Büro- und Produktionsgebäude in München

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Breite Außenrollos aus dunkelgrauem Polyester-Gewebe

Als Bernhard Mengele und Oliver Sturmhofer im Jahr 2003 ihr Unternehmen Textilmacher gründeten, bezogen sie zunächst eine Etage in der Münchner Innenstadt. Da ihre Firma gut läuft und die Geschäftsführer außerdem wollten, dass die Qualität ihrer Produkte sich auch am äußeren Erscheinungsbild des Unternehmens ablesen lässt, entschieden sie sich für den Bau eines eigenen Firmengebäudes. Möglichst nachhaltig sollte es sein, gebaut mit hochwertigen Materialien und einer außergewöhnlichen Fassade, die einen hohen Wiedererkennungswert verspricht. Das passende Grundstück fand sich nach langer Suche im Gewerbegebiet Freimanner Hölzl im Norden der bayerischen Landeshauptstadt; die Planung für den Neubau übernahm der Münchener Architekt Kurt Tillich, ein Freund der Bauherren.

Gemeinsam entwickelten sie einen kompakten, dreigeschossigen Baukörper, der auf einer Bruttogeschossfläche von 1.135 Quadratmetern die Büro- und Produktionsräume des Unternehmens aufnimmt. Im ersten und zweiten Geschoss sind eine Druckerei und Stickerei untergebracht, im obersten Geschoss ein Showroom und zwei Büros. Die Erschließung ist entlang der Westfassade angeordnet, dahinter liegen die Sanitärräume. Alle Wände sind in schlichtem Weiß gehalten, die hellgrauen Betonböden sind glatt poliert. Eine Wärmepumpe mit Wärmerückgewinnung, die unter anderem die Prozesswärme der Produktionsmaschinen nutzt, übernimmt die Beheizung des Gebäudes; die Verteilung erfolgt über eine Fußbodenheizung. Alle technischen Komponenten sind im Untergeschoss untergebracht, ebenso die Lagerräume.

Von außen zeigt sich der Neubau mit einer markant gefalteten Sichtbetonhülle in Dunkelgrau und großen Öffnungen. Die Fassade wurde in Sandwichbauweise realisiert: vor der Kerndämmung befinden sich die 6,60 x 3,90 Meter großen und bis zu 62 Zentimeter starken Betonelemente der Vorsatzschale. Durch ihre geschossweise versetzte Anordnung waren lediglich vier Schalungen für ihre Herstellung notwendig: zwei für die Schmal- und zwei für die Längsseiten. Deutlich sichtbare, dunkle Fugen sorgen zusätzlich für Auflockerung, die Faltungen für ein je nach Witterung und Lichteinfall unterschiedliches Erscheinungsbild. In die Fassade sind querformatige Fenster mit kaum sichtbaren Rahmen eingelassen. Sie lassen sich lediglich über einen bzw. auf der Ostseite über zwei schmale, schwarz gerahmte Flügel pro Fenster öffnen, der Rest ist festverglast.

Sonnenschutz
Über die Verglasungen erhalten sowohl die Produktions- als auch Büroräume viel Tageslicht. Vor übermäßiger Sonneneinstrahlung schützen textile Außenrollos mit Breiten von 5,20 Meter und Höhen von 2,10 Meter, die in einem ähnlichen Dunkelgrau ausgeführt sind wie die Fassade. Pro Fenster ist je ein Rollo angebracht. Es besteht aus einem windstabilen Polyester-Gewebe, das die auftreffenden solaren Strahlen reflektiert, dabei die schädliche UV-Strahlung herausfiltert und trotzdem Licht ins Rauminnere hineinlässt. Um bis zu 75% der Sonneneinstrahlung lässt sich ihm reduzieren. Aufgrund der Beschaffenheit des Gewebes sind keine Einblicke von außen möglich, die Durchsicht von innen nach außen ist aber jederzeit gewährleistet.

Im heruntergefahrenen Zustand fügen sich die Außenrollos fast nahtlos in die Gebäudehülle ein. Seitliche Führungsschienen halten den Behang faltenfrei auf Spannung. Die Bedienung erfolgt motorisch entweder über die Rechner an den Arbeitsplätzen oder über eine Wetterstation. In eingefahrenem Zustand verschwindet das Rollo vollständig in der Gebäudehülle, da sein Kasten nicht sichtbar hinter der Vorsatzschale untergebracht ist. -kt

Bautafel

Architekt: Kurt Tillich, tillicharchitektur, München
Projektbeteiligte: Hemmerlein Ingenieurbau, Bodenwöhr (Tragwerksplanung und Fertigteile); Ingenieurbüro Schön, Murnau (Haustechnikplanung); Elekto Emmer, Vilshofen (Elektroplanung); Pupeter Estriche, Aichach (Estrich); Seufert-Niklaus, Bastheim (Fenster); Roma, Burgau (Sonnenschutz Zipscreen)
Bauherr:
 Textilmacher, München
Fertigstellung: 2013
Standort: Lindberghstraße 7, 80939 München
Bildnachweis: Michael Compensis, München und Simon Böhm, Günzburg, www.architektur-dokumentation.de

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