Büro- und Geschäftshaus in Hagen
Sonnen- und Blendschutzsysteme prägen die Fassaden
Im westfälischen Hagen wurde in der Innenstadt ein neuer Gebäudekomplex realisiert. Bis 2004 stand dort das „Langer Oskar“ genannte Sparkassenhochhaus, das aus Gründen zu hoher Betriebs- und Unterhaltskosten und schwieriger Nutzbarkeit schließlich zur Sprengung freigegeben wurde. Es hat Platz gemacht für das neue Sparkassenkarree im Rahmen des Projektes „Neue City Hagen“. Umgesetzt wurde ein Entwurf des Architekturbüros Bremmer-Lorenz-Frielinghaus (BLFP) aus Friedberg.
Das fünfgeschossige, rechteckige Büro- und Geschäftshaus ist 125 Meter lange, 50 Meter breit. Es besteht aus zwei L-förmigen Baukörpern, die wiederum zwei geschossübergreifende, glasüberdeckte Atrien umschließen. Innerhalb dieses bepflanzten Gebäudezentrums befindet sich auch eine repräsentative Kundenhalle der Sparkasse. Der übrige Gebäudekomplex beherbergt - neben den Büros, Konferenz- und Schulungsbereichen der Sparkasse - mehrere Restaurants, eine Ladenzone im Erdgeschoss und eine Tiefgarage mit 143 Stellplätzen.
Die als 22 Meter hohes Atrium konzipierte, lichtdurchflutete Kundenhalle wird über eine zweigeschossige Glasellipse erschlossen. Durch mehrere in die Halle eingestellte Besprechungsboxen, Grünbereiche, Bäume und Wasserflächen, sollte - trotz der vorwiegenden Nutzung durch die Sparkasse - eine Art öffentlicher Marktplatz geschaffen werden. Durch das gläserne Dach wird der Blick auf den Himmel nahezu ungehindert freigegeben. Ein durch mobile Wände abtrennbarer Bereich lässt innerhalb des Marktplatzes unterschiedliche Veranstaltungen, wie z. B. Vorträge, Events oder Ausstellungen zu. Ein zweiter bepflanzter und glasüberdeckter Innenhof ist vollständig einem Restaurant zugeordnet und wird ganzjährig als dessen "Freibereich" genutzt.
Tageslicht und Sonnenschutz
Bauherr, Architekten und Planungsbeteiligte legten schon in der Vorplanungsphase größten Wert auf ein nachhaltiges Energiekonzept und eine optimierte Tageslichtnutzung in den Aufenthaltsbereichen des Gebäudes. Um vor der Realisierung die jeweils richtige Wahl bei Blendschutz-, Sonnenschutz- und Tageslichtlenksystemen zu treffen, wurden umfangreiche thermische und tageslichttechnische Computersimulationen durchgeführt. Insbesondere für das Glasdach der Kundenhalle musste eine Verschattung gefunden werden, welche die angrenzenden Büroräume nicht nennenswert verdunkelt. Gewählt wurde ein Sonnenschutzglas mit einer Transparenz von 50 %. Die Simulation ergab, dass dadurch keine besondere Beeinträchtigung der Büros bei der Tageslichtversorgung verursacht wird. Frei in den Raum gehängte, textile Sonnensegel sorgen für zusätzliche sommerliche Verschattungszonen. Ihre eigentliche Funktion ist jedoch, bei Dunkelheit mittels gezielter Kunstlichtbeleuchtung von unten, Licht zu reflektieren und damit bestimmte Bereiche lichttechnisch hervorzuheben.
Die umgesetzten Maßnahmen, mit denen der Tageslichteinfall im Gebäude gezielt dosiert werden kann, zeigen sich bereits von außen durch ein vielfältiges, von unterschiedlichen Sonnen- und Blendschutzsystemen geprägtes Fassadenbild. Sie reichen von siebbedruckten Glasfeldern bis zu vertikal angeordneten, textilen Faltlamellen. In den Standardbüros wurden insbesondere Lamellenbehänge mit integrierter Tageslichtlenkung im Oberlichtbereich eingesetzt, um in den etwa 5 Meter tiefen Räumen eine gleichmäßige Lichtverteilung zu erzielen. Als Blendschutz kamen in einigen Bereichen auch Folienrollos zum Einsatz. Zahlreiche Fenster sind aus Schallschutzgründen zusätzlich mit einer sogenannten Prallscheibe versehen.
Um eine auftretende Überhitzung im Sommerfall zu vermeiden, werden sowohl das Atrium als auch die Büroräume, Läden und Restaurants über eine Betonkernaktivierung im Fußboden gekühlt. Sie sorgt darüber hinaus ganzjährig für die Grundtemperierung des Gebäudes. Die natürliche sommerliche Durchlüftung der Halle erfolgt durch automatisch gesteuerte Klappen in Fassade und Dachbereich. Reicht sie nicht aus oder kommt sie aufgrund winterlicher Außentemperaturen nicht in Frage, wird eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung hinzugeschaltet.
Bautafel
Architekten: BLFP Frielinghaus Architekten, Friedberg
Projektbeteiligte: THS Consulting, Gelsenkirchen (TGA-Planung); IB Bild, Hagen (Tragwerksplanung); EGS-Plan, Stuttgart (Energiekonzept); Energydesign Braunschweig (Energiemonitoring); bkp Kolde Kollegen Planung, Essen (Innenarchitektur Kundenhalle)
Bauherr: Sparkasse Hagen
Standort: Hagen
Fertigstellung: 2006
Bildnachweis: D. Haas-Arndt, Hannover