Landmark in Nieuw-Bergen

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | ... | 17 |

Turm auf Würfel in variiertem Läufer-Binder-Verband

Ein Ortszentrum, das unspektakulärer nicht sein könnte und ein zentraler Neubau, der auf eine angemessenere Art nicht aufsehenerregender sein könnte: Das Zentrum des 5.000-Einwohner-Ortes Nieuw-Bergen in der niederländischen Provinz Limburg besteht aus Radhuisplein und Radhuisstraat, die beide von ein paar belanglosen zweigeschossigen Gebäuden umstanden sind. Jetzt aber markiert den Kreuzungspunkt der rechtwinklig aufeinandertreffenden Straßenaufweitungen ein 25 Meter hoher backsteinerner Turm als weithin sichtbare Landmarke und öffentliches Gebäude mit hohem identitätsstiftendem Potenzial.

Der aus einem Wettbewerb hervor gegangene Entwurf stammt von den Architekten Job Floris und Sandor Naus, die ihr Rotterdamer Büro Monadnock nennen – nach dem Inselberg, der sich durch Erosion unvermittelt aus einer flachen Ebene erhebt. Sie entwarfen einen in alle Richtungen gleich erscheinenden Würfel als Sockel mit einem dazu verdrehten hohen schlanken Turm, der wie ein Kirchturm weithin sichtbar in die Ferne weist. Der Sockel hat Kantenlängen von 11,37 Meter und beherbergt zwei offene Geschosse für öffentliche Versammlungen, Veranstaltungen aller Restaurants und ähnliches.

Jede Fassade weist unten zwei mit Rundbögen abschließende Öffnungen auf, die mal verglast und mal nur teilverglast sind und darüber vier Fenster, die mal gereiht, mal gruppiert angeordnet und mal nur Scheinfenster sind. Im Inneren führt eine Wendeltreppe hinauf auf die Dachfläche, die als erste Aussichtsebene dient und auf der die Besucher hinüber wechseln können in den schlanken Turm. 45 Grad zur Basis verdreht erhebt er sich ebenfalls auf quadratischem Grundriss. In ihm führt eine weitere Wendeltreppe hinauf zu einer zweiten Aussichtsplattform.

Mauerwerk
Die Hülle des in alle Richtungen gleich markant und wiedererkennbar erscheinenden und dennoch leicht verschiedenen gegliederten Baukörpers bildet ein regionaltypischer Backstein. Der Handformziegel im Waalformat mit den Maßen 217 x 102 x 52 mm kam hier in einem Rot- und einem grünlichen Grauton zum Einsatz.

Der Sockelbau erinnert an historische holländische Kontorhäuser, die das erst nach dem 2. Weltkrieg entstandene Dorf Niieuw-Bergen nicht kennt. Jede Fassade ist in acht Felder gegliedert, die durch 33,2 cm breite, leicht hervortretende Mauerblenden markiert werden. Wo die Eingänge nicht mit einem verglasten Rundbogen abschließen, ist ein solcher als rotes netzartiges Klinkermuster in das grüngraue Sichtmauerwerk eingearbeitet. Auch die Scheinfenster zwischen den hohen Rechteckfenstern darüber entstanden als farbige Muster im Läufer-Binder-Verband.

An einer Ecke des unteren Kubus' mündet die Wendeltreppe aus seinem Inneren auf das Dach. Sie hat hier eine gemauerte Einhausung mit einem rautenförmigen Muster aus denselben roten und grüngrauen Klinkern im Läufer-Binder-Verband. Der hohe Aussichtsturm daneben wird hingegen aus einer Stahlkonstruktion und einer vorgesetzten Ziegelfassade gebildet. In einem halboffenen Läufer-Binder-Verband wurde hier in jeder dritten Ziegellage der Binder weggelassen, sodass ein versetztes Lochmuster entsteht, durch welches Tageslicht ins Turminnere fällt, beim Aufstieg der Blick in die Ferne möglich ist und auch bei Dunkelheit der Turm durch Ausleuchtung weithin sichtbar bleibt.

Bautafel

Architekten: Monadnock, Rotterdam, Niederlande
Projektbeteiligte: Monton Projectmanagement, Eindhoven (Bauleitung); Bolwerk Weekers, Deurne (Tragwerksplanung); LOS/Stad om Land, Vught (Freiraumplanung); Burgtbouw, Deurne (Bauunternehmen); Daas Baksteen Zedam, Azewijn (Klinkerhersteller), alle Niederlande
Bauherr: Concept-NL projectontwikkeling, Eindhoven
Fertigstellung: 2015
Standort:
Raadhuisplein, 5854 Nieuw-Bergen, Niederlande
Bildnachweis: Stijn Bollaert, Gent

Standort in Google Maps anzeigen