Paul Horn-Arena in Tübingen

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Grüne Photovoltaikfassade

Die Neckarauen liegen vor den Toren der Tübinger Innenstadt an der süd-westlichen Stadteinfahrt. In diesem Landschaftsraum ist ein Sportkomplex angesiedelt, der neben mehreren Sportvereinen auch das Freibad der Stadt beinhaltet. Auf dem Gelände der Turn- und Sportgemeinde hatte die Stadt Tübingen den Wunsch einen vielfältig nutzbaren Sportcampus zu errichten. Hierzu wurde ein beschränkter Wettbewerb durchgeführt, aus dem das Büro Allmann Sattler Wappner Architekten siegreich hervorging. Eine besondere Herausforderung war dabei, dass die gewünschte Sporthalle folgende Funktionen aufnehmen sollte: Großsporthalle für Wettkämpfe mit 3000 Zuschauern, Schulsport, Leistungssport, Profisport, Breitensport und Trendsportarten/Freizeitsportgelände. Hierzu war ein möglichst flexibles Konzept mit Nutzungsüberlagerungen erforderlich. Allmann Sattler Wappner entwickelten hierfür ein ebenso spannendes wie funktionales Konzept: Sie integrierten Sportfunktionen in die Fassadenausbildung und gestalteten jede Fassade je nach Ausrichtung und Funktionswünschen anders:

  • Die Nord-Westfassade wurde als Outdoor-Klimbing Wand ausgebildet. Ein Dachüberhang bildet dabei sowohl Herausforderung, als auch Regenschutz.
  • Die Süd-Ostfassade bietet Trendsportarten wie Streetball, Skaten und Boarden Platz
  • Die Nord-Ostfassade ist als Eingangsbereich mit grünlichem Glas gestaltet
  • Die Süd-Westfassade ist vollständig als Solarfassade gebaut
  • das vom Schlossberg aus einsehbare Dach der großen Halle wurde im Sinne einer fünften Fassade als extensives Gründach mit Tageslichtöffnungen konzipiert.
Solares Bauen
Die ausdrucksstarke Solarfassade wurde als neues energetsiches Vorzeigeobjekt der Stadt konzipiert und wird von den Tübinger Stadtwerken finanziert und betrieben. Die Architekten wünschten sich grüne Solarzellen, um einen Übergang zwischen offnenem Landschaftsraum der Auen und dem Gebäudevolumen zu schaffen. Trotzdem wurde von den Architekten eine starke Rasterung gewünscht, die durch einen extra breiten weißen Rand der Solarmodule erzeugt und auch in der Distanz deutlich ablesbar ist. So kamen Glas-Folien-Laminate mit einer weißen Rückwandfolie zum Einsatz. Die Leiterbahnen im Randbereich wurden extra abgedeckt, um einen klaren Rahmen zu bekommen. Die Solarmodule werden dabei als Fassadenplatten einer typischen Kaltfassade eingesetzt. Das Frontseitige Glas ist als 8 mm starkes Einscheibensicherheitsglas (ESG) ausgebildet. Dieser Laminataufbau von GSS in Verbindung mit einem Punkthalterungssystem von Aluhit in welchem die Module punktuell durch Klemmen gehalten werden, wurde bereits mehrfach erprobt. So konnte ohne extra Testphase eine Einzelfallgenehmigung für die Solarfassade gewährt werden (Überkopf-Verglasungs-Problematik).

Insgesamt wurden 530 m² Fassadenfläche mit 970 Modulen gestaltet, welche eine Gesamtleistung von 43,7 KW haben. Die multikristallinen grünen Solarzellen von Sunways geben der Fassade dabei ihr besonders attraktives Gesicht. Es wird mit einem Jahresertrag von ca. 26.000 Kilowattstunden gerechnet. Die Ertragsüberwachung erfolgt online durch die Stadtwerke Tübingen, die über Modem Zugriff auf die Daten der String-Wechselrichter haben.

Auch das Lüftungskonzept ist energiepsarend: vier 50 Meter lange Erdkanäle wärmen (Winter) bzw. kühlen (Sommer) die Zuluft vor, bevor sie in die Halle tritt. Im Dachbereich der Halle sind zusätzlich Wärmetauscher angeordnet, welche die durch Thermik aufsteigende Abluft aufnehmen und die Wärme zurückgewinnen. Randoberlichter und Oberlichter in der Decke sorgen für ein hohes Tageslichtniveau.

Text: Astrid Schneider, Berlin

Bautafel

Architekten: Allmann Sattler Wappner Architekten, München
Projektbeteiligte: Transsolar, Stuttgart (Energiekonzept); Sunways, Konstanz (Solarzellen); GSS-Gebäude Solar Systeme, Löbichau (Solarmodule); Suntechnics Fabrisolar, Küsnacht/CH (Planung und Installation Solarfassade); Wyss Aluhit, Littau/CH (Fassadensystem)
Bauherr: Turn und Sportgemeinde Tübingen (Sporthalle); Stadtwerke Tübingen (Solarfassade), Tübingen
Fertigstellung: Dezember 2004
Standort: Europastraße in Tübingen
Bildnachweis: Sunways/Ferit Kuyas, Zürich/CH; Allmann Sattler Wappner Architekten, München

Surftipps

Interview mit Allmann Sattler Wappner

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