Centre Pompidou in Metz

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Umfassendes Sicherheitskonzept für Besucher und Kunstwerke

Mit der Eröffnung einer Filiale der erfolgreichen Kulturinstitution Centre Pompidou ist die französische Stadt Metz um eine Attraktion reicher. Als Anziehungspunkt für Touristen aus dem In- und Ausland steht unweit des Bahnhofes eine Symbiose aus weiß gespanntem China-Hut und gestapelten, schmalen, langen Kästen, die diesen durchdringen. Das auffallende Bauwerk nach Plänen des Japaners Shigeru Ban und des Franzosen Jean de Gastine verbindet nach Aussage der Architekten die notwendige Funktionalität mit architektonischer Zeichenhaftigkeit. Zur äußeren Form für die von der Stadt Metz gewünschte Event-Architektur wurde Shigeru Ban durch einen traditionellen chinesischen Hut inspiriert. Die Innenräume dienen in erster Linie der Präsentation der Kunstsammlung des Centre Pompidou und sollten laut Jean de Gastine zuallererst funktionalen Kriterien genügen.

Die Dachkonstruktion besteht (ähnlich dem Flechtwerk des besagten China-Huts) aus einer hölzernen Gitterkonstruktion in Form hexagonaler Waben. Die einzelnen sechseckigen Elemente aus mehrlagig laminierten Fichtenpaneelen haben einen Durchmesser von 90 cm. Die meist in zwei Richtungen geschwungenen, bis zu 14 m langen, 44 cm breiten und 14 cm starken Dachpaneele wurden im Werk mit einer CNC-gesteuerten Robotsäge gefertigt. Das gesamte Wabengitter einem Durchmesser von 90 m spannt bis zu 40 m freitragend über die gesamte Anlage. Die Segmente des Schirms sind am höchsten Punkt in 37 m Höhe an einem stählernen Ring und weiteren Ringen im unteren Bereich befestigt. Die zu vier Strängen gebündelten Leimbinderleisten werden Baumstrünken ähnlich zusammengeführt und sind am Boden in Betonfundamenten verankert. Die überspannende Textilmembran ist eine mit PTFE (Polytetrafluorethylen/Teflon) beschichtete Glasfaser und leitet das Regenwasser an den vier Fußpunkten in unterirdische Tanks.

Die Ausstellungsräume im ersten, zweiten und dritten Obergeschoss befinden sich in 80 m langen, 14 m breiten und fünf Meter hohen, übereinander gestapelten Boxen. Diese sind jeweils um etwa 45° in Längsrichtung verdreht und an den Stirnseiten verglast, so dass sie wechselnde Ausblicke zur Stadt ermöglichen. Das Foyer im Eingangsbereich ist gefasst durch eine transparente Hülle aus gewellten Polycarbonatplatten und Verglasungen, die bis an die wogende Dachkonstruktion heranreichen. Beim Eintritt eröffnet sich den Besuchern die eindrucksvolle Dachuntersicht bis zum obersten Stahlring, in dessen Zentrum der Erschließungsturm führt. Im Anschluss an ein geräumiges Foyer mit Kassen und Museumsshop folgen die im Erdgeschoss nach oben offenen Ausstellungsbereiche, des Weiteren befinden sich hier unter anderem Räume für Veranstaltungen.

Sicherheit
Gerade in Zeiten erhöhter Sicherheitsstufen aufgrund konkreter oder auch unbestimmter Terrorwarnungen gelten für einen touristischen Anlaufpunkt wie das Centre Pompidou besondere Sicherheitsvorkehrungen. So wurde die Zahl des Sicherheitspersonals erhöht, das Gebäude durch Poller und andere Barrieren weiträumig vom Fahrverkehr abgesperrt und Besucher werden über mobile Geländersysteme gelenkt, ihr Andrang eingeschränkt und kanalisiert. Der Einlass erfolgt gruppenweise, Einzelne werden nach Bedarf überprüft.

Unabhängig von einer temporären Terrorgefahr müssen die wertvollen Kunstwerke der Sammlung Centre Pompidou besonders geschützt werden. Die gesamte Gebäudehülle, alle Ein- und Ausgänge sowie die Notausgänge im Inneren sind videoüberwacht. Lineare Markierungen auf dem Boden in etwa 40 cm Abstand vor Gemälden dürfen nicht überschritten werden, die Bilder sind über Sensoren (Bildermelder) gesichert, die bei Berührung Alarm auslösen.

Im Brandfall dienen neben dem Treppenhaus im zentralen Erschließungsturm ein Treppenhaus unweit des Eingangs und zwei weitere im hinteren Teil des Gebäudes als Fluchtwege. Die drei Galerien (Boxen) in den oberen Geschossen sind mit Gitterdecken ausgestattet, die eine gedämpfte, aber auch direkte Ausleuchtung der Kunstwerke ermöglichen. Dort sind außerdem Brandmelder sowie eine Sprinkleranlage installiert. Die Innenräume einschließlich der Gitterdecken sind durchgehend weiß gestaltet, so dass nicht nur die farbigen Malereien und Objekte, sondern auch die Sicherheitsbeleuchtung und Leitsysteme auffallen. Die Sicherheitsbeleuchtung ist erhöht befestigt, um die Wirkung der ausgestellten Werke nicht zu beeinträchtigen. Das geradlinige Leitsystem aus silberfarbenen Buchstaben und Piktogrammen ist direkt auf die verputzten Wände aufgeklebt. Es fällt durch seinen sanft schillernden Glanz in der weißen Umgebung auf, ordnet sich zugleich aber dezent der bewegten Architektur unter.

Bautafel

Architekten: Shigeru Ban, Tokyo und Jean de Gastines, Paris
Projektbeteiligte: Ove Arup, London (Tragwerksplanung Entwurfsphase); Terrell Group, Paris (Statik Bauphase); Hermann Blumer, Waldstatt (Struktur Holzdach); Holzbau Amann, Weilheim-Bannholz (Hersteller Holzdach); Taiyo Europe, München (Hersteller Membran); Cabinet Casso & Cie, Paris (Sicherheitsberatung); Scénarchie, Saint-Denis (Ausstellungskonzeption)
Bauherr: Centre Pompidou-Metz
Fertigstellung: 2010
Standort: CA2M - Communaute d'Agglomeration de Metz-Metropole 1, Parvis des Droits de l’homme, 57000 Metz
Bildnachweis: Urte Schmidt, Berlin

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