Technisches Rathaus Leipzig
Mehrfach gesichertes mechanisches Schließsystem
Die wichtigsten Ämter der Stadt Leipzig sind seit 2010 in einem Gebäudekomplex vereint, der ursprünglich für die Allianz Versicherung kurz vor der Jahrtausendwende errichtet wurde. Drei langgestreckte, zumeist sechsgeschossige Häuser fassen eine wichtige Magistrale ins Zentrum der Messestadt: die Prager Straße. Verglaste Brücken verbinden die Gebäudeteile, die begrünten Zwischenbereiche sind durchfahrbar und bieten Raum für Fahrradstellplätze. Die langen Riegel sind auf der Rückseite durch regelmäßige Anbauten gegliedert, die wie Finger in die Landschaft greifen, so dass kleine, weitgehend grüne Höfe entstehen. Für die PKWs der Mitarbeiter stehen im Untergeschoss Stellplätze auf zwei Ebenen einer Tiefgarage zur Verfügung.
Ein achtgeschossiger Kopfbau richtet sich an einer Kreuzung zur Stadtmitte und kennzeichnet das neue Technische Rathaus, das nach Plänen der Architekten RKW Rhode Kellermann Wawrowsky unter Federführung von Drees & Sommer Leipzig saniert und umgebaut wurde. Bereits Ende 2007 hatte die Allianz Versicherung das zu diesem Zeitpunkt völlig überdimensionierte Gebäude verlassen. Nach einjährigem Leerstand bekundete die Stadt Leipzig ihr Interesse und der Komplex mit insgesamt 45.000 m² BGF wurde im Jahr 2009 nach den Bedürfnissen von zehn verschiedenen Ämtern (Umweltschutz, Ordnungsamt, Sozialamt, Hochbau- und Tiefbauamt, Bauordnung und Denkmalpflege u. a.) umgestaltet.
Diese Umgestaltung erfolgte für die meisten Bereiche innerhalb eines denkbar kurzen Zeitrahmens von fünf bzw. sechs Monaten. Dabei blieb die Fassade weitgehend erhalten, nur die ebenerdigen Ladenflächen wurden vollständig entkernt und neu aufgebaut, Außentüren wurden hier durch Fenster ersetzt. In den übrigen Etagen wurden Trockenbauwände abgerissen und neue errichtet, um sie den spezifischen Erfordernissen anzupassen und die Räumlichkeiten für Sachbearbeiter, Amtsleiter, Sekretariate etc. zu differenzieren.
Für einen reibungslosen und sicheren Ablauf der Bauarbeiten wurden für jedes Gebäude eigene Trockenbau- und Malerunternehmen beauftragt, die bei einem möglichen Ausfall eines der Unternehmen das Nachbargebäude hätten übernehmen können. Künstliche Mineralfaser-Dämmung (KFM) in allen Wänden und Decken des Bürohauses aus den späten 1990er Jahren machte eine vollständige Abschottung einzelner Sanierungsbereiche notwendig. Der Einsatz dieser Dämmstoffe ist mittlerweile verboten - die winzig kleinen Fasern können ähnlich wie Asbest Krebs erzeugen und erforderten das Arbeiten in Schutzanzügen.
Im Zuge der Sanierungsarbeiten wurden auch die Elektroinstallationen einschließlich EDV-Verkabelung und Beleuchtung erneuert. Die Häuser erhielten einen neuen innen- und außenliegenden Sonnenschutz, sämtliche Wände wurden gestrichen und die Bodenbeläge ersetzt; die Be- und Entlüftungsanlage wurde überarbeitet.
Sicherheit
Die Integration der verschiedenen Ämter, verteilt auf drei Gebäude, und die Wegeführung der jeweiligen Mitarbeiter waren spezielle Herausforderungen bei der Konzeption der Schließanlagen für das Technische Rathaus Leipzig. Eingebaut wurden 1.600 Zylinder für insgesamt 14 verschiedene Schlüsselgruppen in unterschiedlicher Stückzahl. Jedes Amt, also beispielsweise das Ordnungs- und das Sozialamt, aber auch die Techniker oder das Reinigungspersonal bilden eine Benutzergruppe. Die Mitarbeiter jedes Amtes können mit ihrem Schlüssel auch gebäudeübergreifend alle für ihren Bereich relevanten Türen öffnen. Für jedes Büro wurden mindestens drei Schlüssel angefertigt.
Alle Schlüssel sind mit einem mehrfach überlappenden Profil versehen, über das jede Schließberechtigung auf bis zu vier Sicherheitsebenen überprüft wird. Alle Mitarbeiter samt der ihnen ausgehändigten Schlüssel sind in einem so genannten Schlüsselausgabebuch erfasst. Die Belegung der Zimmer setzt die Stadtverwaltung fest, die Schlüssel werden persönlich ausgehändigt und verfügen über einen speziellen Kopierschutz. Das Kopieren eines Schlüssels ist nur mithilfe einer Sicherungskarte möglich. Der technische Leiter des Stadthauses zeigt sich zufrieden mit dem Schließsystem und überzeugt vom robusten Material: keinerlei Spuren zeige der Generalschlüssel von seinem sehr häufigen Einsatz. Er ist gefertigt aus besonders hartem und beständigen Neusilber, mit einem relativ breiten Querschnitt, um Fehlfunktionen der überlappenden Profile auszuschließen. Die Bauweise der Zylinder schützt vor Picking und Abtasten, Elemente aus Hartmetall sichern gegen Aufbohren und ziehen des Zylinderkerns.
Bautafel
Architekt: RKW Rhode Kellermann Wawrowsky, Leipzig
Projektbeteiligte: Drees & Sommer (Projektsteuerung und -leitung); Aktiv Sicherheitstechnik Ulrike Kopbauer, Leipzig (Sicherheitstechnik); Evva, Wien/A (Schließsystem EPS)
Bauherr: Stadt Leipzig
Fertigstellung: 2010
Standort: Prager Straße 118 – 136
Bildnachweis: Drees & Sommer, Leipzig (1,2); Wolfgang Weimer für RKW Rhode Kellermann Wawrowsky, Leipzig (3-6); Stadt Leipzig (7)
