Universitätsklinikum, Magdeburg
Strukturmatrizen
Der Neubau der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität gliedert sich in zwei Bauabschnitte, von denen der erste im August 2003 fertiggestellt wurde. Die Gebäude brechen mit der kleinteiligen Bebauungsstruktur des Campusgeländes und behaupten sich als siebengeschossige Volumen in der Kliniklandschaft. Beide Baukörper, das C-förmige Hauptgebäude an der Leipziger Straße und der tiefe Riegel des zweiten Bauabschnitts im Inneren des Grundstücks, sind über einen Gang baulich miteinander verbunden. Unterstützt wird die massive Wirkung der Gebäude durch die Fassadenverkleidung aus Betonfertigteilen in der ersten drei Geschossen, die dem Naturstein Granit nachempfunden ist. Granit in seiner Urform zeichnet sich sowohl durch seine grobe Struktur als auch durch eine besondere Farbzusammensetzung aus. Um diese Eigenheiten des Gesteins in Beton auszudrücken, wählten die Fassadenhersteller Strukturmatrizen als Basis für die Wiedergabe der Granitstruktur in Beton.
Beton:
Rund 1.100 Fertigteile mussten hergestellt und betoniert werden, um insgesamt 5.000 m² Fassadenfläche in Granitstruktur zu erhalten. Die mittlere Größe der Fassadenplatten lag bei höchstens ca. 5 m², es waren aber auch zahlreiche Kleinteile dabei. Betoniert wurde mit Sonderbeton, farbig eingefärbt, plus Granitzuschlag: Anthrazit mit Grünstich. Nach dem Absäuern und Hydrophobieren machte sich der Granit in der Fläche mit seinen Glimmeranteilen bemerkbar. Die Fassadenplatten bzw. Traversen aus „Granit“ stellte die Bauunternehmung im eigenen Fertigteilwerk her. Die Schwierigkeit: Granit hat in seiner Struktur „Berge und Täler“, also eine sehr unregelmäßige und stark strukturierte Oberfläche, die in den Ecken ohne sichtbare Übergänge zu schneiden und anzupassen war. Die gespiegelte Schalung hatte den betonierten „Granit“ so wiederzugeben, dass auch nicht der Hauch eines Stoßes oder einer Fuge zu sehen war. Auch der Bau der Sonderschalungen in Stahl war auf Grund der Einsatzhäufigkeit der einzelnen Teile sowie der Herstellung der Fertigteile für die vorgehängte, wärmegedämmte Fassade ein schwieriges Unterfangen. Dem Betonieren widmeten die Fertigteilspezialisten besondere Aufmerksamkeit: so war z. B. bei den C-förmigen Fertigteilen mit großen Schenkellängen vor allem auf sorgfältiges Rütteln bzw. Verdichten zu achten, um eventuelle Luftporen zu vermeiden.
Die Strukturmatrizen sind im Ortbetonbau sowie in Fertigteilwerken einzusetzen, ihre Materialeigenschaften erlauben mehrfache Einsätze.
Bautafel
Architekten: PLT OvG Planungsteam Otto-von-Guericke-Universität: BKS Bahno Köhnke Stoßberg, Hannover; Jochen Brandi, Göttingen
Projektbeteiligte: PBR Planungsbüro Rohling, Magdeburg (Statik); Firma Markgraf, Bayreuth (Fassade); Firma NOE (Strukturmatritzen)
Bauherr: Universitätsklinikum Magdeburg
Fertigstellung: 1. BA: August 2003
Standort: Magdeburg
Bildnachweis: Firma Markgraf, Bayreuth