St. Emmeram Realschule in Aschheim
Nachhaltige Investition in die Zukunft
Durch die Umstellung der Realschulen in Bayern von einem 4-stufigen auf ein 6-stufiges Konzept ergab sich für die Gemeinden Aschheim, Kirchheim und Feldkirchen ein dringender Handlungsbedarf. Denn die bestehende Realschule in Ismaning konnte die um 30% gestiegene Anzahl an Schülern nicht mehr aufnehmen. Die Gemeinden und der Landkreis investierten in einen zukunftsweisenden nachhaltigen Neubau, der neben den räumlichen Erfordernissen auch hohe Anforderungen an die Raumqualität und ein ausgewogenes Energiekonzept erfüllt.
Eingebettet in einen Sportpark fügt sich der viergeschossige längliche Baukörper in das städtebauliche Gesamtkonzept der umgebenden Bebauung. Auf rund 9.000 Quadratmetern bietet er Raum für 18 Klassen und rund 550 Schüler und ist durch die Lage zwischen den drei Gemeinden für alle Schüler gleich gut zu erreichen.
Die Zielsetzung mit einem Minimum an Energie ein Maximum an Behaglichkeit zu bieten führte zu einer Nord-Südausrichtung des Schulgebäudes. Eine Aula verbindet zentral den im Norden gelegenen Vorplatz mit dem Schulhof im Süden. Die Klassenräume sind nach Süden orientiert, der Verwaltungsbereich und die Fachklassenräume befinden sich dagegen auf der Nordseite. Im Dachgeschoss sind Cafeteria, Küche, Speisesaal und verschiedene Räume für die Mittagsbetreuung sowie Zeichensäle und die Hausmeisterwohnung untergebracht.
Nachhaltig Bauen
Optimale raumklimatische Bedingungen für Schüler und Lehrer bei einem minimalen Einsatz von Energie war das Leitmotiv des Energiekonzepts. Aufgrund des niedrigen Heizenergiebedarfs, bedingt durch den hohen Dämmstandard sowie der hohen inneren Wärmegewinne durch Beleuchtung und Personen, zielte die energetische Optimierung auf die sommerliche raumklimatische Behaglichkeit unter Ausschöpfung von vorrangig passiven Maßnahmen. Während die Nordfassade bezüglich der sommerlichen Wärmeeinträge unproblematisch ist, sorgen umlaufende Fluchtbalkone zusammen mit vertikalen Holzlamellen für einen feststehenden äußeren Sonnenschutz auf der Südseite. Die raumhohen Verglasungen gewährleisten dennoch eine gute Tageslichtversorgung und eine Reduzierung des Beleuchtungsstroms. Zusätzlich sind bei allen Fenstern auf der Südseite außen liegende Lamellenraffstores installiert, die individuell für jeden Raum bedient werden können.
Die Notwendigkeit, möglichst hohe thermisch aktive Speichermassen in die Räume zu bringen, steht in Klassenräumen stets in Konflikt mit der Raumakustik und den Anforderungen an Sprachverständlichkeit und Schallschutz. Zur Lösung dieses Problems wurden in Aschheim neben den statisch notwendigen Wandscheiben zusätzliche Innenwände massiv ausgeführt und der Anteil der Akustikdecken auf 70% der Deckenfläche reduziert.
Zur Beheizung der Schule kam ein Fußbodenheizungssystem in Verbindung mit einer Grundlastwärmepumpe und einem Gaskessel zur Spitzenlastabdeckung zum Einsatz. Die Wärmepumpe nutzt das Grundwasser als Wärmequelle und erreicht in Verbindung mit dem Fußbodensystem Leistungszahlen von über 5,0. Um die Leistungszahl der Wärmepumpe nicht nachteilig zu beeinflussen erfolgt die Warmwasserbereitung dezentral über Elektrowarmwasserbereiter, wobei auf eine Reihe von Warmwasseranschlüssen in den Klassenräumen verzichtet werden konnte. Sollten die passiven Maßnahmen im Sommer nicht ausreichen, kann das Grundwasser direkt zur Kühlung der Räume genutzt werden.
Die Klassenräume werden alle natürlich über die Fassade belüftet. In den Räumen, wo eine mechanische Lüftung notwendig war, wurden Wärmerückgewinnungsanlagen eingesetzt.
Bautafel
Architekt: Bär, Stadelmann, Stöcker, Nürnberg
Bauherr: Zweckverband Staatliche weiterführende Schulen im Osten des Landkreises München, Kirchheim b. München
Baubeteiligte: Gewerbegrund Projektentwicklungsgesellschaft, München (Projektsteuerung); Ingenieurbüro Hausladen, Kirchheim (Haustechnikplanung, Sanitärplanung, MSR-Planung, thermische Bauphysik)
Fertigstellung: 2006
Standort: Eichendorffstraße 14, 85609 Aschheim
Bildnachweis: Florian Hausladen, Kirchheim
