Alten- und Pflegezentrum in Hannover
Tageslichtnutzung und Sichtschutz
Im Gegensatz zu vielen anderen Pflegeheimen, leben die Bewohner des Klaus-Bahlsen-Hauses in Hannover-Bothfeld weitgehend selbstbestimmt in Einzelzimmern oder - z. B. Ehepaare - in Apartments. Das Alten- und Pflegezentrum bietet insgesamt 48 Pflegeplätzen, die in vier Hausgemeinschaften mit je zwölf Personen integriert sind, und stammt aus dem Büro Pfitzner Architekten aus Isernhagen. Mittelpunkt jeder Hausgemeinschaft ist ein großer gemeinsamer Wohnbereich mit angegliederter Wohnküche. Die Außenanlagen grenzen zaunlos an das Gelände einer Kindertagesstätte, um beide Einrichtungen miteinander zu verknüpfen und den generationsübergreifenden Dialog zu fördern.
Die Anlage wurde im Passivhausstandard errichtet, so dass auf eine herkömmliche Heizungsanlage verzichtet werden konnte. Mittels Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung wird das Gebäude im Winter mit Wärme und ganzjährig mit gleich bleibend guter Luftqualität versorgt. Um bettlägerigen Menschen Geräusche aus der Außenwelt nicht vorzuenthalten, lassen sich schmale Fensterriegel der ansonsten dreifachverglasten, schallschluckenden Passivhausfenster öffnen. Die Gründächer sorgen mit ihrer extensiven Begrünung für die Regenwasserspeicherung und eine zusätzliche Wärmedämmung.
Das neuartig konzipierte Altenpflegeheim wurde zwischen Oktober 2006 und April 2008 mit maßgeblicher finanzieller Unterstützung der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung realisiert. Klaus Bahlsen, Gründer der gleichnamigen Keksfabrik, rief diese Stiftung 1972 ins Leben, um Projekte zu den Themenfeldern Medizin, gesunde Ernährung, ökologischer Landbau, Naturschutz, Städtebau sowie den Bau gemeinnütziger Einrichtungen zu fördern. Träger der Einrichtung ist die Landeshauptstadt Hannover.
Tageslicht und Sonnenschutz
Im Gegensatz zu üblichen Altenpflegeheimen, wurde bei der Planung des Klaus-Bahlsen-Hauses großer Wert auf Tagesbelichtung und Außenbezug, aber auch auf Sichtschutz gelegt. Die beiden wärmebrückenfrei gedämmten, zweigeschossigen Gebäuderiegel sind zunächst so auf dem Grundstück platziert, dass die Gartenanlage sichtgeschützt und der Eingangsbereich wie eine Art öffentlicher Dorfplatz eingefasst wird. Durch ein zentrales Foyer als Empfangsbereich werden die langgestreckten Baukörper miteinander verbunden und über den unteren Teil einer zweigeschossigen Glasfassade großzügig belichtet. Im oberen Geschoss wird die großflächige Transparenz mit feststehenden Sonnenschutzlamellen aus Holz von außen verschattet, so dass in diesem Bereich durch den gegebenen Sichtschutz auch nichtöffentliche Veranstaltungen stattfinden können. Eine eingeschossige Glasfassade zum rückwärtigen Hof gibt im Erdgeschoss den Durchblick auf die Gartenanlage frei.
Da die Bewohner entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten an der Zubereitung der täglichen Speisen beteiligt sind und viel Zeit gemeinsam mit der Hausgemeinschaft verbringen sollen, wurden die Aufenthaltsbereiche lichtdurchflutet und mit optimalem Außenbezug gestaltet. Die großzügigen Wohn-, Ess- und Küchenräume sind bodentief und raumhoch verglast und lassen den ungehinderten Ausblick in die umgebenden Grünbereiche zu. Zum Teil handelt es sich um Fenster, die stützenfrei um die Ecke geführt werden. Die im Erdgeschoss liegenden Bewohnerzimmer haben zusätzlich einen direkten Zugang zur Gartenanlage.
Mehrere zweigeschossige, wintergartenähnlich verglaste Sitzplätze auf beiden Ebenen sorgen für interessante räumliche Durchblicke und Überschaubarkeit im Gebäude. Durch die Transparenz dieser tagesbelichteten Sitzbereiche, die zum Sitzen, Lesen und längeren Verweilen einladen, werden die relativ langen Flure optisch unterbrochen. Auch am Ende der Flure wurden bodentiefe Über-Eck-Fenster angeordnet, um den Erschließungsbereichen Aufenthaltscharakter zu verleihen. Überdachte Balkone und Loggien lassen einen Aufenthalt im Freien bei jedem Wetter zu und bieten verschattete Plätze, die sich im Sommer nicht überhitzen. Nahezu sprossenfreie, nur durch eine Türeinfassung unterbrochene Fensterflächen zwischen Aufenthaltsraum und Loggia lassen den Freibereich wie eine Raumerweiterung wirken.
Bautafel
Architekten: Pfitzner Architekten, Isernhagen
Projektbeteiligte: Drewes + Speth, Hannover (Tragwerksplanung); Planungsgruppe VA, Hannover (Gebäudetechnik); Fachbereich Umwelt und Stadtgrün, Hannover (Außenanlagen); Fachbereich Gebäudemanagement, Hannover (Projektsteuerung)
Bauherr: Betrieb Städtische Alten- und Pflegezentren, Hannover
Standort: Klein-Buchholzer-Kirchweg 11, Hannover
Fertigstellung: 2008
Bildnachweis: D. Haas-Arndt, Hannover
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