowie Fernwärme bei winterlichen Spitzenlasten ergänzen das Konzept. Durch die Minimierung des Energiebedarfs, die Lebenszyklusanalyse der gewählten Baustoffe sowie aufgrund von sechzig weiteren weitgehend erfüllten Nachhaltigkeitskriterien, erhielt der Bürokomplex 2010 eine Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) in Gold. Er gehört damit zu den ersten fünfzehn bundesweit prämierten Gebäuden.
 
Tageslicht und Sonnenschutz
Die Tageslichtplanung des Gebäudeensembles erfolgte mit Hilfe von Sonnenstandsimulationen, sodass der Zuschnitt und die variierende Höhe der ineinander greifenden, organisch geformten Baukörper einen hohen Anteil an Tagesbelichtung in den Büroräumen zulassen. Insbesondere der sonnenbeschienene Innenhof sorgt dafür, dass auch die straßenabgewandten Arbeitsplätze hinreichend Tageslicht erhalten. Weiter reichende Ausblicke sind durch die versetzte Anordnung der Baukörper von jedem Arbeitsplatz aus möglich. Die Fassade sieht raumhohe Verglasungen mit Dreh-Kippflügeln in den Büroräumen vor. Sowohl aus Wind- und Schallschutzgründen als auch für den Blend- und Sonnenschutz wurde jedem Fenster ein gläsernes Paneel aus Sonnenschutzglas wie eine Art offene Doppelfassade vorgeschaltet. Hinter den Außenscheiben befinden sich witterungsgeschützt die Sonnenschutzelemente in Form von lichtlenkenden, reflektierend beschichteten Jalousien.
 
Wände, Böden und Decken mit hohen Reflexionsgraden sorgen, in Kombination mit den Lichtlenkelementen, für einen überdurchschnittlichen Tageslichtquotienten im Innenraum. Die Jalousien werden zwar zentral gesteuert, können jedoch auch individuell durch den Nutzer nachjustiert werden. Präsenzsensoren in den Büroräumen schalten Kunstlicht nur dann hinzu, wenn bei Anwesenheit einer oder mehrerer Person eine zu geringe Beleuchtungsstärke im Raum vorhanden ist. Auch die Flurbeleuchtung erfolgt über Bewegungsmelder und schaltet das Kunstlicht nur dann ein, wenn die Tagesbelichtung über die Glastrennwände der Büroräume nicht ausreicht. Durch das gezielte Ineinandergreifen der Maßnahmen, liegt der Strombedarf für die Beleuchtung bei weniger als sieben Watt pro Quadratmeter im Jahr.

Bautafel

Architekten: Pysall Ruge Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Lichtenau Himburg Tebarth Bauingenieure, Berlin (Tragwerksplanung); Reese Beratende Ingenieure, Hamburg (Haustechnik); Intep Integrale Planung, München (DGNB-Auditor)
Bauherr: L. T. D._1 Lübeckertordamm Entwicklungsgesellschaft c/o Versicherungskammer Bayern, München
Fertigstellung: 2008
Standort: Lübeckertordamm 1-3, Hamburg

Architektenprofil

Peter Ruge Architekten
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