Solaraktivhaus in Regensburg
Prototyp für ein Haus mit dem Baustandard des Jahres 2020
Um zu zeigen, dass ein Haus mit minimalem Energieverbrauch architektonisch attraktiv und erschwinglich sein kann, beauftragte die Regensburger Firma Sonnenberg das Büro Fabi Architekten mit der Planung eines sogenannten Solaraktivhauses. Entstanden ist dadurch das Konzept für ein Gebäude, das sich den Gegebenheiten des jeweiligen Grundstücks und den Bedürfnissen der jeweiligen Bauherren anpassen lässt.
Das erste auf diesem Konzept basierende Haus wurde auf einem Grundstück in Regensburg realisiert. Es ist zweigeschossig, unterkellert, hat einen fünfeckigen Grundriss und erfüllt den Baustandard, der für das Jahr 2020 zu erwarten ist. Im Erdgeschoss befindet sich ein großzügiger Koch-/Ess-/Wohnbereich, im Obergeschoss sind drei Schlafzimmer und zwei Bäder untergebracht. Das Gebäude ist barrierefrei erschlossen und lässt sich im Fall einer Nutzungsänderung in zwei separate Wohneinheiten unterteilen.
Die Form des Hauses ähnelt einem Kristall, dessen Flächen mit Solarthermie- und Photovoltaikelementen sowie anthrazitfarbenen, zementgebundenen Fasertafeln bekleidet sind. Die geneigten Fassadenflächen orientieren sich am Lauf der Sonne, die Neigung der Dachflächen ermöglicht die optimale Ausrichtung der Solaranlage. So dienen steilere Flächen der solaren Heizungsunterstützung und flachere der Stromerzeugung durch Photovoltaik. Durch das Verschieben von Kanten und Winkeln während der Planungsphase kann die Gebäudeform verschiedenen Bedingungen angepasst werden, so dass sich beispielsweise die Sonnenenergie auch auf nicht optimal ausgerichteten Grundstücken effektiv nutzen lässt.
Nachhaltig bauen
Das Einfamilienhaus in Regensburg wurde als hochgedämmter Holzrahmenbau erstellt. Die Aufenthaltsräume im Erdgeschoss sind im Süden komplett verglast und über großflächige Schiebetüren mit dem Außenbereich schwellenfrei verbunden. Neben automatisch gesteuerten Vertikallamellen sorgt das auskragende Obergeschoss für die Verschattung der Südglasflächen im Sommer.
Im Winter wird die Sonnenenergie im Süden und Westen passiv genutzt. Der aktiven Nutzung dienen 55 m² Photovoltaikfläche, 25 m² Solarthermie, eine neuartige, durch Solarthermie unterstützte Wärmepumpe sowie eine kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Die Haustechnik wird durch ein kompaktes EIB-System gesteuert. Darüber hinaus sind eine Regenwasserzisterne zur Gartenbewässerung und Versorgung der WC-Spülung sowie eine mechanische Querdurchlüftung vom Keller bis ins Dach Bestandteile der Gebäudeausstattung.
Die rechnerischen Energiekennwerte des Gebäudes werden mittels Monitoring durch das Fraunhofer Institut ISE über zwei Jahre evaluiert. Somit wird das tatsächliche energetische Verhalten des Gebäudes in der Realität abgebildet. Der bisherige Energieverbrauch des Einfamilienhauses liegt im Bereich eines Plusenergiehauses.
Eine Variante des Solaraktivhauses in Regensburg konzipierte der Bauherr in Österreich zusammen mit dem Wiener Architekten Georg W. Reinberg. Viele Ideen des Passivhauskonzeptes wurden übernommen, nicht jedoch die Dämmstandards. Diese Kosteneinsparung investierte man stattdessen in ein intelligentes Haustechnikkonzept, wodurch sich die jährlichen Betriebskosten für Warmwasserbereitung und Heizung quasi auf Null reduzieren ließen.
Bautafel
Architekten: Fabi Architekten, Regensburg
Projektbeteiligte: Fraunhofer Institut ISE, Freiburg und Hochschule Regensburg, Fachbereich Architektur (Energetische Beratung)
Bauherr: Sonnenkraft, Regensburg
Fertigstellung: 2009
Standort: Regensburg
Bildnachweis: Herbert Stolz, Regensburg; Sonnenkraft, Regensburg
Surftipps
www.baunetzwissen.de/Solar > Gebäudeintegrierte Photovoltaik (GIPV)
