Firmenzentrale in Hamburg

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Licht spielt die zentrale Rolle

In Hamburg träumt jeder von einem Grundstück am Fluss. Was für den Privatmann Blankenese, ist für Unternehmen heute die Hafencity. Der Unilever-Konzern hat sich mit seiner neuen Deutschlandzentrale diesen Traum erfüllt. Am Ende des Weges aus der Innenstadt, nur ein paar Schritte entfernt vom Kreuzfahrtterminal und der neuen Elbphilharmonie liegt der Neubau direkt an der Promenade am Strandkai.

Behnisch Architekten aus Stuttgart überzeugten mit ihrem Wettbewerbsentwurf, der durch seine Transparenz, die modernen, flexiblen Bürostrukturen und ökologische Qualitäten das Selbstbild des Unternehmens ausdrückt. Über sechs Etagen entwickelt sich um ein zentrales Atrium eine offene Bürolandschaft für die 1200 Mitarbeiter. Dadurch dass das Erdgeschoss eine wichtige öffentliche Verbindung zur Elbe schafft, wird Städtebau mit Marketing kombiniert. Das großzügige, lichtdurchflutete Atrium lädt zum Verweilen ein. Ein Shop mit Firmenprodukten, ein Café, ein Spa-Bereich und die große, von außen einsehbare Versuchsküche bieten Besuchern Einblick in die Firmenaktivitäten.

Die oberen Etagen des Gebäudes sind den Mitarbeitern vorbehalten. Mit der Flächenaufeilung wollten Bauherr und Architekt Offenheit, Nähe und Austausch zwischen den Mitarbeitern fördern. Deshalb wurde das gesamte Gebäude als flexibler Arbeitsraum angelegt. Arbeitsplätze, Besprechungsboxen und andere Einrichtungen sind in der Fläche wie Inseln verstreut. Auffallend das Angebot zu informeller, interner Kommunikation: wo man geht und steht, finden sich Sitzgruppen, Stehtische oder die so genannten „Lümmelbretter" entlang der Brüstungen. Auch hierfür spielt das Atrium eine zentrale Rolle. An den Erschließungskernen liegen offene, dorthin orientierte Flächen. Sie dienen gleichzeitig als Zugang zu den Bürozonen und bündeln zentrale Nutzungen wie Kopierer, Postfächer und Teeküchen. Brücken, Rampen und Treppen kürzen die Wege zwischen den verschiedenen Abteilungen ab.

Nachhaltig Bauen
Bei der Planung im Mittelpunkt stand das Wohlbefinden der Nutzer. Deshalb hat jeder Mitarbeiter die Möglichkeit, über manuell regelbare Heizkörper, über individuell einstellbaren Sonnen- und Blendschutz und über die Fensteröffnung, sein direktes Arbeitsumfeld zu modifizieren. Alle für die Nutzung wesentlichen Bereiche, insbesondere das Atrium, wurden raumakustisch untersucht und optimiert.

Die Grundbelüftung erfolgt mechanisch über einen Druckluftboden in einer eigens für das Bauvorhaben entwickelten Konstruktion, die auch den akustischen Anforderungen dient. Dabei wird die Zuluft über ein Filtersystem in die Bürobereiche und von dort in das Atrium geleitet und über Wärmetauscher im Dach abgeführt. Gekühlt werden die Büroetagen mittels Bauteilaktivierung der Stahlbetondecken.

Das Thema Licht war ein wichtiger Aspekt, als es darum ging, den Energieverbrauch zu reduzieren. Schon im Entwurf wurde bei der Anordnung der einzelnen Ebenen auf eine optimale Tageslichtausbeute geachtet. Die Stahl-Glas-Konstruktion über dem Atrium überspannt bis zu 37 m. Die Ausrichtung der Glasflächen ist hinsichtlich des Wärme- und des Tageslichteintrags optimiert. So sollen die zum Atrium gerichteten Arbeitsplätze fast genauso hell sein wie die an den Außenfassaden. Für die künstliche Beleuchtung setzten die Planer komplett auf die LED-Technologie und nehmen damit eine Vorreiterrolle ein. Einige Leuchten wurden speziell für den Bau entwickelt. Die Beleuchtung wird tageslichtabhängig geregelt.

Eine Folienfassade, die in einer zweiten Ebene vor die Isolierverglasung gesetzt ist, gibt dem Gebäude ein unverwechselbares Äußeres und schützt den Sonnenschutz vor starken Witterungseinflüssen. Der luftdurchspülte Fassadenzwischenraum kann zur Fensterlüftung des Gebäudes genutzt werden. Um die Durchsicht nach außen nicht zu beeinträchtigen wurde statt den eher gebräuchlichen ETFE-Kissen eine einlagige Folienkonstruktion aus ETFE-Folie (Ethylen-Tetrafluorethylen) gewählt. Solche Folien haben einen „Lotuseffekt“, so dass die Durchsicht und Sauberkeit lebenslang ohne zusätzliche äußere Reinigung möglich scheint. Zum Lastabtrag war es erforderlich, die Folie zu krümmen, was sich am effektivsten durch ein sattelförmig angelegtes Seilnetz verwirklichen ließ.

Der ökologische Anspruch wird auch durch wasserlose Urinale und eine Grauwasseranlage zur Reduzierung des Wasserverbrauchs unterstrichen. Soweit möglich, wurden ökologisch optimierte Baustoffe eingesetzt. Der Primärenergiebedarf des Gebäudes liegt unter 100 kWh/m²a.

Bautafel

Architekten: Behnisch Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: 360grad+, Hamburg (Objektüberwachung); Weber Poll, Hamburg (Tragwerksplanung); Transsolar Energietechnik, Stuttgart (Energiekonzept Wettbewerbsphase); Vector Foiltec, Bremen (Entwicklung, Konfektion, Montage der ETFE-Fassade, inkl. Seiltragwerk); HKP Ingenieure, Hamburg (Haustechnik); Horstmann + Berger, Altensteig (Bauphysikalische Beratung); ITA Weimar, Weimar - Legefeld (Baulicher Wärmeschutz, Raum- und Bauakustik); Licht 01 Lighting Design, Hamburg (Lichttechnik); Lindner Group, Arnstorf (Innenausbau)
Bauherr: Strandkai 1 Projekt Gesellschaft c/o Hochtief Projektentwicklung, Hamburg
Nutzer:
Unilever Deutschland, Hamburg
Standort:
Strandkai 1, Hafen-City, Hamburg
Bildnachweis: Adam Mørk, Kopenhagen/DK

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