Kinderhaus Entlisberg in Zürich

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Geschlämmtes Kalksandstein-Sichtmauerwerk

Auf dem weitläufigen Gelände eines ehemaligen Waisenhauses im Zürcher Stadtteil Wollishofen betreibt die Stadt heute ein Kinderhaus mit über 100 Betreuungsplätzen. Außerdem bietet die Einrichtung eine Anlaufstelle für Eltern, einen Familientreff für private Spielgruppen oder Elternkurse sowie eine Kriseninterventionsstelle für die Aufnahme von Säuglingen und Kleinkindern, die eine vollständige Betreuung außerhalb der Familie benötigen.

Das Gebäudeensemble wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Plateau des Entlisberges nach Plänen des Architekten Friedrich Fissler errichtet. Erst als Waisenhaus, später als Kindergarten genutzt, reichte der Platz aufgrund steigender Nachfrage irgendwann nicht mehr aus. Im Jahr 1999 lagerte man die Krippenräume in Container aus, zehn Jahre später lobte das Amt für Hochbauten der Stadt Zürich einen Wettbewerb für einen Ergänzungsbau aus, der das Provisorium ersetzen sollte. Daraus ging der Entwurf des ortsansässigen Architekturbüros Bernath und Widmer in Kooperation mit Gianluca De Pedrini als Sieger hervor.

Die Architekten planten einen lang gestreckten, eingeschossigen Pavillon mit fast 50 Meter Länge und etwa 10 Meter Tiefe, den sie mit Rücksicht auf das denkmalgeschützte Gebäudeensemble und den parkähnlichem Garten entlang der westlichen Grundstücksgrenze platzierten. Im Osten blieb so eine weitläufige Freifläche erhalten, zur anderen Seite schließt sich der Grünzug Butzenwald an. Der schlichte Flachbau nimmt sich gegenüber der Gründerzeitarchitektur des Hauptgebäudes dezent zurück. Er beherbergt eine Krippe mit zwei Säuglings- und Kleinkindergruppen mit je 24 Betreuungsplätzen sowie einen Hort für 15 Kinder. Zum Teil werden die Räume auch für private Angebote wie etwa Spiel- und Krabbelgruppen genutzt.

Die Krippe befindet sich im südlichen, der Hort im nördlichen Abschnitt des Neubaus; beide besitzen jeweils einen separaten Eingang von Westen. Gruppen- und Nebenräume reihen sich der Länge nach im Wechsel aneinander. Letztere – die Sanitärräume, Küchenzeilen, Wickeltische und Schlafnischen – sind hinter den ein bzw. zwei Meter breiten, geschlossenen Mauerwerksflächen untergebracht. Dazwischen liegen die bis zu fünf Meter breiten, nach Osten und Westen komplett verglasten Gruppen-, Aufenthalts- und Foyerräume, die von sichtbar belassenen Holzbindern frei überspannt werden.

Alle Räume sind durch eine zentrale Erschließungszone verbunden, die sich schnurgerade über die gesamte Gebäudelänge zieht und an den Stirnseiten des Baukörpers jeweils mit einem raumhohen Fensterelement abschließt. Einige der Gruppenräume erhielten zusätzlich direkte Verbindungstüren zueinander, um die Einheiten flexibel unterteilen oder zusammenschließen zu können.

Mauerwerk
Der Pavillon ist als Massivbau in Kalksandstein-Sichtmauerwerk und Stahlbeton errichtet. Alle in Gebäudelängsrichtung verlaufenden Wandabschnitte wurden aus statischen Gründen betoniert. Vor diesen jeweils 25 cm starken, tragenden Betonwänden ordnete man eine 30 cm dicke Wärmedämmung aus Steinwolle an, daran schließt eine ungewöhnlich tiefe Luftschicht von 23 cm Tiefe an, die alle nötigen Installationen für die Dachentwässerung aufnimmt. Dieses wohldurchdachte Detail sorgt dafür, dass keine störenden Rinnen bzw. Rohre vor der Fassade liegen und das außenliegende Mauerwerk unterbrechen. Diese Außenschale schließlich besteht aus Kalksandsteinen im Format 24 x 11,5 x 14 cm. Insgesamt erreicht die Wand einen Wärmedurchgangskoeffizienten von  0,12 W/m²K.

Die Innenschale der stirnseitigen Außenwände wurde ebenso wie die einschaligen Innenwände in Gebäudequerrichtung in 24 cm dickem Kalksandsteinmauerwerk ausgeführt. Das Material kam hier unter anderem aufgrund seiner hohen Rohdichte und – dadurch bedingt – seiner guten Schallschutzeigenschaften zum Einsatz. Alle Mauerwerks- und Stahlbetonflächen sind innen und außen unverputzt und weiß geschlämmt.

Bautafel

Architekten: Bernath und Widmer, Zürich; Gianluca De Pedrini, Zürich
Projektbeteiligte: Sjb Kempter Fitze, Frauenfeld (Tragwerk); Bws Bauphysik, Winterthur (Bauphysik); Haerter und Partner, Zürich (HLKS); Elara Engineering, Zürich (Elektro); Hunziker Kalksandstein, Brugg (Kalksandstein)
Bauherr: Stadt Zürich
Fertigstellung: 2013
Standort:
Butzenstrasse 53, 8038 Zürich
Bildnachweis: Roland Bernath, Zürich; Bernath und Widmer, Zürich; Gianluca De Pedrini, Zürich

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