Umbau eines Siedlerhauses in Hamburg-Wilhelmsburg
Energieautarkes Wohnen
Wie wollen wir in der Zukunft leben? Wie wollen wir bauen? Auf der Suche nach dem Haus der Zukunft lobte der Dachfensterhersteller Velux gemeinsam mit der TU Darmstadt einen Studentenwettbewerb für das sogenannte „Lichtaktiv Haus“ aus: Auf dem Gelände der IBA im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg stand dafür ein altes Siedlerhaus zur Verfügung. Gewonnen hat die Studentin Katharina Fey, sie wurde mit ins Planungsteam geholt.
Zur Doppelhaushälfte des Siedlerhauses in der Hansestadt gehörten früher Ställe und ein großen Garten, der wie vielerorts in den 1950er Jahren zur Selbstversorgung angelegt wurde. Nun sollte das Wohnhaus modernisiert und vergrößert werden. Der Altbau wurde um einen Anbau im Garten erweitert, der quer zum Doppelhaus steht. So entstanden großzügige Räume für eine 4-köpfige Familie. Der Entwurf sah vor, viel von der alten Struktur zu belassen und trotzdem eine neue Großzügigkeit über viel Fensterflächen und den neuen Anbau zu schaffen. Der Anbau mit großem Glasanteil beherbergt nun die Wohnküche und die gesamte Haustechnik. Im Bestandsgebäude wurden drei Schlafzimmer, die Bäder und ein großzügiger Erschließungs- und Bibliotheksbereich mit Wohnqualitäten untergebracht. Der Spitzboden wird zu einem weiteren hellen Wohnraum. Ein Windfang, der gleichzeitig den Haupteingang bildet, verbindet den Alt- mit dem Neubau. Ebenfalls hinzu gekommen sind ein überdachter Parkplatz und eine überdachte Terrasse.
Solares Bauen
Das Konzept sah ein Null-Energie-Haus vor, welches den gesamten Energiebedarf für das Haus mit erneuerbaren Energien erzeugt. Realisiert wurde ein Gebäude das CO₂-neutral im Betrieb funktioniert und weitestgehend energieautark ist: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und eine solarthermische Anlage decken zum größten Teil den Bedarf an Energie für Warmwasser und Heizung ab. Die Solarkollektoren auf dem Dach des Anbaus sind mit der Wärmepumpe kombiniert und liefern das ganze Jahr Wärme. Außerdem werden solare Gewinne durch die Dachfenster während der Heizperiode erzielt. Der Rest – noch ca. ein Drittel des Energiebedarfs – für den Haushaltsstrom, den Kompressor der Wärmepumpe und den Strom für die „Hilfsenergie“ produzieren Photovoltaik-Module, ebenfalls auf dem Dach des Anbaus installiert. Die PV-Anlage gewinnt im Sommer mehr Energie, die sie mangels einer Speichermöglichkeit ins Netz einspeist, und sich im Winter „zurückholt“. Die Steuerungsanlage der Dachfenster wird durch Solarstrom betrieben.
Das Haus wird ständig überwacht: Ein Bildschirm im Treppenhaus zeigt die aktuellen Temperaturen und CO₂-Gehalte, die Erträge der Solaranlage und den Verbrauch. Wenn zum Beispiel der CO₂-Gehalt, die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit eines Raumes zu hoch ist, gehen automatisch die Fenster auf.
Bautafel
Architekten: Katharina Fey, TU Darmstadt (Konzept); Manfred Hegger, TU Darmstadt (Entwurfsplanung)
Projektbeteiligte: Ostermann Architekten, Hamburg (Ausführungsplanung); HL-Technik/ Klaus Daniels, München (Energiekonzept); Peter Andres, Hamburg (Lichtkonzept); TSB-Ingenieure/ Karsten Tichelmann, Darmstadt (Statik)
Bauherr: Velux Deutschland, Hamburg
Fertigstellung: 2010
Standort: Katenweg 4, 21109 Hamburg
Bildnachweis: Velux Deutschland, Hamburg; Adam Mørk, Kopenhage/DK
Zum Thema
- Photovoltaik auf dem Dach
- Solarwärme
- Solarstrom
Surftipps
www.baunetzwissen.de/Heizung > Luft/Wasser-Wärmepumpen
