Villa Criss-Cross Envelope in Ljubljana

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Fassadenkleid aus perforierten Aluminiumpaneelen

Wer als Architekt in Ljubljana arbeitet, kommt nicht umhin, sich zu Jože Plečnik zu positionieren. Der hier 1872 geborene Architekt konnte in seiner Heimatstadt zahlreiche Bauwerke realisieren; sein nie verwirklichter Entwurf für ein Parlamentsgebäude, eine Boullée'sche Architektur mit hohem Kegelturm, ziert heute die slowenische 10 Cent-Münze.

Nicht auf einen Kegel, aber auf eine Steinpyramide mit Torbogen-Durchgang von Plečnik bezogen sich die ortsansässigen Architekten Rok Oman und Spela Videčnik vom Büro Ofis bei ihrem Entwurf für ein Einfamilienhaus im Stadtteil Mirje. Wie Plečnik wollten sie Altes und Neues miteinander verbinden. Letztlich beschränkte sich ihr Anliegen aber darauf, einen Teil der Straßenfassade des Vorgängerbaus stehen zu lassen und in das neue Gebäude zu integrieren. Im Ergebnis ist dies jedoch nicht sichtbar und das Anliegen der Architekten eine Anspielung geblieben.

Das dreigeschossige, Villa Criss-Cross Envelope genannte Wohnhaus hat eine Gesamtfläche von 340 Quadratmetern. Allseitig frei stehend ist es etwa 10 Meter breit und 14 Meter tief. An der Nordseite angefügt ist eine Garage, in einem gartenseitigen Unterschnitt im Erdgeschoss befindet sich eine überdachte Terrasse, zwei Einschnitte im zweiten Obergeschoss dienen als Dachterrassen. Bewohnt wird das Haus von einer Familie mit drei Kindern, deren Wohn-, Schlaf-, Arbeits- und Spielbereiche sich offen über die Geschosse verteilen. Unten kommen alle zusammen, die mittlere Etage gehört den Kindern, die oberste den Eltern.

Zwei Materialien bestimmen das Hausinnere: Sichtbeton die Wände und Decken, Holz die Böden und Einbauten. Weil das Haus nicht unterkellert ist, sind in die Wände der Bäder, die Flanken der Treppenläufe und einzelne Wandpartien Schränke, Regale und Schubladen integriert, die sich hinter Holztafeln verbergen.

Sonnenschutz
Das augenfälligste Merkmal des Gebäudes ist seine Hülle aus perforierten Aluminiumpaneelen. Wie ein dreidimensionales Puzzle aus Rechteckteilen umschließen sie den Baukörper fast vollständig. Die tragenden Außenwände aus Stahlbeton blieben innen unverkleidet. Außen wurde eine 18 cm starke Dämmung angebracht, die nur mit einer Folie kaschiert ist. Im Abstand davor sind dann die Aluminiumpaneele an der Unterkonstruktion angehängt. Vor den dreifach verglasten Fenstern mit Aluminiumrahmen sind die gleichen Paneele montiert, hier allerdings sind sie verschiebbar.

Die vorgefertigten Metallpaneele besitzen einen Rahmen mit kreuzförmiger Ausfachung und einem darüber gefalteten Aluminiumblech, das regelmäßig und dicht mit einem Lochmuster perforiert ist. Ihre Gesamtstärke beträgt 65 Millimeter.

Tagsüber und von außen betrachtet bleibt das silbrige Aluminiumkleid etwas spröde und stumpf, im Hausinneren jedoch erzeugt es ein facettenreiches Lichtspiel. Die Metallgitter vor den Fenstern verdunkeln keineswegs, sondern sorgen für einen leicht gefilterten Sonnenlichteinfall und schützen vor neugierigen Blicken von außen. Zur Verdunklung sind innen vor den Fenstern Stoffvorhänge angebracht. Abends, wenn hier das Licht angeht, verliert das Haus seinen etwas glanz- und leblosen Eindruck: Die Gliederung in Fenster- und Wandpartien wird sichtbar und die flirrende Transparenz des Metallkleides lässt es von innen heraus sanft leuchten.

Bautafel

Architekten: Ofis Arhitekti, Ljubljana
Planungsbeteiligte:  IB Techno und Vavtar Engineering, Ljubljana (Statik); Domal, Komenda (Ausführung Fassade)
Bauherr: privat
Fertigstellung: 2015
Standort: Murnikova ulica 10, 1000 Ljubljana, Slowenien
Bildnachweis: Tomaz Gregoric, Ljubljana

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