Technische Verwaltung der Hoechst AG in Frankfurt
Paradebeispiel expressionistischer Baukunst
C770 lautet die Bezeichnung eines der bedeutendsten Beispiele expressionistischer Industriearchitektur im Stammwerk der Hoechst AG. Das Gebäude entstand Anfang der zwanziger Jahre nach Plänen von Peter Behrens und ist auch heute noch Teil der technischen Verwaltung, Sitz des Personal- und Sozialwesens des weltweit agierenden Chemieunternehmens.
1920 wurde Peter Behrens - Architekt, Designer und Maler, dazu führender Industriebaumeister seiner Zeit - von den Farbwerken Hoechst mit der Erweiterung der Verwaltung beauftragt. Bauplatz war ein Gelände vis à vis des Hauptcomptoirs, einem eklektizistischen Repräsentationsbau von 1892, der ebenfalls heute noch als Firmenzentrale genutzt wird. Alt- und Neubau wurden damals mit einer Brücke verbunden – diese Brücke und der Glockenturm des neuen Verwaltungstraktes sind zum Firmensignet geworden.
Der Bau ist 150 m lang und besteht aus einem kubischen Mitteltrakt mit Repräsentationsräumen wie Kuppelhalle, Ausstellungsraum, Vortragssaal und Sitzungszimmer sowie zwei Flügelbauten mit Büros.
Mauerwerk
Schon die ornamentalen Fassaden von den parabelförmigen oberen Fensterreihen bis zu den Stürzen sind eine beeindruckende Demonstration expressionistischer Backsteinbaukunst. Eine wahre Meisterleistung ist jedoch die Kuppelhalle: Belichtet wird die schmale, fünfgeschossige "Kathedrale" über drei kristallförmige Glaskuppeln.
Seine besondere Prägung erhält der Raum durch die tragenden Pfeiler, deren Form zu unterschiedlichen Assoziationen anregt - von Stalaktiten bis zu gotischen Bündelpfeilern. Die von unten nach oben vorspringenden Backsteinvermauerungen jedenfalls sind in ihrer Art beispielhaft expressionistisch - nicht allein konstruktiv, sondern insbesondere farblich. Die Pfeiler sind von unten bis oben mit einer dünnen Lasur in Spektralfarben überzogen. Unmittelbar unter den Kuppeln beginnt die Bemalung in hellem Gelb und setzt sich fort über Orange, Rot, Violett bis hin zu Blau und Grün im unteren Bereich. Ein Bodenmosaik aus unterschiedlich glasierten Backsteinen ergänzt die repräsentative Gestaltung des Mauerwerks.
Bautafel
Architekt: Peter Behrens (1868-1940)
Bauherr: Farbwerke Hoechst, Frankfurt/Main
Fertigstellung: 1924
Bildnachweis: Mathias Matzak Fotodesign Frankfurt/Main
