„Safe House“ bei Warschau

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Wandelbare Festung

Sein Wohnhaus sollte ein Gefühl maximaler Sicherheit vermitteln - so der Wunsch eines Bauherrn für sein Eigenheim in einem kleinen Dorf am Rande Warschaus. Umgeben von schlichten Baukörpern der 1960er Jahre und einigen alten Holzscheunen entwarfen die Architekten von KWK Promes aus Kattowitz ein modernes Haus, dass sich nach außen gänzlich abschottet. Von der Straße ist es zunächst über eine durchgehende, geschosshohe Mauer abgetrennt. Aber auch die Fassade des Gebäudes lässt sich vollständig schließen. Ist dies der Fall, erscheint der zweigeschossige Flachbau auf rechteckigem Grundriss als monolithische, dunkelgraue Kiste.

Seitlich über einen Verbindungsgang sowie eine Zugbrücke angedockt ist ein langer und schmaler, eingeschossiger Riegel mit Swimmingpool. Dessen Dach wird über die Zugbrücke erschlossen und dient als Terrasse, die den Bewohnen einen schönen Ausblick auf den weitläufigen Garten mit altem Baumbestand bietet. Die Bereiche zum Wohnen und Essen orientieren sich zum Garten nach Süden, sind offen gestaltet und auf beiden Ebenen nur über Schiebetüren abtrennbar. Zentral im Raum steht die Treppe, Nebenräume und kleinere Individualräume sind zur Straße hin nach Norden angeordnet.

Sicherheit
Über bewegliche Wände und Wandteile lässt sich das Gebäude öffnen oder schließen. Damit verändert sich in hohem Maße seine Durchlässigkeit nach außen und letztlich sein „Gesicht". Sobald sich die Fassade zum Garten öffnet, fahren seitliche Wände auf der Ost- und Westseite bis an die Mauer auf der Eingangsseite und bilden mit dieser einen Innenhof. Wird ein Besucher durchs Tor hineingelassen, wartet er zunächst in diesem Hof, bis er durch die mittige, schmale Tür Zutritt zum Haus erhält. Zugleich verhindern die ausgefahrenen Mauern, dass Kinder, die im Garten spielen, unkontrolliert zur Straße laufen können. Die Sicherheitszone des Hauses wandelt sich also im Zusammenhang mit dem Tagesablauf: In der Nacht verschließt sich der Baukörper, am Tage öffnet er sich und erweitert seine Begrenzungen.

Die gleitenden Wände sind 2,2 m hoch und 15 bzw. 22 m lang. Sie sind nicht die einzigen beweglichen Elemente der Gebäudehülle: Um bis zu 180° lassen sich die 2,8 m hohen und teilweise 3,5 m breiten Fensterläden aufklappen. Auch die Zugbrücke, über die eine seitliche Dachterrasse erschlossen wird, ist naturgemäß ein- und ausklappbar. Die gesamte Südfassade zum Garten lässt sich über ein gigantisches Rolltor öffnen oder schließen; für gewöhnlich stattet der Hersteller der Tore Werften und Flughäfen aus. Das sechs Meter hohe und 14 Meter breite Tor ist aus eloxiertem Aluminium gefertigt und lässt sich auch als Projektionsfläche für Filme nutzen.

Alle beweglichen Elemente werden von einer Technikzentrale im Erdgeschoss über Elektromotoren gesteuert. Die feststehenden Teile des Hauses sind aus Beton, die mobilen als leichte, mit Mineralwolle gedämmte Stahlkonstruktionen errichtet. In geschlossenem Zustand entsteht so eine durchgehend gedämmte Gebäudehülle. Diese ist mit wasserdichten, zementgebundenen Holzplatten verkleidet, die einen dunklen Holzanstrich erhielten und sich damit gut in die ländliche Umgebung einfügen.

In geöffnetem Zustand gehen die hellen und geräumigen Wohnbereiche fließend in den Garten über. Große Glasflächen ermöglichen passive Solargewinne im Winter, verhindern aber eine Überhitzung im Sommer. Über Nacht, wenn die Fassaden geschlossen sind, kann die gewonnene Wärme gespeichert werden. Die Energieversorgung erfolgt über ein Solarsystem mit Wärmepumpe, ergänzt durch eine Gasheizung sowie eine mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Angestoßen durch die Idee für ein besonders sicheres Haus entstand so letztendlich ein Gebäude, dessen innerer Rhythmus äußerlich ablesbar ist, das morgens „aufwacht" und sich abends wieder verschließt. -us

Bautafel

Architekt: KWK Promes, Kattowitz
Projektbeteiligte: Grzegorz Komraus, Aleksander Pałach, Kattowitz (Statik) Magdalena Radałowicz-Zadrzyńska, Kattowitz (Innenarchitektur)
Bauherr: privat
Fertigstellung: 2009
Standort: bei Warschau
Bildnachweis: Aleksander Rutkowski, Warschau