Festspielhaus Hellerau in Dresden
Brandmeldeanlage mit differenzierten Rauchmeldern
Heinrich Tessenow erbaute 1910/11 die Anlage des Festspielhauses Hellerau, die ein wesentlicher Bestandteil der gleichnamigen historischen Gartenstadt ist und heute unter Denkmalschutz steht. Um 1910 war das Haus als "Bildungsanstalt für Musik und Rhythmik" Treffpunkt internationaler Künstler und ein bedeutender Kulturort innerhalb Europas. In den späten 30er Jahren wurde das Gelände für militärische Zwecke umgenutzt; nach Kriegsende bis 1992 diente es der sowjetischen Armee als Standort. Der bauliche Zustand war dramatisch, als das Areal schließlich an die Europäische Werkstatt für Kunst und Kultur Hellerau e.V. übergeben wurde.
Durch den Wiederaufbau als "Forum zeitgenössischer Kunst und Kultur" soll an seine Glanzzeiten angeknüpft werden und eine Institution mit Bedeutung für den europäischen Gedanken entstehen. Dafür wurde das Festspielhaus weitgehend in seine ursprüngliche Form von 1911 versetzt und Veränderungen der 30er Jahre wurden zurückgebaut. Um Theater- und Tanzaufführungen zu ermöglichen, sind Künstlergarderoben und Lagerräume nun im Kellergeschoss untergebracht. Kassen, Besuchergarderobe und Sanitärräume liegen zu beiden Seiten des Foyers. Jeder Bereich des lang gestreckten Saals ist als Spielfläche nutzbar, auch das Publikum kann überall platziert werden. Ein höhenverstellbares Tafelbodensystem schafft dort eine Bühnensituation, wo früher der Orchestergraben lag, die Bühnentechnik ist in die offene Dachkonstruktion integriert.
Das Haus liegt innerhalb einer Hofanlage mit vier Freiflächen: Dem Vorplatz, dem Produktionshof, dem Wohnhof und dem Garten. Diese entwickeln sich auch aus der Funktion der angrenzenden Gebäude (Gastronomie, Gästehaus, Produktion, Atelier und Verwaltung) und können nach Bedarf zusammen genutzt werden. Der neu gefasste Garten an der Nordseite des Hauses mit Wiese und altem Baumbestand dient als Ruhepol des Geländes, ist aber wie alle anderen Freiflächen auch als Spielort nutzbar.
Sicherheitstechnik
Ein wesentliches Ziel der Sanierung war der Schutz der Zuschauer im Brandfall. Dafür wurde die Brandmeldeanlage mit einer elektroakustischen Evakuierungsanlage (ELA) und Rauch-Wärme-Abzugseinrichtungen kombiniert. Eine Herausforderung waren die hohen Anforderungen der Architekten und des Denkmalschutzes, denn die technische Nachrüstung des Gebäudes samt aller Kabelwege sollte so wenig sichtbar wie möglich sein.
Rauchansaugsysteme überwachen das Foyer und ermöglichen damit eine frühere Branderkennung als herkömmliche Rauchmelder, denn sie entnehmen über das angeschlossene Rohrsystem kontinuierlich Luft aus dem Überwachungsbereich. Diese Luftproben werden der Detektionseinheit zugeführt und darin mit einem Rauchmelder auf Partikel in geringsten Konzentrationen überwacht.
Lineare Rauchmelder sichern den weit gespannten Zuschauersaal. Über einen Infrarot-Lichtsender und -empfänger in Verbindung mit einer zusätzlichen Distanzmessung werden feinste Fremdkörper erkannt. Möglich ist bei dieser Technologie die dynamische Signalauswertung mit einer Detektion, die den jeweiligen Umgebungsbedingungen angepasst ist.
In den übrigen Räumen sind rund 200 optische Rauchmelder mit erhöhter Ansprechempfindlichkeit zur Frühwarnung vor rauchbildenden Flammen- und Schwelbränden im Einsatz. Bei diesen streut eindringender Rauch das Licht des Infrarotstrahls im Melder. Überschreitet die Streuung einen bestimmten Wert, wird ein Gefahrensignal zur Zentrale übermittelt. Das optoelektronische System gewährleistet ein durchgängiges Ansprechverhalten über ein breites, von hell bis dunkel reichendes Rauchspektrum.
Für eine manuelle Alarmierung sind 46 Druckknopfmelder installiert. Im Alarmfall steuert die Brandmeldezentrale automatisch die Anlagen zur maschinellen Entrauchung und zur akustischen Evakuierung an. Im Zuschauersaal sorgen große Hornlautsprecher als Sonderlösung für eine optimale Tonqualität im Notfall.
Bautafel
Architekten: Meier-Scupin & Partner, München
Projektbeteiligte: Hahn und Kollegen, Dresden (Bauüberwachung); Siemens Building Technologies, Dresden (Sicherheitskonzept); Zibell Willner und Partner, Dresden (Haustechnik); BDP, München (Bühnentechnik)
Bauherr: Landeshauptstadt Dresden, Hochbauamt
Fertigstellung: 2006
Standort: Karl-Liebknecht-Str. 56, Dresden
Bildnachweis: Jörg R. Oesen, Dresden
