Sonderlabore der Universität Leipzig

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Hohe Sicherheitsanforderungen für Gentechniklabor

Mit einem hellen Würfel für die Sonderlabore der Universität Leipzig fügten Schulz & Schulz Architekten dem bestehenden Gebäudeensemble einen klaren, modernen Baustein hinzu. Genutzt werden die Laborräume für Forschungsarbeiten der Fachbereiche Biologie, Biochemie, Psychologie und Pharmazie.

Der Solitär markiert zusammen mit dem Gebäude der Hautklinik auf der anderen Seite die Einfahrt zur Stephanstraße. Auf quadratischem Grundriss orientiert sich seine Kubatur an den Fluchten der umgebenden Bebauung, wahrt zu dieser jedoch Distanz und betont zugleich die Blockecke. An der Stephanstraße sind Alt- und Neubau durch einen geschlossenen, eingeschossigen Steg verbunden, der dem Transport von temperaturempfindlichen Materialien dient. Auf dieser Gebäudeseite liegt auch der Eingang im Bereich des Durchgangs zum Hof. 

Die Grundrisse sind klar und übersichtlich dreibündig strukturiert: Die Labor- und Messräume orientieren sich nach Osten und Westen, aus dem zentralen Flurbereich entstehen Blickbezüge nach außen. Erschließung, Nebenräume und Schächte konzentrieren sich in dieser Mittelzone. Die Innenräume folgen einem Raster von 1,25 x 1,25 m, Grundmodul des Entwurfs ist ein dreiachsiger Laborraum von etwa 3,75 x 5,5 m. Das Gebäude ist ein Massivbau mit tragenden Außenwänden aus Stahlbeton. Seine Fassade ist durch quadratische Lochfenster gegliedert, deren Brüstungs- und Sturzhöhe sich am benachbarten Altbau orientieren.

Sicherheit
Aus Sicherheitsgründen ist das Laborgebäude mit einem Stabgitter umzäunt. Eine Wirtschaftstür gestattet befugtem Personal den Zutritt, von der Stephanstraße wird zu Dienstzeiten der einflügelige Zugang durch eine Zaun-/Toranlage gewährt. Im Gebäude sind fast ausschließlich spezielle Labore und hochspezifische Messräume mit teilweise hohen Sicherheitsanforderungen und umfangreicher Ausstattung untergebracht (dazu gehören Durchreicheautoklaven zur Sterilisierung von Gütern und Abfällen, die nach außen gebracht werden, Abzüge, Sicherheitswerkbänke, Schallkabinen). Die Etage, in der sich die Isotopenlaboren befinden, erforderte besondere Maßnahmen zur Luftführung und -filterung. Ein Gentechniklabor der Sicherheitsklasse 3 (eingeschätzt als mäßiges Risiko für die menschliche Gesundheit) weist zahlreiche Besonderheiten auf. Seine gesamte Konstruktion muss dem Feuerwiderstand G90 entsprechen, so dass eine Brandschutzverglasung und mit Brandschutzplatten gefüllte Stahlprofile zum Einsatz kamen. Außerdem wurden hier verriegelnde Schleusentüren, eine Hochdruck-Wassernebel-Löschanlage und ebenfalls ein Durchreicheautoklav eingesetzt. Dieser ist mit einem internen Druckschott ausgestattet, um eine unkontrollierte Luftverbindung zwischen dem S3-Labor und der Umgebung zu verhindern. Ein zusätzlicher Verriegelungsmechanismus schließt das Öffnen der Kammer ohne vorherige Kammersterilisation aus.

Das Untergeschoss ist für eine bessere Belichtung teilweise als Gartengeschoss ausgebildet; hier und im Erdgeschoss sind die Fenster für erhöhten Einbruchschutz mit Verbundsicherheitsglas und Pilzkopfverriegelung ausgestattet. In den Isotopenlaboren stellen abschließbare Griffoliven sicher, dass die Fenster während des Einsatzes radioaktiver Substanzen nicht irrtümlich geöffnet werden können. Der äußere Zugang zum Aufzug ist gegen Einbruch mit einer aufgedoppelten, bündig eingelassenen und betonverkleideten Metalltür geschützt. Diese Tür dient auch als barrierefreier Zugang zum Gebäude, wird motorisch betrieben und ist ebenso wie die doppelflügelige Türanlage des Haupteingangs über eine elektronische Zutrittskontrolle gesichert.

Die Türen zu Keller- und Technikräumen sind mit Stahlblatt und Stahlzarge ausgeführt und teilweise elektronisch über eine Transpondervorrichtung oder mit Profilzylindern gesichert. Die Türen zu den Labor- und Messräumen sind mit Holzwerkstoffblatt (45 mm) und Umfassungszarge aus Stahl in Rauchschutzqualität mit Obentürschließern und Bodenabsenkern ausgebildet. Die Türen zu den Schleusen im Isotopen- bzw. S3-Bereich Gentechnik werden zusätzlich über Steuerungselemente überwacht, die eine wechselseitige Verriegelung sicherstellen. Im Brandfall dient eine Türanlage im Flur als Fluchtweg, so dass nur die äußere Schleusentür einen Panikbeschlag erhielt. Sind die Isotopen-Labore mir radioaktiven Substanzen belegt, können sie nur über die Schleuse begangen werden. Zur Absicherung dienen Schlüsselschalter, die in den übrigen Türen Haftmagnete ansteuern. Diese sind zugleich an die Brandmeldeanlage angeschlossen und werden im Notfall freigegeben. In der Schleuse befinden sich ein Waschbecken (berührungslose Armatur) mit Waschwassersterilisation, Schränke für Schutzbekleidung und eine Bank.

In den Eingangsbereichen aller Labore befinden sich Notduschen und zentrale Not-Aus-Taster für die Stromversorgung. Diejenigen, die mit Druckgasen versorgt werden, sind mit einem Notausschalter versehen, der deren Einspeisung über Magnetventile unterbricht. Da es sich bei den Sonderlaboren um Arbeitsplätze mit besonderer Gefährdung handelt, wird die Sicherheitsbeleuchtung über eine Zentralbatterienanlage versorgt. Die Sicherheitsleuchten werden über Einzelleuchtenüberwachung kontrolliert. Sämtliche relevanten Informationen und Alarme (Niederspannungshauptverteilung, Brandmeldeanlage, Zutrittskontrollanlage, Einbruchmeldeanlage, Fluchttürsteuerungsanlage) werden an die Technikzentrale der Gebäudeleittechnik weitergegeben.

Bautafel

Architekten: Schulz & Schulz, Leipzig
Projektbeteiligte: Staupendahl und Partner, Leipzig (Tragwerksplanung und Wärmeschutz); IBG Ingenieurbüro, Leipzig (Planung Haustechnik); IKL + Partner, Leipzig (Elektroplanung)
Bauherr: Freistaat Sachsen, SIB Niederlassung Leipzig
Fertigstellung: 2009
Standort: Stephanstraße 24, 04103 Leipzig
Bildnachweis: Werner Huthmacher, Berlin

Architektenprofil

Schulz und Schulz
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