Tunnel, Wald/A

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Frühausschalen durch „Aufhängung“ statt Unterstützung

Geplagt von Autokolonnen in Richtung Gerlos-Pass oder zu den Krimmler Wasserfällen hat die Salzburger Landesregierung den Bau einer teilweisen unterirdischen Umfahrung der Ortschaft Wald im österreichischen Pinzgau beschlossen. Mit einer Länge von 250 m und im fertigen Zustand wieder überschüttet fügt sich das Tunnelbauwerk harmonisch in die Landschaft ein.
Gebaut wird in offener Bauweise mit 21 Bauabschnitten zu je 12 m Länge.

Schalung-/Gerüstkonzeption
Mit einem Kunstgriff wird beim Tunnelbau für den schnellen Baufortschritt das Unmögliche möglich: Nach einer Abbindezeit von nur drei Tagen Ausschalen der Decke eines Rechteckquerschnittes ohne Rückunterstützung,
stattdessen: Aufhängen der Decke an einem Trägerrost.

Nicht nur das Konzept des Deckenschalwagens aus Schwerlaststützen, der in der Hauptsache aus Normteilen aufgebaut und damit ein lupenreines Mietgerät ist, beeindruckt bei diesem Bauvorhaben, sondern die technische Gesamtlösung in Verbindung mit einer fahrbaren „Notaufhängung“ der Decke. Diese Art der Rückunterstützung gewährleistet bei geringster Materialvorhaltung einen schnellen und gleichzeitig wirtschaftlichen sowie rationellen Bauablauf.
Das Betonieren der 12 m-Abschnitte im Wochentakt wäre hier der Normalfall. Im günstigsten Fall wird auf der Baustelle im Pinzgau jedoch zweimal pro Woche betoniert, Dienstag und Freitag; das ist der kürzeste realisierbare Takt. Verwirklichen lässt sich dieser Supertakt jedoch nur mit einer besonderen Art der Rückunterstützung: Die Decke wird aufgehängt! Spannstäbe inklusive Zusatzbewehrung werden in die Decke einbetoniert, über Zugstangen mit dem Trägerrost verbunden und verspannt.
Der Ablauf im Zeitraffer: Vor dem Ausschalen respektive dem Absenken des Deckenschalwagens verfährt der Trägerrost in die aktuelle Position, die „junge“ Betondecke wird über Zugstangen bzw. Ankerstäbe mit dem Trägerrost verbunden und verankert. Im System eingebaute Spione überprüfen die vorgegebene Spannkraft, ermöglichen die einfache Handhabung und geben Gewissheit, dass trotz verschiedener Systemsteifigkeiten von Trägerrost und Betondecke mit der Aufhängung eine echte „Notunterstützung“ simuliert werden kann.

Der Deckenschalwagen mit dem Traggerüst aus schweren Laststützen hält ein vorgegebenes Lichtraumprofil als Durchfahrtsöffnung für den Baubetrieb frei.

Bautafel

Projektbeteiligte: STUAG Bau GmbH, Salzburg/A
Bauherr: Landesregierung Salzburg
Fertigstellung: 2003
Standort: Wald im Pinzgau
Bildnachweis: NOE Schaltechnik