Besucherzentrum Culloden in Iverness-Shire

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Schicht auf Schicht: Caithness Flagstone als Trockensteinmaueransicht

Im Gedenken an die Schlacht von Culloden wurde im Jahr 2007 in der schottischen Grafschaft Iverness-Shire ein neues Besucherzentrum eröffnet. Es liegt in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Kampffeld auf dem am 16. April 1746 die Schlacht von Culloden zwischen englischen, protestantischen Regierungstruppen und aufständischen, katholischen Jakobiten stattfand. Die Schlacht endete nach 25 Stunden mit dem Sieg der Engländer.

Das neue Zentrum entstand nach den Plänen des schottischen Architekten Gareth Hoskins aus Glasgow und bietet auf einer Fläche von 2.400 m² neben Ausstellungsflächen auch Bildungs- und Tagungseinrichtungen, Gastronomie, Museumsshop sowie Büro- und Verwaltungsräume; es ist für bis zu 250.000 Besucher pro Jahr ausgelegt. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit den renommierten Museumsdesignern Ralph Appelbaum entwickelt.

Der Entwurf versucht das Gebäude mit der Landschaft so weit wie möglich zu verschmelzen, um das historisch bedeutsame Schlachtfeld so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Die Form des Gebäudes ist durch lange Mauern definiert, die sich weit in die Landschaft erstrecken. Der Besucher kann entweder einem Weg durch die Ausstellung folgen, der ihn schließlich auf das Schlachtfeld führt, oder er betritt das Schlachtfeld direkt durch ein großes Tor, das sich am Schnittpunkt zweier Mauern befindet. Hier kreuzen sich die Memorial Wall, eine Schiefermauer entlang des Hauses, zum Gedenken der Opfer, und die Groyne Wall aus Holz, die den Besucher über eine lange Brücke vom Schlachtfeld auf das Gründach des Gebäudes führt.

Das hochgedämmte Besucherzentrum wird durch Holz aus den umliegenden Wäldern geheizt und erhielt eine Reihe von Anerkennungen, u.a. den RIAS Best Building in Scotland Award 2008 (Special Mention), den Civic Trust Award 2009 (Commendation) und dem Wood Award 2008 (Highly Commended).

Schiefer
Der verwendete Schieferstein heißt Caithness Flagstone, ein Sedimentgestein aus Caithness im nördlichsten Teil Schottlands, das in dieser Art auch nur dort zu finden ist. Caithness Stone wurde als Bodenbelag im Außen- und Innenbereich verwendet. Die Steinplatten variieren in ihren Maßen zwischen 20-80 cm in der Breite, 40-120 cm in der Länge und 2-12 cm in der Dicke. Für den Bodenbelag liegen die Steinplatten in konventionaler Weise auf einem Sandzementbett und erhielten eine Verfugung.

Außerdem wurde Schiefer auch für die etwa 60 m lange Memorial Wall verwendet, die entlang der Nordseite des Gebäudes an die über 1.200 Gefallenen der Schlacht von Culloden erinnert. Diese Mauer erhielt eine Bekleidung mit 25 cm tiefen Schieferplatten „flat-bonded“. Diese Art der Schichtung gewährleistet, dass der Mörtel nicht sichtbar ist, es entsteht der Eindruck einer Trockensteinmauer. Die hervorstehenden Steine, die in ihrer Zahl die Opfer auf beiden Seiten repräsentieren, sind mit der glatten gesägten Kante nach vorne verlegt, die restlichen Steine der Mauer mit ihrer naturbelassenen Bruchkante. Die Mauer ist nur außenseitig mit diesem Schieferverblender ausgestattet, innenseitig erhielt sie ebenfalls eine Schieferbekleidung, allerdings aus Platten, die dem Bodenbelag entsprechen (siehe Bild 19).

Die Architekten begründeten die Materialwahl so: „Caithness Stone ist ein durch und durch schottisches Material, das sowohl in der Landwirtschaft als Trockensteinmauer zur Begrenzung von Weideflächen vorkommt, als auch im städtischen Bereich als Außenbodenbelag. Die Verwendung lokaler Materialien war ein wichtiger Aspekt beim Entwurf des Besucherzentrums, sowohl aus ökologischen als auch ideologischen Gesichtspunkten. Der Steinbruch von Caithness liegt nur etwa 100 Meilen nördlich von Culloden, was den Transportweg im Vergleich zu allen anderen möglichen Steinarten deutlich verringert.“

Bautafel

Architekt: Gareth Hoskins Architects, Glasgow
Projektbeteiligte:
David Narro, Edinburgh (Statik); Gross.Max, Edinburgh/GB (Landschaftsplaner); Caithness Stone Industries, Caithness (Schiefer); Ralph Appelbaum Associates, London (Ausstellungskonzept)
Bauherr: National Trust for Scotland (NTS), Edinburgh
Fertigstellung: 2007
Standort
: Culloden Moor, Inverness, Highlands and Islands IV2 5EU

Architektenprofil

Gareth Hoskins Architects
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