Lagerhalle und Verwaltungsgebäude Stahlcon in Steinenbronn

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Hallentragwerk aus Holz und ressourcenschonendes Energiekonzept

Am Rand des Naturparks Schönbuch südwestlich von Stuttgart liegt Steinenbronn. Das zur Gemeinde gehörige Industriegebiet befindet sich außerhalb des Ortskerns, in unmittelbarer Nähe zum bewaldeten Naturpark. Hier ließ sich das Unternehmen Stahlcon, das Profilschellen aus Edelstahl vertreibt, ein neues Verwaltungsgebäude mit Lagerhalle errichten. Seit 2005 in Steinenbronn ansässig, machten kontinuierliches Wachstum und die Erweiterung des Sortiments einen Neubau erforderlich. Die Planung der rund 1.000 m² großen Halle und eines künftig erweiterbaren Bürotraktes für 15 Mitarbeiter übernahmen die Wiener Architekten Anja Mönkemöller und Burkard Kreppel.

Das Herzstück des Neubaus ist eine sechs Meter hohe, stützenfreie Lagerhalle in Holzkonstruktionsweise. Hier werden die Edelstahlteile gelagert, verpackt und versandfertig gemacht. Die rund 50 Meter lange Halle erstreckt sich von Westen nach Osten; nördlich grenzt sie an die Robert-Bosch-Straße. Der zweigeschossige Verwaltungsbau umschließt L-förmig die südwestliche Gebäudeecke. Die Zufahrt zur Lagerhalle erfolgt über einen Vorplatz im Osten: Zwei große Tore in der gefalteten Fassade ermöglichen reibungslose Transportvorgänge. Der Bürotrakt wird von der Straße erschlossen. Über eine Rampe erreichen die Mitarbeiter den zurückversetzten Eingang. Er ist Teil einer überwiegend verglasten Erschließungs- und Kommunikationszone zwischen Halle und Bürotrakt, in der auch der Treppenaufgang ins Obergeschoss liegt. Die Büroräume sind auf beiden Etagen zur West- und Südseite angeordnet. Großzügige Besprechungs- und Aufenthaltsräume eröffnen Ausblicke zur umliegenden Landschaft; raumhohe, teilweise übereck laufende Fenster sorgen für viel Tageslicht an den Arbeitsplätzen. Das Bürohaus ist im Erdgeschoss von einer holzgedeckten Terrasse gefasst; die Räume im Obergeschoss führen auf einen vorgelagerten Fluchtbalkon.

Nachhaltig Bauen

Die Verwendung umweltverträglicher Baustoffe und ein ressourcenschonendes Energiekonzept waren bei der Planung ebenso wichtig wie eine hohe Nutzungsflexibilität sowie die Erweiterbarkeit des Bürotraktes durch Aufstockung. Die Halle ist eine Holzkonstruktion mit einem Tragwerk aus massiven Holzträgern und Fachwerkbindern aus Brettschichtholz. Acht Zentimeter starke Brettsperrholzbretter aus heimischer Fichte bilden die Außenwände und dienen der Aussteifung; die Fassade ist mit Stahlblech bekleidet. Das Leichtdach ist mit OSB-Platten ausgesteift, die Sparren sind sichtbar belassen und geben das Raster für die Installationsführung vor. Durch Oberlichter aus Profilglas und Fenster an der Südseite gelangt reichlich Tageslicht in die Lagerhalle, wodurch Energie für Kunstlicht gespart und eine angenehme Arbeitsatmosphäre unterstützt wird. Die Trennwand zum Bürotrakt ist als verglaste Pfosten-Riegel-Konstruktion ausgeführt. Der Bürotrakt ist eine Mischkonstruktion mit tragenden Bauteilen aus Stahlbeton (Decken, Stützen, Aufzugskern) und nichttragenden Bauteilen, wie der Fassade, als vorgefertigte Holzrahmenkonstruktion mit hinterlüfteten Faserzementplatten. Die Holz-Aluminium-Fensterelemente sind raumhoch.

Im Gegensatz zur industriell anmutenden Halle mit gewissen Aufenthaltsqualitäten soll der Bürotrakt eine nahezu wohnliche Atmosphäre vermitteln. Im Erdgeschoss wurde blauer Kautschukboden verlegt, im Obergeschoss grauer Teppichboden. Treppe und Türen bestehen aus Holz. Farbakzente setzen hellgrüne Vorhänge, die sich zudem günstig auf die Akustik auswirken.

Die Beheizung erfolgt über Bauteilaktivierung in den Betondecken und Bodenkonvektoren vor den Fenstern. Die Halle ist mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Die Wärmeerzeugung übernehmen zwei reversible Luft/Luft-Wärmepumpen mit Pufferspeicher. Bei niedrigen Temperaturen werden sie durch einen Gaskessel unterstützt. Im Sommer kühlen die reversiblen Wärmepumpen das Gebäude. Außerdem kommt eine kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Eine Photovoltaikanlage auf dem Hallendach erzeugt Solarstrom; die Beleuchtung wird ausschließlich über Bewegungsmelder gesteuert. Die Anforderungen der EnEV 2014 konnten um 28 Prozent unterschritten werden.

Bautafel

Architekt: Mönkemöller und Kreppel, Wien
Projektbeteiligte:
Holzbau Amann, Weilheim (Holzbau); Kurz und Fischer, Winnenden (Bauphysik); ee concept, Darmstadt (Energieberatung); Wagner Gebäudetechnik, Hilden (Brandschutzkonzept)
Bauherr:
Stahlcon, Steinenbron
Fertigstellung:
2014
Standort:
Robert-Bosch-Straße 4, 71144 Steinenbronn
Bildnachweis: Zooey Braun, Stuttgart

Architektenprofil

mönkemöller und kreppel

Surftipps

www.baunetzwissen.de/Gebäudetechnik > Wärmepumpen

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