Parkrand in Amsterdam/NL

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Muster aus glasierten weißen Ziegeln

Das “Parkrandgebouw” liegt im Amsterdamer Stadtteil Geuzenfeld als Teil der Gartenstädte, die in der Nachkriegszeit entstanden sind. Damit sollte möglichst schnell Wohnraum für möglichst viele Menschen geschaffen werden. Obwohl das Areal mit einer überwiegenden Hochhausbebauung das Problem der Wohnungsknappheit zunächst löste, sind die Gebiete in der Zwischenzeit als soziale Brennpunkte in Verruf geraten. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, versucht die Stadt seit einigen Jahren, auch Besserverdienende für das Gartenstadt-Areal zu gewinnen. Zunehmend entstanden daher auch Flachbauten in dem Gebiet, zum Teil als dörfliche Reihenhaussiedlungen. 

Die Planer von MVRDV wollten dieser Tendenz entgegentreten und entwarfen eine verdichtete Bebauung. Die besondere räumliche Qualität des Wohngebiets liegt in den weiten umgebenden Grünanlagen. Gerade um diese Parklandschaft zu schonen, entschieden sich die Architekten für die Konzentration der 174 Wohneinheiten in einem Bauwerk. Sie hatten dabei, wohl nicht ohne Ironie, das Bild eines imposanten Herrenhauses vor Augen, das von einer weiten Parklandschaft gefasst wird.

Der kompakte Baukörper, der drei L-förmige Häuser ersetzt, beeindruckt schon durch sein Volumen: Mit den stolzen Abmessungen von 135 m Länge, 34 m Höhe und 34 m Tiefe befindet er sich durchaus “auf Augenhöhe” mit den Nachkriegsbauten. Allerdings soll der schwarz-weiße Megabau eben nicht für Verwahrlosung und soziale Verelendung, sondern für ein gemeinschaftliches Zusammenleben im “Herrenhaus" stehen.

Das Gebäude besteht aus fünf Türmen, die durch einen Sockel sowie mehrere Wolkenbügel zwischen den Penthouse-Etagen verbunden werden. Da die Türme versetzt angeordnet sind, haben auch die Mieter der straßenseitig gelegenen Wohnungen freien Blick auf den Park und Tageslicht von zwei Seiten. Zudem öffnet sich der Block gleichsam mit großen Toren und gestattet auch von der Straße her Einblicke und Sichtbezüge zum Park.

Eine gemeinsam genutzte halböffentliche Terrasse auf dem Sockel bietet den Bewohnern geschützte Freiräume und Spielflächen und soll als zweites Wohnzimmer mit überdimensionierten Sesseln, Blumentöpfen und “Kronleuchtern” fungieren. Wesentlich verstärkt wird dieser Effekt des Wohnzimmers im Außenraum durch die ornamentale Wirkung der weißen Innenfassaden aus Backsteinen, in die tapetenartig ein Rautenmuster aus glasierten Ziegeln eingelegt wurde.

Mauerwerk
Ein wichtiges Element der Gestaltung ist der Kontrast von hell und dunkel, von rau und glatt oder auch von flach und auskragend. Während die Außenfassaden des Gebäudes mit schieferfarbenen Betonpaneelen versehen sind, leuchten alle innen liegenden Fassaden im reinen Weiß der glasierten Ziegel. Die glatten Fassaden im Innenhof stehen im Wechsel mit den verglasten Balkonen zum Park hin.

Die Ornamentik an den inneren Fassaden ergibt sich durch die Verwendung unterschiedlich glasierter Steine, die sich zu dem erwähnten Rautenmuster fügen. Die Steine sind dafür unterschiedlich angeordnet: entweder wurden sie als Läufer gemauert oder als Läufer um 90° gedreht, so dass die Untersicht der Steine in der Fassade sichtbar ist. Die Ziegel wurden deshalb auf der Oberseite oder auf der Längsseite glasiert. Wenn ein Teil der Steine auf der perforierten Seite glasiert wurde, so ist dies zum einen der Akustik geschuldet, ergibt aber eben auch einen spannungsreichen Dialog mit den gesprenkelt oder ganz glatt glasierten Steinen.

Bei aller Großmaßstäblichkeit gewinnt die Architektur des Hauses gerade durch diese haptische, stoffliche Qualität ein menschliches Maß.

Bautafel

Architekten: MVRDV, Rotterdam/NL
Projektbeteiligte: Richard Hutten Studio, Rotterdam/NL ( Innenarchitektur, Entwurf Terrasse); Ballast Nedam Midden, Utrecht/NL (Generalunternehmer); Pieters Bouwtechniek, Delft/NL (Tragwerksplanung); Koninklijke Tichelaar, Makkum/NL (Ziegelhersteller)
Bauherr: Het Oosten Kristal, Amsterdam/NL
Fertigstellung: 2007
Standort: Amsterdam/NL
Bildnachweis: Rob 't Hart; Rotterdam/NL (1-3); Het Oosten Kristal, Amsterdam/NL (4 und 5); MVRDV, Rotterdam/NL (6-10)

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