Wohnhaus in Amsterdam

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Perforierte Aluminium-Paneele mit einem Muster aus 48.000 Hexagonen

Im dicht bebauten Zentrum von Amsterdam gibt es kaum Platz für neue Gebäude. Freie Grundstücke finden sich, wenn überhaupt, auf kleinen städtischen Restflächen. Auf einem solchen ist ein strahlend weißes Atelier- und Wohnhaus für einen Künstler und seine Familie entstanden. Geplant wurde es vom ortsansässigen Architekturbüro Abbink X De Haas. Sie platzierten den Baukörper mitten in einen engen Innenhof zwischen die grauen Fassaden der Bestandsgebäude. Zwar fügt sich der Neubau in seinen Proportionen in die vorhandene Blockstruktur ein, setzt sich durch seine ungewöhnliche Fassadengestaltung jedoch deutlich von ihnen ab.

Die Wohnfläche von 185 m² verteilt sich auf drei Geschosse und endet auf einer 60 m² großen Dachterrasse. Im offen gestalteten Erdgeschoss ist das Atelier untergebracht. Es wird über einen separaten Zugang auf der Ostseite des Gebäudes erschlossen, während der Haupteingang auf der Südseite liegt. Von hier geht es zunächst in die erste Etage mit den zwei Schlafzimmern. Mittig zwischen beiden Räumen ist das Bad angeordnet. Im obersten Geschoss befindet sich ein großer Wohnraum mit offenem Koch- und Essbereich, darüber liegt die Terrasse.

Das in Massivbauweise errichtete Gebäude ist auf drei Seiten weiß verputzt. Da es zum Teil direkt an die Nachbarbebauung anschließt, sind die Nord- und Ostfassade nahezu fensterlos ausgeführt, im Norden befinden sich lediglich zwei schmale Öffnungen im zweiten Obergeschoss. Nach Süden und Westen dagegen öffnet sich die Gebäudehülle mit großen, teilweise raumhohen Fenstern.

Sonnenschutz
Über die gesamte Westfassade erstreckt sich eine vorgesetzte, wirklich beeindruckende Fassadenverkleidung aus perforierten Aluminiumblechen, die vom niederländischen Künstler Chris Kabel entworfen wurde. In die dünnen Alu-Bleche ließ er insgesamt über 48.000 Hexagone stanzen. Diese sind aber nicht gänzlich von den Blechen getrennt, sondern über einen kleinen Steg am jeweils oberen und unteren Rand noch mit ihnen verbunden. Über die punktuellen Verbindungen hat der Künstler die sechseckigen Füllungen in dem gitterartigen Raster mal nach oben, mal nach unten gebogen. Die nach oben gebogenen Hexagone reflektieren auf ihrer glatten Oberfläche das einfallende Sonnenlicht, die nach unten gebogenen werfen kleine Schatten und erscheinen eher Grau. Auf diese Weise ist auf der Fassade ein scheinbar bewegtes Gesamtbild aus Licht und Schatten, aus strahlendem Weiß und dunklerem Grau entstanden, dass je nach Sonnenstand auch noch unterschiedlich erscheint.

Dort, wo sich hinter der vorgesetzten Fassade Öffnungen in der Gebäudehülle befinden, sind die perforierten Bleche als bewegliche Schiebeläden ausgeführt. Exakt auf das Maß des jeweils dahinterliegenden Fensters zugeschnitten, lassen sie sich je nach Bedarf manuell zur Seite schieben und befinden sich dann, weitestgehend unsichtbar, zwischen der massiven Außenwand und der Vorsatzschale. Am Tag schützen die Paneele vor direkter Sonneneinstrahlung, Blendeffekten und unerwünschten Einblicken. In den Innenräumen lässt die Perforation abwechslungsreiche Schattenspiele auf Wänden, Decken und Böden entstehen. Bei Dunkelheit, wenn die Innenräume belichtet sind, treten die Fenster hinter der Vorsatzschale als leuchtende Rechtecke in Erscheinung. Die metallene Außenhülle macht den Einsatz von Vorhängen, Jalousien oder Raffrollos überflüssig.

Bautafel

Architekten: Abbink X De Haas, Amsterdam
Projektbeteiligte: Chris Kabel, Rotterdam (Gestaltung der Alu-Fassade); Metadecor, IJsselmuiden (Hersteller Fassaden-Paneele); Bouwadviesbureau Strackee, Amsterdam (Haustechnik)
Bauherr: De Key, Amsterdam
Fertigstellung: April 2012
Standort: Oudezijds Voorburgwal, Amsterdam
Bildnachweis: I See For You (IC4U) – Hans Peter Föllmi Photography, Haarlem