Montessori Schule, Aufkirchen

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Sprunghafte Radien

Mit der Montessori-Schule wird in Aufkirchen bei Erding die erste zertifizierte Passivhaus-Schule in Deutschland gebaut. Hochwärmedämmung, kontrollierte Lüftung sowie Wärmerückgewinnung kennzeichnen die Haustechnik, weitläufig geschwungene Wände in Sichtbeton charakterisieren den Rohbau.
Das markante Bauwerk scheint buchstäblich aus der Topographie der Landschaft heraus zu wachsen: Der Grundriss organisch, in S-Form geschwungen; das spätere Gründach nimmt den Schwung auf, läuft aus dem Boden von Null in kühnem Schwung bis auf etwa sieben Meter, fällt ab, nimmt über der Aula noch einmal Höhe auf, bis auf rund neun Meter, um dann wieder in sanftem Bogen in der Erde zu verschwinden.
Im Inneren dominieren weitläufig geschwungene Wände, die dem Grundriss in Form der lang gezogenen S-Kurve mit Kurvenradien in der Regel zwischen 15 m und 280 m, im Extremfall bis rund 400 m Radius folgen. Die Radien verändern sich nicht fließend, sondern sprunghaft, z. B. von einem Element mit Radius 17 m auf das nächste Element mit einem Radius von 170 m. Das ergäbe im Schalungsstoß einen Knick, den die Architekten nicht akzeptiert hätten, der jedoch von den Fachkräften der Baufirma durch Nach- und Neueinstellen der Rundschalung zum kontinuierlichen und harmonischen Kurvenverlauf gemacht wurde. Um den Schwung der Dachform aufzunehmen, verlaufen die Wände nicht nur kurvig, sondern auch ihrer Ansicht entsprechend wellenförmig. Sie fangen bei etwa + 2,30 m an, entwickeln sich bis zu 3,50 m, um dann wieder auf 2,30 m abzufallen. Diese Bauwerksform machte es notwendig, Meterrisse, Höhenaufrisse und andere Höhenangaben von einem Ingenieurbüro für Planung und Vermessung jeweils nach Bedarf einzumessen: Die tachymetrischen Fixpunkte lagen alle außerhalb des Bauwerks. Eine echte Herausforderung also für die Beteiligten. Mit 165 Quadratmetern gemieteter und vorgehaltener Rundschalung, aufgedoppelt für Sichtbeton, sowie 300 Quadratmetern H20 Trägerschalung hat die Neumarkter Firma die Wände mit Radien zwischen 15 und 400 Metern geschalt. Einsatzfertig und im Radius für den Ersteinsatz eingestellt - also bereits gerundet - wurden die Elemente angeliefert. Anhand von Lehren wurden sie für die weiteren Einsätze mit neuen Radien jeweils nachjustiert.

Schalungs/Gerüstbauarbeiten
Die Wände waren quasi als Freiformlinie gedacht, was sich mit einer Rundschalung aber nicht ganz realisieren lässt. Tangential verlaufende Kreisbögen reihten die Techniker so aneinander, dass sie bei den Architekten und der Bauleitung bei nur 6–8 mm Abweichung von der Sollkurve als Freiformlinie akzeptiert wurden. Es war eine Annäherung über Kreisbögen – eine runde Linie, ohne Knicke, ohne Beulen. Zwar wurden die Elemente voreingestellt geliefert, mussten jedoch auf der Baustelle ziemlich oft umgestellt werden, weil eben nicht jeder Radius gleich war. Dabei halfen die mitgelieferten Bogenlehren zum Einstellen der neuen Radien. Auch die verschiedenen Wandhöhen von 3,50 m bis 5,25 m ließen sich mit dem stufenlosen Höhenversatz problemlos meistern. Um die geforderten vier Spannstellen auf 3,00 m Höhe zu erreichen, waren zusätzlich aufgespannte Joche erforderlich, durch die die Verspannung lief. Um hohen Anforderungen der Architekten gerecht zu werden (Schalungs- und Spannbild, Rasterplan der großformatigen Schaltafeln), belegte man auf der Baustelle die Rund- und Trägerschalungen zusätzlich mit einer Vorsatzschalung. So wurden rund 3.000 Quadratmeter Sichtbeton bester Qualität abgeliefert. Bei dem hohen erforderlichen Grad der Bewehrung der Wände mit nur 20 cm Wandstärke war allerdings die ursprünglich geforderte Betongüte nicht zu realisieren, so dass von einem „normalen“ B25 auf einen Beton mit Körnung 0–8 mm und der Zugabe von Fließmittel umgeschwenkt wurde. Andernfalls wären die Wände mit einer Stärke von 20 cm nicht zu verdichten gewesen. Um dabei die für einen einwandfreien Sichtbeton notwendige Dichtheit der Schalelemente zu garantieren, mussten alle Register der Betonbaukunst gezogen werden, waren alle Raffinessen wie Abdichten mit Dichtungsbändern und Silikon oder Zuspritzen mit Montage- bzw. Dichtschaum gefragt. Sowohl der Sichtbeton als auch die maßliche Genauigkeit der Ausführung - vor allem der geschwungenen Wandverläufe - fanden nach genauer Überprüfung Zustimmung und Lob von Bauherren und Architekten.

Bautafel

Architekten: Walbrunn, Grotz, Vallentin, Loibl Architekten, Bockhorn
Projektbeteiligte: FS Fuchs-Systembau GmbH, Neumarkt/Oberpfalz(Rohbau); NOE Schaltechnik, Süssen (Schalung)
Bauherr: Montessori-Verein, Erding
Fertigstellung: 2004
Standort: Aufkirchen bei Erding
Bildnachweis: NOE Schaltechnik