Europäischer Gerichtshof in Luxemburg
Goldene Hülle aus Aluminiumdraht
Neben Straßburg und Brüssel gilt Luxemburg als dritte Hauptstadt der Europäischen Union. Zahlreiche internationale Organe und Behörden haben in der Stadt ihren Sitz, seit 1952 ist auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) hier vertreten. Wie alle wichtigen Bauten befindet er sich auf dem Kirchberg im Nordosten der Stadt, wo u.a. auch der Rechnungshof, das Messezentrum, die Philharmonie und das Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean angesiedelt sind.
Bis in die 1970er Jahre befand sich der Gerichtshof in zwei angemieteten Gebäuden. 1972 erhielt er mit dem Palais de Justice ein eigenes Domizil auf dem Kirchberg. Trotz baulicher Erweiterungen wurde es in den folgenden Jahren jedoch zu eng, so dass sich die luxemburgische Regierung für eine weitere Ergänzung in unmittelbarer Nähe des Bestands entschloss. Gleichzeitig wurde der Altbau erweitert und saniert. Die Planung übernahm der französische Architekt Dominique Perrault. Er gliederte seinen Entwurf in vier Bereiche auf: Sanierung und Neugestaltung des Palais de Justice sowie Neubau eines Ringgebäudes und zweier Türme.
Nach der Asbestsanierung des 25.000 m² großen Bestandsgebäudes erfolgte die Erweiterung durch einen auf 14 m hohen Stützen aufgeständerte, zweigeschossige Baukörper, der um den Altbau errichtet wurde. Seine Fassade besteht aus unterschiedlich breiten, vertikal gestellten und leicht golden schimmernden Glasscheiben, die unten und oben über die beiden Geschosse hinausragen. Neben dem Präsidenten des Europäischen Gerichtshofs finden hier auf 10.500 m² auch die Richter und Kanzleien aller EU-Mitgliedsstaaten Platz. Die Anbindung an den Altbau erfolgt über acht gläserne Brückenbauten. Der räumliche Höhepunkt des Altbaus ist der zentrale Gerichtssaal mit einer zeltartigen Decke aus einem goldfarbenen Metallgewebe. Er bietet Platz für 40 Richtersitze und 280 Zuschauer.
Die beiden äußerst schmalen 27-geschossigen Türme ergänzen den schnörkellosen Flachbau des Palais de Justice. Auf einer Grundrissfläche von 14 x 48 m erheben sie sich jeweils 106 m in die Höhe. Mit rund 24.000 m² bieten sie ausreichend Raum für die Büros der Übersetzer des Gerichtshofs.
Sonnenschutz
Das aufgeständerte Gebäude ist mit einem innenliegenden Sonnen- und Blendschutz in Form von Folien auf den Glasscheiben ausgestattet. Verwendet wurde eine dreilagig beidseitig graue Folie mit 1% Lichttransmission in den Abmessungen 1,00 x 3,00 bis 2,40 x 3,50 m. Bei guter Durchsicht schützen sie nicht nur vor Blendung, sondern auch vor Hitze.
Die rundum golden schimmernde Hülle der scharfkantigen Türme besteht aus einem Aluminiumgewebe, dessen 7.724 Paneele speziell für diese Anwendung entwickelt wurden. Neben der visuellen Ausdrucksstärke sorgt es für den notwendigen Sonnenschutz und ist dennoch licht- und luftdurchlässig. Eingebaut wurde es zwischen den Glasflächen der Fensterpaneele, mit ihren ebenfalls goldenen Rahmen. Das Gewebe besteht aus Aluminiumdrähten mit einer freien Fläche von etwa 47% bei einer Dicke von rund 3 mm und wiegt 2,6 kg/m². Die Besonderheit der Konstruktion ist eine spezifische Zick-Zack-Kantung des Metallgewebes, das der optisch nahtlosen Fassade zusätzliche Tiefe verleiht. Insgesamt 20.190 m² des goldfarben eloxierten Metallgeflechts wurden als komplett gekantete Paneele in unterschiedlichen Größen – überwiegend jedoch 3,72 x 0,73 m breit – mit Klemmprofilen an der Unterkonstruktion montiert.
Bautafel
Architekt: Dominique Perrault Architecture, Paris/F mit Paczowski & Fritsch, Luxemburg und m3 Architectes, London/GB
Projektbeteiligte: Gehl, Jacoby & Associes, Luxembug und Schroeder & Associes, Luxemburg (Tragwerksplanung); Rache-Willms, Aachen (Fassadenplanung); GKD, Düren (Metallgewebe); Multifilm, Limbach-Oberfrohna (Sonnenschutzfolien)
Bauherr: Administration des Batiments Publics und Europäischer Gerichtshof, Luxemburg
Fertigstellung: 2008
Standort: Kirchberg/L
