Sicherheitsstützpunkt Biberbrugg/CH

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Solide Festung am Hang

In der geografischen Mitte des Kantons Schwyz vereint der Sicherheitsstützpunkt Biberbrugg die zuvor im gesamten Kantonsgebiet verstreuten Abteilungen wie Kantonspolizei, Verhöramt und den Strafvollzug des Justizdepartements unter einem Dach. An einem zentralen Verkehrsknotenpunkt in der Nähe vom Bahnhof gelegen, wird das Grundstück am Hang auf der östlichen Talseite durch den Alpbach begrenzt. Auf der westlichen Hangseite dominiert eine markante Straßenbrücke das Ortsbild, die über dem Bahnhof und den übrigen Dächern zu schweben scheint. Die Kantonsstraße verläuft über diese Brücke, die aufgrund ihrer Hochlage den Raum bestimmt. Die beiden verschränkten, schlichten rechteckigen Baukörper des Stützpunktes orientieren sich zu ihr hin.

Der Zugang erfolgt von der Straße aus. Hier erscheint der lang gestreckte, viergeschossige Verwaltungstrakt passend zu seiner öffentlichen Aufgabe besonders präsent. In den unteren drei Geschossen ist die Polizei untergebracht, im dritten Obergeschoss das Verhöramt. Ein Spezial-Lift für die Zuführung der Gefangenen verbindet diesen Verwaltungsbereich mit dem Gefängnis. Aus Gründen der Sicherheit befindet sich das Gefängnis rückwärtig in einem flachen Sockelbau zum Flussraum und ist von diesem durch eine hohe Mauer getrennt. Im ersten Obergeschoss befinden sich drei offene "Spazierhöfe".

Die Fassaden aus Sichtbeton verbinden beide Gebäudeteile und erzeugen eine monolithische Wirkung. Der Bau strahlt Solidität aus, wirkt wie aus einem Guss. Ein deutlicher Unterschied liegt in der Art und Größe der Fensteröffnungen, die das innere Raumsystem widerspiegeln. Hier kehrt sich das Verhältnis von geschlossenen und offenen Flächen um - das Gefängnis zeigt sich dementsprechend nach außen wesentlich verschlossener als die Verwaltung.

Das Farbkonzept im Gefängnistrakt soll den Ablauf eines Tages mit Licht und Schatten symbolisieren. Die Betonwände der Korridore sind mit kühlem Gelb und warmem Blau gestaltet. Die Trennwand zwischen Zellenkorridor und einzelnen Zellen ist karamellbraun, die Decken der Zellen sind hellblau, um ein virtuelles Stück Himmel zu erzeugen. Im Verwaltungstrakt sind die Türleibungen mit hellgelben Streifen und das Treppenhaus mit einer ultramarinblauen Rückwand versehen.

Sicherheitstechnik
Zwei Faktoren begünstigen die allgemeine Sicherheit: Zum einen der zentrale Standort für alle Nutzungen an einem verkehrstechnisch günstigen, ansonsten aber eher abgeschiedenen Ort. Zum zweiten wurden die Funktionen bewusst in zwei Bereiche aufgeteilt, die unterschiedlich hohe Öffentlichkeit besitzen und dementsprechend unterschiedliche sicherheitstechnische Anforderungen haben: Der gesamte Publikums- und Autoverkehr, die Erschließung und öffentlichen Nutzungsbereiche sind zur Straße hin orientiert, das Gefängnis und der Hof liegen abgewandt auf der Rückseite, begrenzt durch einen kleinen Fluss.

Die Pforte liegt zentral auf der rechten Seite der Eingangshalle und verfügt über eine direkte Sichtverbindung zur Personenschleuse, zur Fahrzeugschleuse und zum straßenseitigen Vorgelände. Insgesamt 27 Zellen sind im Gefängnistrakt untergebracht und in verschiedene Abteilungen für Untersuchungshaft, Halbgefangenschaft (Ruhe- und Freizeit in Haft, Arbeit oder Ausbildung außerhalb), Strafvollzug und Ausschaffungshaft (Abschiebehaft) getrennt. Die Lage der Schleusen ermöglicht eine flexible Zuordnung und damit das Reagieren auf wechselnde Belegungszustände bei den einzelnen Haftarten.

Eine hohe Mauer begrenzt den Freibereich vor den Zellen zum Fluss hin, die drei Spazierhöfe mit Außenklima im Obergeschoss sind ebenso sicherheitstechnisch abgeschlossen von der Außenwelt. Neben diesen baulichen Sicherheitsmaßnahmen wird der Stützpunkt umfassend technisch überwacht und kontrolliert. Die gesamten Maßnahmen unterliegen jedoch bei diesem und anderen Gefängnisbauten strengster Geheimhaltung und dürfen nicht veröffentlicht werden. -us

Bautafel

Architekten: Andreas Rigert + Patrick Bisang, Luzern/CH
Projektbeteiligte: Balestra AG, Ingenieure und Planer, Schwyz (Statik); Karl Steiner AG, Zürich (Generalunternehmer); Amstein + Walthert Haustechnikplaner, Luzern (HLKSE-Planung); Amstein+Walthert Sicherheit AG, Oberentfelden (Sicherheitsplanung)
Bauherr: Kanton Schwyz, Baudirektion, Hochbauamt
Standort: Bahnhof Biberbrugg
Fertigstellung: Dezember 2006
Bildnachweis: Andreas Rigert + Patrick Bisang, Luzern/CH

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