Windmühlheuriger in Retz/A
Außenliegender Sonnenschutz aus beigefarbenem Fahnentuch
Nur wenige Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt liegt das niederösterreichische Weinstädtchen Retz. Im Nordwesten der 4.000-Seelen-Gemeinde befindet sich in die sanfte Hügellandschaft eingebettet, das Wahrzeichen der Stadt: eine der beiden letzten funktionstüchtigen Windmühlen des Landes, erbaut aus Steinen des Retzer Kalvarienberges. Zeitgleich mit der Mühle wurde in den 1890er Jahren ein grenzendes Wohnhaus errichtet, welches in den 1970er Jahren recht pragmatisch um einen rechteckigen Anbau mit Lochfassade und flachem Pultdach erweitert wurde. Heute ist dieses Gebäude der Windmühlheuriger, eine Schankwirtschaft, in der Erzeugnisse der lokalen Landwirte und Winzer angeboten werden.
Im Zuge einer Modernisierung durch das österreichische Architekturbüro Michael Maier erhielt der Anbau auf zwei Seiten eine Galerie. Nach außen vollständig verglast, bildet sie einen Übergang zwischen Außen- und Innenraum und schafft Platz für zusätzliche Tische und Sitzgelegenheiten. Den Gästen bietet sie einen unverstellten Blick auf die angrenzenden Hügel der weiten Landschaft. Das flache Dach ist mit Zinkblech gedeckt.
Sonnenschutz
Für die großflächige Verglasung musste ein Sonnenschutz gefunden werden, der gebührend auf die historische Windmühle Bezug nimmt. Architekt und Bauherren entschieden sich für einen außenliegenden Vorhang, der an einer verdeckt liegenden Führungsschiene oberhalb der Glasscheiben befestigt ist. Seine Bedienung erfolgt vollautomatisch über mehrere Laufkatzen. Hierbei handelt es sich um bewegliche Bauteile in der Führungsschiene, die ein gleichmäßiges und leichtgängiges Verschieben des textilen Sonnenschutzes ermöglichen. Damit er auch bei Wind in der gewünschten Position verbleibt, wird er im unteren Bereich durch über ein Stahlseil gestülpte Metallringe an der Fassadenebene gehalten.
Der 4,0 m hohe Vorhang besteht aus einem beigefarbenen Fahnentuch mit einem Gewicht von 150 g/m², welches eigens für dieses Projekt hergestellt wurde. Spezielle Polyesterfasern machen es schwer entflammbar und sorgen für eine hohe Strapazierfähigkeit – eine unerlässliche Eigenschaft für den Einsatz im Außenbereich. Für die Fassade kamen insgesamt drei Vorhänge zum Einsatz: zwei je 7,50 m breite an der längeren und ein 9,50 m breiter an der schmaleren Seite des Neubaus. -kt
Bautafel
Architekten: Michael Maier, Fohnsdorf/A
Projektbeteiligte: Alpe Holzbau, Fohnsdorf/A (Statik und Holzarbeiten); Kern, Graz/A (Glasfassade); Spitzbart, Kirchham/A (Tischlerarbeiten); Gerriets, Umkirch (Sonnenschutz); Pollak, Retz/A (Dachdeckung und Fassadenbekleidung); Jäger & Kronsteiner, Weitersfeld/A (HKLS und Elektro)
Bauherr: H. und P. Bergmann, Retz/A
Standort: Kalvarienberg in Retz/A
Fertigstellung: 2010
Bildnachweis: Alexander Schleissing, Wien/A
